Slayer - World painted blood

Slayer- World painted blood

American / Sony
VÖ: 30.10.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Blutdurstlöscher

Wenn Slayer im eigenen Saft schmoren, hat die ganze Welt etwas davon. "World painted blood" widmet sich genüsslich dem Element, das im Periodensystem der Band längst einen eigenen Platz hat: Plakatiefrot rinnt das Blut vom Artwork und aus den Texten. Wer bisher den Weltmachtstatus von Slayer nicht begriffen hat, dem wird spätestens hier klar, wie real deren 1986 im seither unangetasteten Meisterwerk "Reign in blood" versprochene blutige Herrschaft ist. Denn die Band war im Gegensatz zu manchen Thrash-Kollegen nie wirklich peinlich, und Paul Bostaph sowie das bisschen Stagnation in den Neunzigern verzeiht man ihnen mit Blick auf Metallicas parallele Cockrock-Eskapaden schnell. Das gut gepflegte quasi-religiöse Brauchtum um "Slayer!" und "Tom Araya is our Jesus" spricht eh eine eindeutige Sprache: Slayer sind der Tyrannosaurus Thrash.

Wer seit bald drei Dekaden als primus inter paris mit Schmackes die Pforten zur Hölle aufstößt, hat denn auch nichts mehr zu beweisen: "World painted blood" ist eine blutbefleckte Empfängnis für die Fans, aus der jene Mischung aus Testosteron-starrender Energie und altersweiser Routine spricht, die Metallica mit "Death magnetic" nicht organisch herstellen konnten. Selbstverständlich führt kein Weg vorbei an der nachdenkenswerten Provokations-Folklore, deren Themen bei Slayer längst streng kanonisch sind: böser Gott, böser Staat, böse Medien, der Mensch als des Menschen Wolf, dessen Untergang unmittelbar bevorsteht - Text für Text stilisieren Araya, King und Hannemann die Welt lyrisch zum amoralischen Sündenpfuhl, während Lombardo den Takt vorgibt, zu dem King und Hannemann ihre nach brennenden Katzen klingenden Leads und dumpf zitternden Riffs dazwischenschießen.

Der titelgebende Opener ist gleich ein Schlachtfest von Song: Greinend bauen die doppelten Gitarren im Intro Atmosphäre auf, bevor das folgende "Angel of death"-Zitat sechs abwechslungsreiche Trademark-Minuten voll von höllisch guten Riffs, Breaks und giftigen Gesangspassagen einleitet und den Song zu Slayers bestem Albumeröffner seit "War ensemble" macht. Auch "Unit 731" enthält einige der überall aufblitzenden "Reign in blood"-Referenzen, und in "Snuff" legen Hannemann und King direkt nach dem Einzähler mit ihren Blutrausch-Soli los, bevor Araya den Berserker geben darf: "Murder is my future / Killing is my future." "Beauty through order" leitet dagegen die "South of heaven"-Tradition des behäbigen Grooves und düster-melodischen Gesangs ein, in "Human strain" klingen die Vocals eine Minute vor Schluss gar nach modernem Metal-Nachwuchs, und die wütend stampfenden Riffs und flirrenden Leads von "Americon" stellen der amerikanischen Volksseele einmal mehr ein Armutszeugnis aus, wenn Araya schreit: "It' all about the motherfuckin' oil."

Gerade als die soliden, aber oft gehörten Bandstandards der zweiten Albumhälfte "World painted blood" herunterzuziehen drohen, haben Slayer noch ein Ass im Ärmel: "Not of this God" prescht noch einmal durch eine Hochgeschwindigkeits-Lektion für den Nachwuchs, Geknüppel, Breakdown und Fingerbrecher-Solo inklusive. Wäre nicht schon "Christ illusion" derart großartig gewesen, müsste man bei "World painted blood" von der Rückkehr zu alten Tugenden des Dream-Teams Slayer/Rick Rubin sprechen. So ist es ein souveränes Werk mit guten, besseren und hervorragenden Stücken, das als frischer Blutdurstlöscher seinen Zweck mehr als erfüllt. Glücklicherweise hat Greg Fidelman nach seinem laut-lauter-"Death magnetic" -Desaster dieses Mal einen ordentlichen Sound produziert. Andernfalls hätte es sicher reichlich böses Blut gegeben.

(Dennis Drögemüller)

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Highlights

  • World painted blood
  • Snuff
  • Beauty through order
  • Americon

Tracklist

  1. World painted blood
  2. Unit 731
  3. Snuff
  4. Beauty through order
  5. Hate worldwide
  6. Public display of dismemberment
  7. Human strain
  8. Americon
  9. Psychopathy red
  10. Playing with dolls
  11. Not of this God

Gesamtspielzeit: 39:52 min.

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User Beitrag
Ryan Air
2009-11-06 16:30:49 Uhr
http://www.in-your-face.de/reviews/slayer-world-painted-blood
toolshed
2009-11-06 04:29:40 Uhr
@DerMeister: "Hordes Of Chaos" ist durchaus gut, das stimmt, die hat meiner Meinung nach eine handvoll richtiger Brecher drauf.. "War Curse" zb. - ein derartiges Kaliber sucht man auf "World Painted Blood" vergebens, aber leider gibt es mindestens genauso viele Füller, und diese ziehen das Album (als ganzes) ein ordentliches Stück runter.. die neue Megadeth finde ich allerdings äußerst unspannend, belanglos, routiniert und bemüht um nicht zu sagen schlecht. Was "World Painted Blood" meiner Meinung nach zu einem überzeugenden Album macht, ist neben der hohen Musikalität, der Slayer-typischen, herrlich sinistren Atmosphäre und dem ziemlich guten Songmaterial vor allem die Tatsache, dass es Slayer gelingt, innerhalb ihres selbst geschaffenen Soundkosmos überraschende Akzente zu setzen.. und dass ist eben der Punkt. Auch wenn dieses Album kein erneuter Meilenstein und auch kein Meisterwerk geworden ist, bin ich davon überzeugt, dass es dennoch in einigen Jahren zum Klassiker in der Slayer-Diskografie avancieren wird.
mal nicht übertreiben
2009-11-05 06:06:11 Uhr
Nix mit Thrash Metal Granate des Jahres. "Hordes of Chaos" ist klar besser und "Endgame" mindestens genau so gut wie "WPB".
toolshed
2009-11-05 04:20:35 Uhr
Die Thrash-Metal-Granate des Jahres.. stößt Meilensteine wie "Reign", "South" oder "Seasons" natürlich nicht vom Thron - das hatte aber sowieso niemand erwartet, ist ein geiles Album geworden. 7/10
Bonzo
2009-11-05 01:29:53 Uhr
Bläst die Ohren doch ganz gut durch. :)

HATE WORLDWIDE!
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