Ohrbooten - Gyp Hop

Ohrbooten- Gyp Hop

JKP / Warner
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Kalte Platte

Es ist gar nicht lange her, da traten die Ohrbooten auf kleinen - und unbedeutenden - Bühnen der Bundesrepublik auf. Damals. Sommer in der Kleinstadt, ein Wochenendfestival in den Steinbrüchen, mittags gabs Gruppenspiele für Klein-Sarah, abends 2-Euro-Bier für Vati und die Dorfjugend. Die kam in Strömen zum Platz, nicht nur das: direkt vor die Bühne. Denn dort, bei jenen winzigen Festivals, gibt es noch keine Absperrungen und Security Guards, die jeden kleinen Spaß im Keim ersticken. Dort darf man noch ganz nah an den Bühnenrand und diesen ganzen aufstrebenden Musikern zuschauen. Damals waren da also auch die dynamischen Berliner Jungs, von denen man noch keinen Ton Musik gehört hatte, aber die laut des Bekannten des Bekannten des Bekannten ja mächtig talentiert sein sollten. Barfuß und mit lustigen Baskenmützen bekleidet standen sie da, mit einem Dauergrinsen im Gesicht und der Sonne im Herzen, die pure Entspannung in der Musik und vor der Bühne. Die Lieblingsband für den perfekten Sommerabend war geboren.

Einige Jahre später: Die Ohrbooten veröffentlichen ihr drittes Album "Gyp Hop" beim Majorlabel. Vorbei die Zeit der Barfüßigkeit, der Baskenmützen und der Sonne. Auf Platte gepresste Eintönigkeit wird serviert, und bitte - niemand verlässt vorzeitig den Tisch. Zumindest nicht, bevor man sich einmal an der gesamten Runde von zwölf Songs vorbeigeknabbert hat. Dann nämlich ist beruhigt festzustellen, dass das akute Missfallen nichts mit dem eigenen Alter zu tun hat. Es liegt an der Musik. Vom Bühnengraben aus wirkten die Ohrbooten unkompliziert und frisch, auf dem Titeltrack von "Gyp Hop" sind sie anstrengend. Der holprige 08/15-Beat penetriert den Gehörgang, schafft aber nicht den Hauch von Befriedigung. "Das ist doch nur Gyp Hop", und mehr leider wirklich nicht.

Mit der Lockerheit eines rheumatischen Frührentners mit 1,6‰ Restalkohol um 11 Uhr morgens beweisen die Ohrbooten leider nur, dass ihr Happy-Heiterkeit-Gefühl in Albumform in etwa so gut funktioniert wie Scrobbling beim Plattenspieler. "100 Mal am Tag" lohnt sich schon beim ersten Mal nicht, und danach wird es nicht besser. "A nice day to die" entfacht immerhin gewisse assoziative Wünsche. Einzig "Wieder wach" überzeugt mit seinen Bläsern auf ganzer Linie. Der Song ruft endlich auch wieder den schönen Sommer in die Gedanken zurück, in dem man so lange tanzte, bis die Beine unter dem trägen Körper zusammenklappten. Mit dem "Stadtstaub" bauen die Ohrbooten aber wieder auf Sand und erinnern obendrein auch noch erschreckend an Mister Zahnfleisch Oli.P. Das Abschieds-"Feuer" ritzt sich dermaßen in die Gehirnrinde ein, dass es schon in den Fußzehen zu zucken beginnt. "Gib mir Feuer, Feuer / Für jede Mahnung / Für die Nachzahlung." Gut, Feuer können sie haben. Das wärmt die Platte allerdings auch nicht mehr auf.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Wieder wach

Tracklist

  1. Gyp Hop
  2. Mit dem Kopf durch die Wand
  3. Special guest
  4. Es ist OK
  5. 100 Mal am Tag
  6. Freier Fall
  7. Nachricht vom anderen Stern
  8. A nice day to die
  9. Superman
  10. Wieder wach
  11. Stadtstaub
  12. Feuer

Gesamtspielzeit: 47:45 min.

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