Brett Anderson - Slow attack

Brett Anderson- Slow attack

Ear / Edel
VÖ: 30.10.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Beziehungsweise

Verweigerung gegenüber Erwartungshaltungen stand lange Zeit nicht auf Brett Andersons Spielplan. Letztes Jahr war es dann aber so weit: "Wilderness", das zweite Soloalbum des ehemaligen Suede-Sängers, verzichtete komplett auf Rhythmusgruppe und radiotaugliche Songs und arbeitete stattdessen eine gescheiterte Beziehung mit wenig mehr als Gitarre, Piano und ein paar Streichern so konsequent uneingängig auf, dass man sich fragen musste, was wohl als nächstes kommt. Ein Gedichtband? Ein außerirdisches Stück Schweinehälftenmusik nach Scott-Walker-Art gar? Mit Pop, wie man ihn von früher kennt, schien Anderson jedenfalls mehr oder weniger fertig zu sein. Und so macht auch "Slow attack" es einem nicht immer einfach - doch immerhin nicht so schwer, wie der ätherisch oszillierende Opener "Hymn" vermuten lässt.

Auch "Wheatfields" entzieht sich halbakustisch und von Flanger-Effekten durchzogen zunächst dem Tatbestand eines Popsongs, bevor Anderson mit dezent klagender, aber ungemein voluminöser Stimme von Naturgewalten als emotionaler Metapher und Schönheiten auf der Bettkante erzählt. Doch auch wenn wie üblich eine omnipräsente, namenlose "she" durch die Songs geistert, ist die Weiblichkeit hier niemals eine holde, sondern ein unnahbares und eigensinniges Wesen, das dem vermeintlich starken Geschlecht meist übel mitspielt: "She is the hunter, you are the hunted." Ein am zunehmenden Alter geschulter, weiser Blick auf das Beziehungskarussell des Lebens, der bei "Pretty widows", dem beschwörenden "Julian's eyes" oder eben "The hunted" in einige der wundervollsten Songs seit Suedes "Everything will flow" mündet. Und zumindest inhaltlich hat sich dann auch gar nicht so viel getan. She's the boss. Und er nur der Sänger.

Musikalisch entwirft "Slow attack" aber auch unwirtlichere Szenarien und lässt seinen Protagonisten nicht nur mit großer romantischer Geste vor erhabenen Soundhintergründen wandeln. Das unwägbare "The swans" drückt sich in den Randgebieten ausgefransten Postrocks herum und kommt nur langsam, aber sehr eindrucksvoll in Wallung. "Frozen roads" und "Scarecrows and lilacs" bieten dagegen nicht viel außer Stimme und Pianobegleitung und offenbaren so Andersons zeitweiliges Problem. Selbstvergessenes Songwriting und spröde Elegien machen Teile dieses Albums nämlich arg ungreifbar - und daher angreifbar. Vor übertriebener Verschrobenheit schützen ihn aber musikalisches Können, makelloser Gesang und zusätzlich Produzent Leo Abrahams, der auch schon ältergediente britische Popstars wie Bryan Ferry verarztet hat. Und wenn "Slow attack" mitunter in ähnlich schemenhafte Gefilde abdriftet wie die durch eine regennasse Fensterscheibe betrachtete Silhouette des Künstlers auf dem Cover, kommt man zum Schluss: So und nicht anders wird er es gewollt haben. Genaues Hinhören empfiehlt sich also mehr denn je. Zumal das oft genug ein reines Vergnügen ist.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Wheatfields
  • The hunted
  • The swans
  • Julian's eyes

Tracklist

  1. Hymn
  2. Wheatfields
  3. The hunted
  4. Frozen roads
  5. Summer
  6. Pretty widows
  7. The swans
  8. Ashes of us
  9. Scarecrows and lilacs
  10. Julian's eyes
  11. Leave me sleeping

Gesamtspielzeit: 44:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
sugar ray robinson
2009-11-13 16:53:19 Uhr
war auch mal suede fan, die sachen von tears und die solo sachen taugen alle nix.
musie
2009-11-13 12:18:29 Uhr
Ich fand früher Suede super und das letzte Solo Album war auch ganz ok, aber das neue Werk??... Plattentests findet da tatsächlich vier Highlights? Meines Erachtens gibts nur Lowlights, von mir eine 3/10 mit der Bitte ans Brett, uns zu verschonen mit solch belangslosen Gefühlsdudeleien.
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