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Invada / Cargo
VÖ: 23.10.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Gibbons doch nicht

Geoff Barrow muss ein komischer Kauz sein. Erst passiert zehn Jahre lang nichts, und dann hat er plötzlich zwei Alben innerhalb von zwölf Monaten im Kasten. Zugegeben, hier geht es nicht um eine neue Platte von Portishead, sondern nur um das Debüt von Beak>, einer Allstar-Band im kleineren Stil. Neben Barrow haben auch Billy Fuller von Fuzz Against Junk und Matt Williams von Team Brick ihre Finger im Spiel. Das Ziel dieses Albums wurde in bandinternen Richtlinien penibel auf Papier festgehalten: Alle Tracks mussten gemeinsam in einem Raum live aufgenommen werden. Das Schreiben der Stücke lief nach ähnlichem Muster ab, der Rest bleibt das Geheimnis der Improvisation. Im Gegensatz zu "Third" ist "Beak>" zumindest für Barrow damit ein absoluter Schnellschuss.

Und was zunächst nur auf dem Papier nach einem interessanten Experiment aussieht, beginnt auch so. Die ersten beiden Stücke machen sich irgendwo zwischen Radioheads "Kid A" und "Third" breit. Wobei "Backwell" nur als kleines Sechs-Minuten-Intro zu betrachten ist. "Pill" meint es da schon ernster und rollt technoid über einem kühlen, repetitiven und überaus hypnotisierenden Soundteppich voran. Lyrics gibt es auch, die jedoch kaum als solche zu entschlüsseln sind und sich mysteriös hinter einer dicken Wand versteckt halten. Es könnte auch Thom Yorke sein, der da irgendwo im Zimmer nebenan singt. Eine ganz schön anstrengende Anfangsphase.

Wer nach diesem aufreibenden Beginn auf Erlösung durch so etwas wie Pop oder jemanden wie Beth Gibbons wartet, die bei Portishead stets als songimmanenter Gegenentwurf zu maschineller Kälte und Geratter fungiert, der sei gewarnt. "Beak>" macht rund eine Stunde einfach genau da weiter. Alles riecht mit zunehmender Spieldauer ein wenig nach richtungsloser Improvisation. Hier und dort wird zwar am Output gefeilt und bei "Ham green" darf sich eine alles zersägende Gitarre in den Sound einmischen. Doch so etwas wie Abwechslung hält dieses Album auf Dauer nicht bereit. Der negative Höhepunkt ist mit dem zweiminütigen "Barrow gurney" erreicht, das lediglich nervenzerfetzende Störgeräusche durch den Äther sendet. Und damit im Grunde ziemlich überflüssig ist.

Bis auf wenige Ausnahmen bleibt "Beak>" damit radikaler und konsequenter, als es "Kid A" und "Third" waren. Eine dieser Ausnahmen ist "Battery point", ein Song, aus dem sich tatsächlich einmal so etwas wie eine richtige Melodie herausschält. Ähnlich verhält es sich mit "Blagdon lake". Spätestens nach der Hälfte verliert das Album aber an Magie und Inspiration - und sich selbst im Nichts. Die so schön improvisierten Sound-Versatzstücke wiederholen sich, Bewegung ist Mangelware. Natürlich wird es Leute geben, die niederknien und "Beak>" als großes Kunstwerk feiern werden. Man kann aber auch ruhigen Gewissens Kunstkacke dazu sagen. Was ja auch ein Kompliment sein kann. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Pill
  • Battery point
  • Blagdon lake

Tracklist

  1. Backwell
  2. Pill
  3. Ham green
  4. I know
  5. Battery point
  6. Iron acton
  7. Ears have ears
  8. Blagdon lake
  9. Barrow gurney
  10. The cornubia
  11. Dundry hill
  12. Flax burton

Gesamtspielzeit: 60:58 min.

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