The Antlers - Hospice

The Antlers- Hospice

!K7 / Frenchkiss / Al!ve
VÖ: 23.10.2009

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Regenten der Rührung

Peter Silberman lebte eingeschanzt in einem Zimmer. Abgeschottet von der Außenwelt. Es war eine Selbstkasteiung zwischen Erfindung und Selbstfindung, zwischen Bearbeitung und Verarbeitung. Was genau in den vier Wänden passierte, möchte man gar nicht wissen. Aber es müssen nervenzehrende Momente gewesen sein, die "Hospice" jetzt nach all dieser Zeit zu einer der anrührendsten und wohl auch besten Platten des Jahres machen. Silbermans Konzeptalbum oder vielmehr Storybook könnte schon für sich alleine stehen, allerdings bedurfte es der Hilfe von Michael Lerner und Darby Cicci, den Sänger aus seiner Isolation zu reißen und mit ihrer Lo-Fi-Instrumentierung die Post-Rock-Strukturen mit Shoegaze-Indiepop-Folk-Momenten zu komplettieren.

"Hospice" spielt im Krankenhaus. Es geht um das Leiden einer Todkranken in ihren letzten Wochen. Eine Vorstellung, von der Silberman offensichtlich ergriffen ist. Seine Ergriffenheit entlädt sich in zehn Songs, die einem Schlaraffenland an Glanzlichtern gleichen. "Kettering" beispielsweise klingt wie mit zugeschnürter Kehle vorgetragen, behält das Piano im Hintergrund und gießt unter langem Flirren Drums hinzu, ehe gehauchte Oohs den Song beschließen. "Atrophy" deutet eine Klimax an, die den Hörer jedoch nie erreicht. Stattdessen leiten Flanger- und Delay-Effekte zu einem Part an der Akustikgitarre über, den Silberman mit nun eher weinerlichen Oohs vollendet: "While you're awake, I'm impossible."

Highlights auf "Hospice" sind Makulatur. Die nebenstehende Rubrik mit den herausragenden Tracks gleicht einem Puzzle, das beliebig zusammengestellt werden kann, aber nie komplett erscheint. Deshalb gehört "Sylvia" vielleicht dazu, vielleicht auch nicht. Fakt ist, dass The Antlers in diesem Song erstmals ein Rudel Bläser freilassen, die sich danach schlagartig vermehren. Sie winden sich durch die Banjos des folkigen "Two", prusten bei "Shiva" drauflos und platzieren sich in "Bear" genau da, wo die Gänsehaut längst ihre Zelte aufgeschlagen hat und der Hörer bereits niederkniet: "We're too old, we're not old enough." Songs ohne Rührung existieren hier nicht, und bei Silbermans kleiner Verschnaufpause "Thirteen" springt halt mal eben Sharon van Etten als Gastvokalistin ein.

"The hardest thing is never to repent for someone else / It's letting people in", singt Silberman in "Wake" und ermöglicht mit der letzten Silbe den Hauch eines dumpfen Beats. Der Song bauscht sich auf ("Some patients can't be saved, but that burden's not on you") und betont letztlich eindringlich: "Don't ever let anyone tell you you deserve that". Der Tränenkanal dürstet nach Wasser, wohl wissend, noch ein herzzerreißendes Finale vor der Brust zu haben, inklusive Falsetto-Gesang und dem Schauplatzwechsel vom Krankenhaus in die Leichenhalle. "But you return to me at night, just when I think I may have fallen asleep / Your face is up against mine and I'm too terrified to speak." Welche abschließenden Worte soll da man wählen, wenn selbst bei Silberman in intimen Momenten von Angesicht zu Angesicht die Lippen ängstlich verstummen? Und man sich mit "Hospice" selbst gerade so verbunden fühlt? Keine. Und so endet diese Rezension mit der Angst, etwas Falsches zu sagen über ein Album, das nichts falsch macht.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Kettering
  • Atrophy
  • Bear
  • Epilogue

Tracklist

  1. Prologue
  2. Kettering
  3. Sylvia
  4. Atrophy
  5. Bear
  6. Thirteen
  7. Two
  8. Shiva
  9. Wake
  10. Epilogue

Gesamtspielzeit: 51:31 min.

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User Beitrag

The MACHINA of God

Postings: 12977

Registriert seit 07.06.2013

2019-01-17 16:37:57 Uhr
Schreit nach ner Session zum Album.

Quirm

Postings: 257

Registriert seit 14.06.2013

2019-01-17 12:44:54 Uhr
Ist ja wenigsten mal wieder ein Lebenszeichen der Band. Vielleicht gehen sie dann nach der Tour mal wieder ins Studio.

saihttam

Postings: 1240

Registriert seit 15.06.2013

2019-01-17 12:11:09 Uhr
Ich hätte lieber ein neues Album. Bin um ehrlich zu sein mit Hospice nie richtig warm geworden und finde die zwei folgenden Alben deutlich stärker.

Stephan

Postings: 832

Registriert seit 11.06.2013

2019-01-17 10:32:43 Uhr - Newsbeitrag

Quirm

Postings: 257

Registriert seit 14.06.2013

2019-01-17 09:57:15 Uhr
Dear Friends,

It’s been some time! And we’ve got some news for you.

We’re reissuing the Hospice LP on March 8th, 2019, in honor of its tenth anniversary. It will be newly pressed on double white vinyl, with deluxe artwork and packaging courtesy of the album’s original artist, Zan Goodman.

We’ll be playing a limited number of acoustic shows to celebrate, too. But it will be a bit different this time as the core band now consists of Peter Silberman and drummer Michael Lerner — longtime multi-instrumentalist, producer, and engineer Darby Cicci is no longer with the band.

Though we’ve pared down for the time being, these shows will feature some old friends and guests, and together we’ll perform Hospice in its entirety.

We’re truly looking forward to revisiting these old songs in a new light and seeing your friendly faces again. Your patience and support means so much.

With love,
The Antlers

April
19 – Leeds, Belgrave Hall
20 – Manchester, Dancehouse Theatre
21 – Glasgow, St. Lukes
23 – London, Union Chapel
25 – Leuven, Hot Depot
26 – Amsterdam, Vondelkerk
28 – Copenhagen, Hotel Cecil
30 – Dublin, Sugar Club
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