Hatebreed - Hatebreed

Hatebreed- Hatebreed

Roadrunner / Warner
VÖ: 02.10.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wieso so wütend?

Das Herz pocht wie wild, die Hände zittern vor Erregung. Langsam wird der Kopf wieder klarer und beginnt sich zu fragen, was zur Hölle gerade eben passiert ist. Ein umherschweifender Blick verrät, dass das Zimmer aussieht wie ein Schlachtfeld: zerbrochene Flaschen überall, das Aquarellgemälde wurde von der Wand gerissen, der Ikea-Sessel umgeworfen und die Biedermeieranrichte zu Sägemehl verarbeitet. Aber warum? Bei der Suche nach Gründen für diesen offensichtlichen Amoklauf im Wohnzimmer könnte das ohrenbetäubende Gewummer aus der Stereoanlage hilfreich sein. Das neue, selbstbetitelte Hatebreed-Album springt einen nämlich mit einer solchen Aggressivität an, dass selbst das sanfteste Gemüt das kaum zu zügelnde Bedürfnis verspürt, etwas zu zerstören.

"Become the fuse" gibt als Opener sehr gut den Tenor für das gesamte Album vor. Die Amerikaner um Frontshouter Jamey Jasta versuchen erst gar nicht, den Umweg über das Gehirn zu nehmen, sondern gehen mit ihren Songs direkt vom Ohr in den Blutkreislauf über. Dass die Welt aus Hatebreed-Sicht kein angenehmer Ort ist, braucht wohl angesichts des Bandnamens und des bisherigen Outputs der Hardcore-Institution nicht extra erwähnt werden. Deswegen lässt sich die Wut über all den Irrsinn auch am besten in Form martialischer Gitarrenriffs und purer gebrüllter Gesangsaggression verarbeiten. "Born to bleed, fighting to succeed! Built to endure what this world throws at me", bellt Jasta etwa im passend betitelten "In ashes they shall reap". Hatebreed sind sich- trotz des Abgangs von Gitarrist Sean Martin - auf dem neuen Longplayer zweifellos treu geblieben, und das ist verdammt nochmal gut so.

Dass bei all dem Hass, der hier abgelassen und ausgeschieden wird, wenig Platz für musikalische Innovation oder Experimente ist, versteht sich von selbst. Wer sowas aber von einer Hardcore-Band dieser Art verlangt, hat etwas Entscheidendes nicht verstanden. Allerdings gibt es auf dem Album durchaus Augenblicke, in denen Hatebreed zeigen, dass sie es auch musikalisch draufhaben. Bei "Hands of a dying man" etwa, das ein flottes Metalcore-Tempo anschlägt und sich sogar zu waschechtem Sologegniedel emporwagt. Oder bei "No halos for the heartless", wo plötzlich Background-Chöre auftauchen und Jasta um ein Haar auf echten Gesang umsteigt. Kurz vor Schluss kommt dann mit "Undiminished" gar eine reine Instrumental-Komposition, die sich dank gänsehauterzeugender Atmosphäre zu einem echten Highlight mausert. Selbstverständlich sind das alles nur kleine Sprenkler in einer Masse purer Aggression. Und seinen Zweck als Ventil für eben diese erfüllt dieses Album mehr als passabel. Wenn Ihr mich jetzt entschuldigt, aber die Standuhr da drüben regt mich schon länger auf. Grrr!

(Mark Read)

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Highlights

  • In ashes they shall reap
  • Hands of a dying man
  • Undiminished

Tracklist

  1. Become the fuse
  2. Not my master
  3. Between hell and a heartbeat
  4. In ashes they shall reap
  5. Hands of a dying man
  6. Everyone bleeds now
  7. No halos for the heartless
  8. Through the thorns
  9. Every lasting scar
  10. As damaged as me
  11. Words become untruth
  12. Undiminished
  13. Merciless tide
  14. Pollution of the soul

Gesamtspielzeit: 46:20 min.

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