Sum 41 - All killer, no filler

Sum 41- All killer, no filler

Island / Universal
VÖ: 08.10.2001

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Dicke Lippe, dicke Hose

Es ist schon eine Schande. Da spielen sich einerseits wirklich talentierte Bengels jahrein, jahraus den Popo wund und bekommen letztendlich doch nicht die Aufmerksamkeit, die ihrem Treiben gebührt. Doch andererseits kommt da scheinbar aus dem Nichts ein Haufen grimassenziehender Chaoten mit mäßig komischen Namen wie Stevo32, Cone, Dave Brownsound und Bizzy D. um die Halfpipe geschlittert und tauscht schließlich die abgenutzten Skateboards gegen Gitarrenbretter. Und was geschieht dann? Unseriöse Geschäftemacher riechen den Braten schon, bevor er richtig gar ist und nehmen die völlig überrumpelten Sportskanonen a.D. unter die finanzkräftigen Fittiche. Der typische amerikanische Jugendtraum von geschlechtsreifen Groupiemassen und finanzieller Unabhängigkeit über das Taschengeld hinaus nimmt seinen Lauf.

Man täte Sum 41 jedoch unrecht, ihnen die Fähigkeiten zur Umsetzung ihres kindlichen Ideenreichtums vollends abzusprechen. Wo sich die allgegenwärtigen Vorbilder Blink 182 mit ihrem leidlich lustigen Fäkal- und Fummelhumor längst ins S.O.S.-Kinderheim für schwer Erziehbare gerödelt haben, überraschen die Epigonen mit wenigstens einem Fingerhut an spritzigen Einfällen. Der Megaseller "Fat lip" bedient sich zwar auf dem ersten Blick äußerst dreist, aber auf den zweiten Blick mindestens ebenso clever am selben Breitbeinigkeits-Gehabe, das schon Papa Durst den Geldspeicher mit ordentlich Zaster füllte. So rappt Frontfratze Bizzy D. in der Strophe dem wohl unglaubwürdigsten Jugendsprachrohr aller Zeiten beinahe das Mützchen vom Kopf, um im Refrain dann doch wieder die Punk-Rotzkeule auszupacken. Die Mischung aus allem, was mehr hip als hop ist, machts. Alleine "Fat lip" ist packender, als alles, was Blink 182s "Take off your pants and jacket" über die volle Spielzeit bot.

Erheiternder als alle Blinkschen Blowjobs, Assholes und Big Titties zusammen ist dann auch das abschließende "Pain for pleasure". Eine lachtränentriefende Hommage an die Glanzzeiten des Kastraten-Metals, bei der sich manch einer die ehemals wallende Matte zurückwünschen wird. Natürlich bekommt die übliche Funpunk-Klientel mit ihrer wild gegelten Haarpracht ansonsten genug Fett weg.

Auch wenn sie die Marschroute des Albumtitels nicht ganz halten können und dieser statt "All killer, no filler" besser "Viele Füller, kaum Brüller" lauten müßte, paßt zwischen Up-Tempo-Prügler ("Never wake up") und Pogo-Romantik ("Summer") bei Sum 41 durchaus das ein oder andere fetzige Hook. Doch allen Nettigkeiten zum Trotz täuschen auch die gelegentlich unerwartet würzigen Zutaten dieses vergleichsweise leckeren 08/15-Punkrock-Döners über eines nicht hinweg: den faden Beigeschmack, den ein Rip-Off nunmal so mit sich bringt.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Fat lip
  • In too deep
  • Summer

Tracklist

  1. Introduction to destruction
  2. Nothing on my back
  3. Never wake up
  4. Fat lip
  5. Rhythms
  6. Motivation
  7. In too deep
  8. Summer
  9. Handle this
  10. Crazy Amanda bunkface
  11. All she's got
  12. Heart attack
  13. Pain for pleasure

Gesamtspielzeit: 32:14 min.

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