Airpeople - The golden city

Airpeople- The golden city

Golden Antenna / Earth Water Sky Connection / Broken Silence
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Weltenbummler

Der Einstiegsabsatz bei Plattentests.de. Normalerweise liest man hier redaktionsinterne Münchhausen-Geschichten, von Susi und Strolch und/oder über Ochsenschwanzsuppe (oder so). Es geht aber auch anders. Man kann sich auch mal Zeit nehmen. Zum Beispiel, um dem nun schon seit einigen Jahren im Allerkleinsten äußerst gewissenhaft arbeitenden Golden-Antenna-Label ein Schulterklopfen zukommen zu lassen. Klopfklopf also. Denn neben dem Abschöpfen der Highlights des amerikanischen Postrock-Undergrounds (Maserati, From Monument To Masses, in den Startlöchern: Del Rey) gibt es hier immer wieder Platz genug für die ein oder andere heimische Entdeckung. So auch - in Zusammenarbeit mit Earth Water Sky Connection - für die Trierer Viererbande Airpeople.

Die sehen das mit dem Schulterklopfen scheinbar ähnlich, nennen sie ihr Debüt doch "The golden city" und sitzen mit ihrer Musik hier auch genau richtig. Denn Airpeople spielen Math- mit den Mitteln von Postrock. Mögen sie mit den Songtiteln auch um die Welt bummeln - bummelig ist ihre Musik nun so gar nicht. Die Rhythmik ist stets up- bis offbeat und angefunkt, der Sound luftig und doch wuchtig, die Bässe klickern und kratzen zugleich. Die Gitarren tappen sich durch Skalen und kurzgetaktete Läufe, in einem scharfen, elektrisch schmeckenden, in Western-Motiven aufreitendem Klang, wie man ihn ähnlich schon von den Chicagoern Paul Newman präsentiert bekommen hat. Drüber und drunter schieben sich jedoch konsequent verhallte und verzögerte Harmonien und Melodien. Das beschert "The golden city" sein Spannungsfeld zwischen knarz und zart.

Gut so! Denn einfach zu habende, verdrogte Melancholie kommt bei Songs wie "Golden city" und "Mombasa" auf diese Weise nie auf. Zu den Anfangszeiten von Postrock nahmen in diesem Sinne Bands wie The Mercury Program oder Billy Mahonie die Tortoise-Stränge in Rock- und Noise-Regularien auf. Und zuletzt hat eine Band wie Leech bewiesen, dass dies noch immer die spannendere Variante ist - was natürlich auch daran liegen kann, dass sie noch nicht derart bis zum Erbrechen durchgekaut wurde wie die der großen Brüderhorde.

Für "The golden city" tut das vorerst aber nichts zur Sache. Im Höchsttempo werden hier Progression und Reminiszenz aneinander vorbei gewunken. Wie Stecknadeln, die doch an einem großen Gewebe Anteil haben und schließlich, hat sie der Hörer in all der Geschäftigkeit erst einmal identifiziert, astreine Höhepunkte liefern - im Minutentakt. Im Gleitflug. Aber doch auch im Stop-Motion. "Amsterdam" und "Le Mans" kochen so Trip und Elegie auf ein rhythmisches, hymnisches Fäusteballen herunter. Und bei "San Juan" schiebt sich langsam, aber vehement ein klanggewittriges Verkehrschaos zwischen Twin-Peaks-Keyboards und Klavier-Dreiklänge. Alle Dimensionen sind hier beteiligt. Was macht der Jumbo auf der Autobahn? Der Satellit auf dem Wolkendach? Das U-Boot im Rosengarten? Airpeople sagen: Sieht einfach gut aus. Und hört sich ebenso an.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Amsterdam
  • San Juan
  • Les Mans
  • Glasgow

Tracklist

  1. Golden city
  2. Amsterdam
  3. Denver
  4. San Juan
  5. Mombasa
  6. Le Mans
  7. Saigon
  8. Glasgow
  9. Stockholm

Gesamtspielzeit: 38:21 min.