CODY - Songs

CODY- Songs

Slow Shark / Divine / Cargo
VÖ: 02.10.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die glorreichen Sieben

Geographische Sensation: Dänemark liegt nicht in Skandinavien! Dadurch ist vielleicht auch zu erklären, dass CODY so amerikanisch klingen, als würden sie sich nachts mit Stars and Stripes zudecken und morgens beim Zähneputzen The Star-Spangled Banner gurgeln. Das Septett pflegt seinen Alt.-Country-Sound bis in die Spitzen, und man ahnt: Andere trugen in der Pubertät eine Außenzahnspange im Gesicht, Frontmann Kaspar Kaae ein Mundharmonikagestell. Die Blues Harp ist es dann auch, die "Songs", das ebenso unprätentiös wie pragmatisch betitelte Debüt der Dänen, feierlich eröffnet. Sofort sieht man alles ganz deutlich vor sich: die einsamen Weiten, den Nachthimmel, das wärmende Lagerfeuer, die gegerbte Haut, den Wildwuchsbart, die ollen Cowboystiefel. Und dann kommt das entscheidende Detail: die Erdnussbutter im Mundwinkel. Sweet memories und so.

Es ist bestimmt kein Zufall, dass der Opener "Remember when" heißt und zu wehmütiger Mundharmonika, engagiertem Piano, ländlich-rustikaler Rhythmusgruppe und herbstlichen Streichern in Erinnerungen schwelgt. Überhaupt geht es bei CODY vornehmlich um den Blick in den Rückspiegel, um Verlust und Sehnsucht, aber auch um Hoffnung: "Will you come and save me / I'll wait for you to come", verkündet Kaae im darauffolgenden "Down in the dark", mit einer Stimme, die selbst imstande wäre, zu retten. Die Gitarren sitzen fest im Sattel, und ihre routinierte Verwegenheit galoppiert zuverlässig neben leuchtender Lap Steel und angerautem Harmoniegesang. "Ever go" legt mit pulsierenden Drums, Staccato-Streichern, Bottleneck-Sound und Western-Dramatik los und erreicht eine beeindruckende Größe, die trotzdem überschaubar bleibt.

A propos: Ihren Bandnamen schreiben CODY nicht etwa aus größenwahnsinnigen Gründen in kapitalen Lettern, sondern es handelt sich um ein Akronym - "Come on, die young". Aber die Dame und Herren sind nicht annähernd so draufgängerisch, wie diese Aufforderung vermuten ließe. Spätestens "I want you", eine Verschmelzung aus tiefgründiger Kammermusik und cineastischem Country, liefert den sicheren Beweis dafür. Es überrascht nicht, dass CODY schon Bonnie 'Prince' Billy und The National supporten durften und auch regelmäßig in ihrer ideellen Heimat touren. "A crime" hat den Blues, "Catch the straw" das richtige Händchen für die perfekte Zweieinhalb-Minuten-Lagerfeuer-Ballade und "Another year" ein Saiteninstrument im Angebot, das wie ein Banjo klingt, dem man eine anständige Portion Helium verabreicht hat. "Another year is over / I ask myself / Did we do well / I think about the bridges I have burnt", singt Kaae. Er übertreibt natürlich maßlos. Und selbst wenn CODY sieben Brücken abgefackelt hätten - sie blieben immer noch der helle Schein.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Remember when
  • Down in the dark
  • Ever go
  • Catch the straw

Tracklist

  1. Remember when
  2. Down in the dark
  3. Ever go
  4. I want you
  5. The light
  6. A crime
  7. Catch the straw
  8. What you saw, what you see
  9. Another year
  10. What's behind
  11. Your window

Gesamtspielzeit: 47:03 min.

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