Dead By Sunrise - Out of ashes

Dead By Sunrise- Out of ashes

Warner
VÖ: 09.10.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Alleine zu sechst

Morgens, halb zehn in Deutschland. Überall in der Bundesrepublik versuchen verwirrte Plattenlädenbesitzer und gestresste Verkäufer in den CD-Abteilungen der einschlägigen Warenhäuser, dem Ansturm pickeliger, Zahnspangen tragender Teenagerinnen und Teenager Herr zu werden. Der Grund: Linkin Parks Frontmann Chester Bennington veröffentlicht ein Album seines Soloprojekts Dead By Sunrise. Hach, wie schön, dass es Klischees gibt. Blöd nur, dass man dieses hier nicht mehr so ohne weiteres stehen lassen kann. Denn ebenso wie Linkin Park auf ihrem letzten Longplayer "Minutes to midnight" versuchten, den Schritt von Teenie-Idolen zu ernsthaften Musikern zu vollziehen, hat sich auch ihr Publikum verändert. Und es ist anzunehmen, dass auch Dead By Sunrise eher eine etwas erwachsenere Fanschar ansprechen wird, denn Bennington bemüht sich auf seinem Quasi-Solodebüt, den Pfad weiterzugehen, den die Hauptband zuletzt beschritten hat.

Moment, Solodebüt? Irgendwie schon, so halb zumindest. Natürlich besteht Dead By Sunrise nicht nur aus Bennington. Vielmehr weist der Sänger, hier zusätzlich als Gitarrist aktiv, in Interviews beständig darauf hin, dass es sich bei seinem Projekt um eine richtige Band handelt, die noch aus sage und schreibe fünf weiteren Musikern besteht, von denen sich zwei (Ryan Shuck und Amir Derakh) bereits Meriten mit Orgy und Julien-K erworben haben. Da sich Bennington jedoch die Gelegenheit nicht entgehen ließ, mal alleine für die Songtexte verantwortlich zu sein, kann man in gewisser Weise durchaus von einem persönlichen, einem Solo-Album reden. In der Single "Crawl back in" und in "My suffering" verarbeitet der Mann mit dem kräftigen Organ seine mittlerweile überwundene Alkoholabhängigkeit, in "Let down" die Scheidung von seiner ersten Frau. Die pure Seelenschau also. Doch nicht nur in dieser Hinsicht unterscheidet sich Dead By Sunrise von Benningtons Hauptband.

Das Musikerkollektiv, das der Rockstar auf Solopfaden um sich geschart hat, weiß nämlich durchaus, wie man amtlich und vor allem völlig unpeinlich rockt. Das beweisen Dead By Sunrise vor allem in den Midtemposongs. Den Opener "Fire" kann man beispielsweise uneingeschränkt als das akzeptieren, was er ist: ein richtig schönes Stück Musik. Ebenso verhält es sich mit den leicht elektronisch verfremdeten "Too late" und "Let down" oder dem romantisch-schwelgerischen "Give me your name". Revolutionär ist keines dieser Lieder, aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten sind sie durch die Bank gut gemacht. Das kann man ruhig mal ganz unvoreingenommen festhalten. Allerdings geht der Daumen bei den schnelleren, aggressiveren Stücken dann wieder nach unten. Mag "Crawl back in" noch als brauchbar durchgehen, zeigen sich "Inside of me" und "My suffering" trotz ihrer vermeintlichen Bissigkeit als ziemlich zahnlose und blutleere Platzhalter für plakative Parolen. Auch das pseudopolitische "End of the world" hätte es wirklich nicht gebraucht. Denn Zeilen wie "When you read the news, does it make you sick? / Murder, money, politics" gehen als alles durch, nur nicht als fundierte Sozialkritik. Trotzdem ist "Out of ashes" ein überraschend unterhaltsames und gehaltvolles Album geworden. Wenn sich nun auch Benningtons Hauptband in diese Richtung weiterentwickelt, dürfen sich die Teenager dieser Welt bald endgültig eine neue Rockband suchen, die sie im Starschnitt übers Bett hängen.

(Mark Read)

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Highlights

  • Fire
  • Let down
  • Walking in circles

Tracklist

  1. Fire
  2. Crawl back in
  3. Too late
  4. Inside of me
  5. Let down
  6. Give me your name
  7. My suffering
  8. Condemned
  9. Into you
  10. End of the world
  11. Walking in circles
  12. In the darkness

Gesamtspielzeit: 43:45 min.