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Rain Machine - Rain Machine

Rain Machine- Rain Machine

Anti / Indigo
VÖ: 18.09.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Pfeifen im Walde

Es ist schon gemein, denn eigentlich ist Kyp Malone gut ein Jahr zu spät dran mit seinem Soloalbum aus den Reihen von TV On The Radio, das in der Ankündigung Jazz und Bluegrass als Eckpfeiler beschwört. Denn zu jener Zeit legte Justin Vernon a.k.a. Bon Iver mit seiner Stimme und "For Emma, forever ago" ein Album hin, bei dem manchmal der Verdacht aufkam, einem verlorenen Bruder der Brooklyner zu lauschen. Der erste Hördurchgang des Rain-Machine-Debüts bestätigt dann zwar die Kauzigkeit, hat aber nur wenig mit Trauer über ein verlorene Liebe zu tun. Vielmehr wird das Generelle verhandelt, das große Ganze. Auch "Rain machine" versucht sich an vielen Stellen an Intimität, aber diese ist nur ein flüchtiger Fleck auf der Scheibe. Die Kulisse der Songs ist im Hintergrund viel zu sehr in Bewegung, um so etwas wie Heimeligkeit aufkommen zu lassen.

Das Ganze wirkt dann nicht gerade entspannt, sondern eher wie ständig unter Strom, und führt oft dazu, dass es anstrengend wird. "Desperate Bitch" startet mit leichter Gitarre, die sich in Unschuld suhlt, bis die verbitterte Stimme einsetzt. Da kann dann auch das Pfeifen im Walde nicht mehr viel retten, das kurz in den Atempausen auftaucht, um doch nur als wiederkehrender Hall hinter der Stimme zu verenden. Von irgendwo taucht ein alter Kochtopf auf, der bearbeitet wird, und so schiebt sich der Song an die Neun-Minuten-Grenze. Das mag nun Jazz-Einfluss genannt werden, jedoch ist es eher merkwürdig, wenn immer und immer wieder eine Extrarunde eingelegt und dabei kein Ende gefunden wird.

Und so werden dann gerade die kürzeren Songs wie "Driftwood heart" oder "Leave the lights on" zu kleinen Perlen, die flüchtig im Bächlein aufblitzen. Diese haben ihre Momente und geben alles. Das Lagerfeuer brennt in den Häuserschluchten New Yorks - in diesem Kreis verhandelt Malone sich und die Welt. Am Ende steht dann auch vor einem kleinen Chor Speerlinge fest: "All is love". Und das Mystische, der Glaube an die Liebe haben gewonnen über die Seelen, die sich in die Städte flüchteten. Die Natur nimmt sich nun einmal irgendwann das, was ihr gehört.

Manche Melodien bleiben im Geburtskanal hängen, schälen sich nicht so richtig ans Tageslicht, auch wenn Malone immer wieder gerne versucht, die Entbindung einzuleiten und sich in den Geburtswehen stimmlich zu überschlagen scheint. Manchmal flutscht es dann noch, und "Rain machine" kommt doch auf den Punkt. Dann ziehen menschliches Fühlen und flüchtige Momente des Alltags vorbei. Bei den einen weiß Malone, wann es besser ist, sich von ihnen zu verabschieden, Bei den anderen nicht.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Driftwood heart
  • Love won't save you
  • Leave the lights on

Tracklist

  1. Intro
  2. Give blood
  3. New last name
  4. Smiling black faces
  5. Driftwood heart
  6. Hold you holy
  7. Desperate bitch
  8. Love won't save you
  9. Free ride
  10. Leave the lights on
  11. Winter song

Gesamtspielzeit: 60:54 min.

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