Soil - Picture perfect

Soil- Picture perfect

AFM / Soulfood
VÖ: 23.10.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Ludolf-Metal

Angesichts einer Bandgeschichte von über zwölf Jahren wäre allmählich eine neue Begriffsfindung angebracht. Zieht man in Betracht, dass die Genredefinition auch bereits rund 15 Jahre auf dem Buckel hat, wird klar, dass New Metal als Bezeichnung so nicht mehr zu halten ist. Das Verfallsdatum, nicht nur von Soil, ist längst überschritten. Die ersten Rostflecken am New Metal entwickelten sich bereits rund um die Jahrtausendwende. Der Rost hat sich zwischenzeitlich weiter nach innen gefressen und zersetzt das Genre nach und nach, bis nichts Verwertbares mehr übrig bleibt. Eigentlich sollte dieser ganze Schrott nun endlich einmal komplett entsorgt werden. Aber wie es nun einmal so ist: Es findet sich immer irgendjemand, der auch noch den letzten Altmüll vor der Schrottpresse rettet, in der Hoffnung, noch etwas damit anfangen zu können.

Auch Soil sind sich nicht zu schade für diesen Job. Gleich zu Beginn knüppelt sich der Vierer aus Chicago voller Energie durch "Tear" und "Like it is". Der Standpunkt scheint klar: Lullibulli-Musik für den nächsten Biker-Ausflug können andere machen. Soil sind nur für die ganz harten Kerle gemacht. Doch das fünfte Album der Band hält umgehend inne und besinnt sich auf andere Richtungen. Der Titelsong "Picture perfect" und Tracks wie "Every moment" und "Falter" sollen den Verkauf im Segment Alternative- und Hard Rock ankurbeln. "Lesser man" bedient sich schamlos bei den Großen der Grunge-Ära zu Beginn der 1990er. Dazwischen findet sich dann und wann die eine oder andere Ballade, über die sich entweder Reamonn ("Surrounded") oder auch Staind ("Too far away") freuen würden. "Picture perfect" hält somit keine Überraschungen bereit.

Dass Soil sich dennoch nicht, wie so viele Genre-Kollegen, mittlerweile vollkommen der Lächerlichkeit preisgeben, sollte wohlwollend erwähnt werden. Das Potenzial scheint immer wieder durch einzelne Songs. Nur will das wahrscheinlich mittlerweile keiner mehr so richtig wissen oder hören. Für die ganz breite Masse und den großen Radioerfolg sind Soil einfach nicht melodiös und geradlinig genug, für die Genre-Nerds und die Kritiker einfach zu beliebig. So schwimmen Soil irgendwo zwischen den Fronten und wissen nicht so recht, wohin mit sich und der Spiellaune. Für die Schrottpresse zu gut erhalten, für den Neumetall-Handel zu abgegrabbelt. Da bleibt nur der Transport zu den den Ludolfs. Die werden schon ein Plätzchen finden.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Lesser man
  • Falter

Tracklist

  1. Tear
  2. Lesser man
  3. Like it is
  4. Picture perfect
  5. Surrounded
  6. Wasted
  7. Every moment
  8. Anymore
  9. Falter
  10. Too far away
  11. Calling out
  12. Temptation
  13. Last wish

Gesamtspielzeit: 48:15 min.

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