Kent - Röd

Kent- Röd

RCA / Sony
VÖ: 06.11.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bis zur Haltelinie

Rotsehen ist nichts Neues. Das passiert in Deutschland täglich. Und zwar nicht nur irgendwo am anderen Ende der Bundesrepublik, sondern auch in unmittelbarer Nachbarschaft. Es gibt schließlich 10 Millionen Ampeln in diesem Land. Rothören ist dagegen schon eine etwas seltenere Angelegenheit, erst recht auf Schwedisch. Aber Kent machen's möglich und bekennen auf ihrem achten Album Farbe: "Röd" beweist mit der konsequenten Fortführung ihrer auf "Tillbaka till samtiden" begonnenen Elektro-Synthie-Phase einmal mehr, dass bei dieser Band ein bisschen mehr geht, als bei anderen. Nämlich gleichzeitig Rothören und -sehen. Zumindest bei der ersten Single "Töntarna", die sich mit ihrem Presslufthammer-Plastiksound erbarmungslos ins Ohr bohrt. Das ist Sonntagmorgenmusik für Menschen mit "Master of hardcore"-Aufkleber auf der Heckscheibe, das ist King Kong in der Großraumdiskothek, das ist die vertonte grobe Mettwurst im Kunstdarm.

Die Verdauungsprobleme halten sich dennoch in Grenzen, was allerdings nicht an den erwähnten Ballaststoffen liegt, sondern daran, dass Kent trotz aller Modesünden ihre große Tugend nicht ganz vergessen haben: Melodien, die nicht ins Rotlichtmilieu, sondern ins Flutlicht eines Stadions gehören. Hymnen, die im Vorprogramm von Depeche Mode, A-Ha, U2 oder sogar Coldplay nicht auffallen würden. Unter Umständen würde man noch nicht einmal mitbekommen, wo ein Song endet und wo der nächste beginnt - dazu passend gehen auch die ersten vier Stücke auf "Röd" nahtlos ineinander über. Berechtigte Frage: Wenn keine Naht da ist, gibt es dann trotzdem einen roten Faden, der die elf Lieder zusammenhält? Durchaus. Es ist dieser einnehmende, hochglänzende Sound, für den auch dieses Mal wieder Produzent Jon "Joshua" Schuman zuständig war. Und nachdem einer der auffälligsten Songs ihres letzten Albums schon "Berlin" hieß, haben Kent dort auch ihr neuestes Werk eingespielt - in den legendären Hansa-Tonstudios.

Zinnoberrot, Feuerrot, Karminrot, Blutrot, Purpurrot, Scharlachrot, Weinrot - es gibt so viele unterschiedliche Nuancen dieser wunderbaren Farbe! Nur halt nicht auf dem neuen Kent-Album. Obwohl es vielversprechend anfängt: "18:29-4" stellt mit Glockengeläut, würdevoller Orgel und einem pastoralen Chor eine Kirchenszene nach. Zugegeben, der dramaturgische Sinn erschließt sich einem nicht sofort. Man kommt aber auch gar nicht dazu, länger darüber zu grübeln, denn nach knapp zweieinhalb Minuten stört "Taxmannen" die Andacht - und erinnert nicht nur an "Numb" von U2, sondern leider auch an U2 plus 94. Wenn man's nicht besser wüsste, würde man tatsächlich Alex Christensen in unmittelbarer Nachbarschaft vermuten. Immerhin passt sein Nachname prima ins Gotteshaus.

Das Prinzip der Songs ist eindeutig: In den Strophen eskalieren, im Refrain sanieren. Zunächst muss man aber am eigenen Leib erfahren, dass Rot nicht nur die Farbe der Liebe, sondern auch die Farbe der Hiebe ist: "Vals för satan (Din vän pessimisten)" stampft einen Beat ins Trommelfell, mit dem normalerweise Filmrisse besoundtrackt werden, in "Krossa allt" und "Idioter" klingt Schwedens erfolgreichste Band dann auch noch wie The Rasmus für Erwachsene. Und dann scheint es wieder so, als müsste Frontmann Joakim Berg sich erst durch die etwas zähen Strophen arbeiten, um im Refrain zum Befreiungsschlag ausholen zu können - wie in "Hjärta". Ansonsten setzen Kent sehr gerne auf die hypnotische Wirkung des Repetitiven, "Svarta linjer" umkreist immer wieder ein und dasselbe Motiv. Ganz am Schluss, wenn man schon nicht mehr damit rechnet, läuft "Röd" jedoch zur Hochform auf: Das großartige "Det finns inga ord" erreicht die Klasse, die man zuletzt auf "Hagnesta Hill" gehört hat. Und jetzt machen wir uns zum Finale auch mal die Mühe zu übersetzen: Es gibt keine Worte.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Det finns inga ord

Tracklist

  1. 18:29-4
  2. Taxmannen
  3. Krossa allt
  4. Hjärta
  5. Sjukhus
  6. Vals för satan (Din vän pessimisten)
  7. Idioter
  8. Svarta linjer
  9. Ensamheten
  10. Töntarna
  11. Det finns inga ord

Gesamtspielzeit: 56:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ja
2013-11-26 20:20:58 Uhr
Wurde auch in anderen Threads bereits als eine der schlechtesten PT-Rezensionen aller Zeiten bezeichnet. Zurecht.
Fefferspree
2013-11-26 20:17:03 Uhr
Was für eine furchtbare Rezension. Wenn ich sowas lesen will, kann ich mir auch ne Neon kaufen.
DELL
2011-01-28 08:46:12 Uhr
Lachhaft diesem Album eine 4/10 zu geben.kent hat noch nie ein schlechtes Album gemacht ihr Indie-Trottel.

Röd ist sicherliche keine 10/10, aber sollte doch mindestens eine 7-8/10 erhalten, allein schon deswegen, weil die Songs sofort ins Ohr gehen.
Aber es ist hier grundsätzlich so, dass alles,was nicht irgendwie Indie oder undergournd ist, wenig Chancen auf eine objektive Kritik hat. Die Röd-Kritik ist ein Skandal für sich - dermaßen unsachlich und emotional geschrieben - der Autor gehört gefeuert!

Man kann plattentests, laut, pitchfork einfach nicht ernst nehmen. Da werden Alben mit 10/10 bewertet die nicht mehr als guter Durchschnitt sind und sehr gute Alben wie Foot Of The Mountain von a-ha oder eben Röd niedergemacht.



Alex
2010-03-31 14:51:21 Uhr
An dieser Stelle möchte ich (sinngemäß) aus einem "Zwiebelfisch"-Blog von Bastian Sick zitieren:

"Laut einer neuen Umfrage haben 80% der Deutschen Angst vor einer Rezension. So viele Schriftsteller - und nur ein Marcel Reich-Ranicki! Wie soll der das denn alles schaffen?"
@thom
2010-03-31 11:48:09 Uhr
informier dich bitte mal, was der unterschied zwischen rezension und rezession ist
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