Franz Nicolay - Major general

Franz Nicolay- Major general

Decor / Indigo
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Viele Wege zum Stil

Wenn sich ein Mitglied einer erfolgreichen Band mit seinem Solowerk ankündigt, denkt man gewohnheitshalber immer an den Sänger oder die Sängerin. Das ist normal, das macht jeder. Wenn das ausgeschlossen wird, geht man einen Schritt weiter: der Gitarrist? Gar der Bassist? Nein? Dann vielleicht der Drummer. Auch nicht? Langsam wird es eng. Moment, wir reden hier von dieser netten Kapelle aus Brooklyn, wen gibt es da noch... richtig! Franz Nicolay. Seines Zeichens nicht nur irgendeine dahergelaufene Type mit exzentrischem Schurrbart, nein, sondern der Keyboarder von The Hold Steady. Der Keyboarder also, darauf muss man natürlich erstmal kommen. Wobei der Gedanke gar nicht so fern liegen sollte: Als Multiinstrumentalist wird es einem in einer einzigen Band sicher recht schnell langweilig, und es ist auch nicht so, dass Nicolay zum ersten Mal das heimische Studio verlassen hat. Bereits die Dresden Dolls und Nanuchka durften sich - neben einigen anderen - über seine Mitarbeit freuen. Mit "Major general" kommt jetzt aber tatsächlich das erste eigene Album von Mister Piano Man - oder war das ein anderer?

Mit der Hilfe von Yula Be'era (Nanuchka), Jared Scott und Brian Viglione (Demander) ist dabei ein wahres Sammelsurium verschiedener Musikrichtungen entstanden, auf dem sich Nicolay in seiner vollen Größe auslebt und sich diverse Einflüsse nicht verbergen lassen. Auf "World/Inferno vs. the end of the evening" etwa, auf dem einige Mitglieder seines Nebenprojektes World/Inferno ein Gastspiel geben, croont sich Nicolay in bester Meat Loaf-Manier durch ein pompöses Stück, in dem er am Ende natürlich fleischklopsmäßig einen vor sich hin knödelt, dass dem Hörer vor lauter Pathos mit Soße schwindelig werden kann. Bei "Do we not live in dreams" wird er hingegen sanfter, jazzt wie einst Cole Porter und zupft an der Akustikgitarre, bis plötzlich ein Klarinettensolo von irgendwoher auftaucht und vollends entzückt.

"Nightratsong" rockt sich inklusive Streicher und dem um sein Leben singenden Nicolay durch das Album, das streckenweise auch von der E-Street-Band sein könnte, während man Songs wie "Note on a subway wall" (erneuter, weitaus verstärkter Meat Loaf-Alarm!) und "X-games" am besten außen vor lässt, bis man eine ordentliche Portion Kitsch und Schokoeis bitter nötig hat. Das stellt auch eines der Hauptprobleme mit "Major general" ins Rampenlicht: Das durchaus vorhandene großartige Material wird durch die Fülle verschiedenster Stile oft unterdrückt. Das auf einem Banjo basierende Stück "Cease-fire, or, Mrs. Norman Maine" versucht das wieder wettzumachen, und es gelingt alleine mit der Geschichte der zwei Punks, die einander nicht lieben können. Die europäische Version des Albums wurde zwar um zwei Bonus-Songs erweitert, viel spannender aber ist der eigentlich letzte Song, "I'm done singing". Am Ende wiederholt Nicolay die Zeile "These Rock'n'Roll-boys have lost their fire". Nun, für sein eigenes Album gilt das sicher nicht. Verloren hat er über weite Strecken höchstens seinen roten Faden - wenn er überhaupt einen hatte.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • World/Inferno vs. the end of the evening
  • Confessions of an ineffective casanova
  • Cease-fire, or, Mrs. Norman Maine
  • I'm done singing

Tracklist

  1. Jeff Penalty (featuring Demander)
  2. Hey dad!
  3. World/Inferno vs. the end of the evening
  4. Dead sailors
  5. Do we not live in dreams?
  6. Confessions of an ineffective casanova
  7. Quiet where I lie
  8. Note on a subway wall
  9. Nightratsong
  10. X-games
  11. This world is an open door
  12. Cease-fire, or, Mrs. Norman Maine
  13. I'm done singing
  14. The black rose paladins
  15. There will be violins

Gesamtspielzeit: 50:26 min.