Friska Viljor - For new beginnings

Friska Viljor- For new beginnings

Haldern Pop / Cargo
VÖ: 23.10.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Komm, süßer Tod

Ein Sarg aus Zuckerguss. Plombenziehende Süßigkeiten zum Leichenschmaus. Und die Danksagungen für die Trauergäste natürlich auf extra klebrigem Esspapier. Der Haken an der Sache: Friska Viljor sind gar nicht tot. Sie wären es nur manchmal gerne oder machen sich zumindest öfters Gedanken darüber, was wäre, wenn es denn soweit wäre. Doch das wahrscheinlich auch nur, um den davongelaufenen Lebensabschnittspartnerinnen ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Und als die gern tief ins Glas schauenden Schweden bezeichnenderweise die letzte Jägermeister-Rockliga für sich entscheiden konnten, war klar: Es gibt noch viel zu spielen, zu singen und zu trinken.

Also hoch die Tassen, auch wenn der Schnitter zu Anfang des dritten Albums erst einmal vergrault werden will. Kein Problem bei all dem klanglichen Zuckerzeug, das sich Friska Viljor auf "Daj daj die" und "If I die now" hinter die Kauleiste schieben. Banjos und Mandolinen machen plim-plim, der mehrstimmige Lalala-Refrain schließt eine himmelhoch jauchzende Allianz mit besoffenen Trompeten. Und wenn zu synthetischen Streichern der Kräuterlikör geschwenkt wird, wähnt man sich endgültig auf einem Rummelplatz, auf dem die durchdrehenden Fahrgeschäfte durchgehend von umnachteten Schaustellern bedient werden. Gleich danach tanzt das muntere Walzerungetüm "Hey you" Ringelreihen mit einem dezent elektronischen Unterbau. Man möchte sich auf der Stelle die Liebste schnappen und mit ihr das gleiche tun. Wenn sie noch da wäre.

Ist sie aber nicht. Also spielen Friska Viljor weiter ihre selig machenden Songs, singen mitunter schief, aber von Herzen und kippen sich dabei ordentlich einen hinter die Binde. Bei der shuffelnden Single "Wohlwill" etwa in der gleichnamigen Straße in St. Pauli, inklusive cooler Leute und feuchtfröhlicher Instore-Gigs: "We had been down there for a couple of days / Gettin' nothin but drunk and we were lost in a haze." Alles in Butter also - bis die Schweden nur ein Stück später ein mulmiges Gefühl ereilt, weil alle Gleichaltrigen um sie herum plötzlich mit Familie und Doppelhaushälfte protzen. Was ist zu tun? Die Musik an den Nagel hängen und das Quartalssäufertum zugunsten eines geregelten Lebens aufgeben? Oder lieber noch eine Spur härter feiern, um das Dilemma zu vergessen?

Friska Viljor wissen es nicht. Und genau das macht den Charme von "For new beginnings" aus. Immerhin: Gegen Ende landen Sveningsson und Johansson mit "Sunny day" bei einem klassischen Folk-Blues und dem Wunsch, bessere Menschen zu werden. Keine rasant gespielten Keyboards, quietschigen Gesänge und kunterbunten Instrumente mehr - ein kleiner Tod im Friska-Viljor-Sinne. Womöglich aber auch ein neuer Anfang. Nachdenkliches In-der-Ecke-Hängen beherrschen die beiden inzwischen jedenfalls genauso gut wie das Herumspringen mit dämlichem Grinsen im Gesicht. Vorläufig bekommt man hier jedoch noch mehr Lust auf Letzteres: "But I'm still stomping like I am fourteen or something." Ein Glück, dass das nicht stimmt - in dem Alter würde ihnen schließlich niemand etwas Anständiges zu trinken verkaufen.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • If I die now
  • Wohlwill
  • People are getting old
  • Sunny day

Tracklist

  1. Daj daj die
  2. If I die now
  3. Hey you
  4. Hibiskus park
  5. Manwhore
  6. Wohlwill
  7. People are getting old
  8. Lakes of steep
  9. Sunny day
  10. I want you
  11. Should I apologize

Gesamtspielzeit: 40:50 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Rückkoppler
2012-10-12 00:30:01 Uhr
Quatsch, da sind die schon wieder zu viel poppiger, um ein Tomte ,,Ableger" zu sein...
Hanno
2012-08-04 19:12:45 Uhr
Kurz zusammengefaßt: Tomte auf englisch ...
JoLo
2010-05-01 14:20:09 Uhr
Auf dem Pfingst-Open-Air gibt es Friska Viljor (neben Bonaparte, Gisbert zu Knyphausen und anderen) umsonst zu sehen.
Mehr Infos bekommt ihr hier:
www.openair-werden.de/

Übrigens: Die Recherche zur Rezension ist absoluter Bockmist. Johansson hat inzwischen ein Kind mit Sängerin und Labelkollegin Lena Malmborg.
Ali Kiraly
2009-11-11 17:45:17 Uhr
Heute in Kökn live ... vor nem halben Jahr haben sie die Hütte gerockt
Eurodance Commando
2009-10-19 22:47:48 Uhr
Das ist nicht viel. Buh!
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