The Hidden Cameras - Origin: orphan

The Hidden Cameras- Origin: orphan

Arts & Crafts / Al!ve
VÖ: 30.10.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Ungeduld und Spucke

Der größte von Feind von Joel Gibb, Vorsteher der Hidden Cameras, scheint er selbst zu sein. Es ist seine hörbare Ungeduld, die vor allem die letzten beiden Album seines kanadischen Großkonsortiums zu einer mediokren Angelegenheit machte. "Missisauga goddam" erschien insgesamt zwar ruhiger als der verdient bejubelte Vorgänger "The smell of our own", doch hibbelige wie unruhige Zwischensequenzen forderten etliche Fragezeichen heraus, wo vormals noch anfängliche Euphorie zu bewundern war. "Awoo" verfolgte mit seinem munteren Genrehopping eine ähnliche Strategie, wies aber mangelnde Konzentration und viel nicht zu Ende Gedachtes auf, so dass der Blick auf das Wesentliche des eigentlich bewundernswerten, offenherzigen Songwritings verwischt wurde.

"Origin: orphan", das fünfte Erzeugnis aus dem Hause Gibb, leidet zu kleinen Teilen immer noch an diesen Kinderkrankheiten. Das mitunter leicht anzügliche "Underage" ist mit seinem "Graceland"-Gedenken und osteuropäischen Bläser- und Hörnersektionen sicherlich schön anzuhören, doch türmen sich innere Gegensätze auf, denkt man an den zuvor durchgelaufenen Titeltrack, zu dessen unheilvoll stechendem Synthie-Rhythmus und engelsgleichem, über allem thronendem Gesang "Underage" sozusagen die Antithese bildet. Und wieder schleicht sich die Befürchtung ein, dass Gibb seinen Qualitätsanspruch anno 2009 immer noch mit "Hauptsache bunt!" betitelt. Glücklicherweise aber steht auf der Habenseite dieses Albums viel mehr, als man im Vorfeld und nach den beschriebenen Enttäuschungen hätte erahnen können.

"Ratify the new" lässt sich in den ersten zwei Minuten erst einmal gar nichts entlocken. Ein dröhnendes Schweigen wird langsam von gregorianischen Chören und Pianotupfern herausgefordert. Anleihen an Avantgarde und Noise überraschen zwar, zeigen aber, dass in Gibb durchaus mehr steckt, als er in den letzten Jahren gezeigt hat. Mit seinem variablen und schlicht wunderschönen Gesang setzt eine arabische Melodiebegleitung ein, bis der spannungsgeladene Track in kakophonischem Überschwang endet und damit eine perfekte Überleitung zu "In the NA" bildet - einer amüsant-verschwurbelten Hymne in Lo-Fi, die nur im epischen Refrain nicht an die Magnetic Fields denken lässt.

Auch mit den beiden anschließenden Tracks zeigt sich Gibb auf der Höhe seines Schaffens. "He falls to me" übertrifft den hymnischen Charakter des Vorgängers, die abgehackten Stakkato-Strophen paaren sich mit frei fließendem Rhythmusspiel im Hintergrund, bevor simpel aber begeisternd das Tempo angezogen wird. Eine glasklare akustische Ballade mit versüßender orchestraler Begleitung ist "Colour of a man", von der man nur hoffen kann, dass sie seinem Schöpfer auf Dauer als Inspiration für sein zukünftiges Schaffen dient. Das animalische, mit entschleunigtem Disco-Rhythmus versehene "Do I belong?" beschließt diese grandiose Anfangsphase. Danach bleibt es aufregend, mitunter muss Gibb aber wieder seiner Ungeduld Tribut zollen. Aber lassen wir ihn. Uns reicht das Vorangegangene aus, um ihn wieder auf dem Parkett der ernstzunehmenden Musiker willkommen zu heißen.

(Markus Wollmann)

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Highlights

  • Ratify the new
  • In the NA
  • He falls to me
  • Colour of a man

Tracklist

  1. Ratify the new
  2. In the NA
  3. He falls to me
  4. Colour of a man
  5. Do I belong?
  6. Walk on
  7. Kingdom come
  8. Origin: Orphan
  9. Underage
  10. The little bit
  11. Silence can be a headline

Gesamtspielzeit: 48:06 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
squawk squawk
2013-04-05 23:33:47 Uhr
Auch hier kommt dieses Jahr noch ein neues Album. Ich durfte die neue Single, die im April noch rauskommen soll schonmal hören. Klingt stark!
Auch hier sei nochmal auf folgendes Event hingewiesen:
SQUAWK SQUAWK! FESTIVAL mit
The Hidden Cameras, EF, Vimes, Joasihno und Eye Emma Jedi am 26.04 in Kiel.

https://www.facebook.com/events/550171405004175/
Halcyon
2011-04-06 15:16:46 Uhr
Eins der besten Folk Alben die ich jemals gehört habe. "Origin: Orphan", "In the NA" und "Underage" sind göttlich. Für mich persönlich 8-9/10
In the naaaa
2009-10-21 15:06:12 Uhr
Arcade fire treffen auf fleet foxes
6,5/10
Mixtape
2009-10-03 22:20:02 Uhr
Ein sehr gutes Album und eine deutliche Steigerung hinsichtlich des Vorgängers. Highlight ist "Walk on", aber auch die Single "In the NA" ist toll und hat ein wunderbar skurilles Video.
bee
2009-09-23 17:20:33 Uhr
upcoming neues Album der Kanadier - was soll man nach erstem Eindruck sagen - verrücktes Songwriting, grossartigstes Pathos!
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