Various Artists - Burning big beats

Various Artists- Burning big beats

SPV
VÖ: 15.05.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Zeitreisen mit einem Beat

"I'm a firestarter!" Mit diesem Satz kam im Frühling 1996 etwas wie ein Feuer über uns, dem findige Musikjournalisten schnell das Etikett Big Beat verpaßten. Harte, dem HipHop entlehnte Breakbeats, blubbernde Baßlinien, kreischende Gitarrensamples und oftmals verzerrte Vocals waren nach Prodigys Geniestreich das Gebot der Stunde. Dieser Musik gelang es erstaunlicherweise, selbst gestandene Mattenträger zum Wippen in der Zappelbude zu verleiten. Klassiker wie das erwähnte "Firestarter", "Leaving home" von den Chemical Brothers oder "The Rockefellar skank" von Fatboy Slim liefen landauf, landab in jedem Laden, der sich für cool hielt. Dieser Big Beat, benannt nach Norman Cooks Disco "Big Beat Boutique", eroberte für eine kurze Zeit die Welt und schien etwas völlig Neues zu sein.

Doch etwas wirklich Innovatives war es, wie so oft, nicht. Die Anarchie, mit der Samples wild durcheinander geworfen und dem fetten, dem Big Beat, unterworfen wurden, hatte es schon einmal gegeben. Als Ende der Achtziger eine Welle namens House nach Deutschland gespült wurde, waren Hits wie "Pump up the volume" (M/A/R/R/S), "Beat dis" (Bomb The Bass), "House arrest (Krush) oder "Doctorin' the house" (Coldcut) das Ereignis auf den Tanzflächen dieser Welt. Auch wenn die 90er Ausgabe einen spürbaren Härtegrad zugelegt hatte, beruhten doch beide Wellen schlußendlich auf der gleichen Idee: Samples als Instrumente einzusetzen. Selbst die frühe Housemusic konnte zudem die Herkunft aus dem HipHop und der Breakdance-Szene kaum verleugnen.

Legt man den nun vorliegenden Sampler "Burning big beats" in den CD-Player, kann man sich dann auch auf eine imaginäre Zeitreise begeben. Die Jungle Brothers, die schon in den Achtzigern mit "I'll house you" ihre Finger am Nerv der Zeit hatten, zeigen wieder einmal, wie eng verwandt HipHop, House und Big Beat sind. Arthur Bakers "Breaker's revenge" läßt mit Hilfe eines einprägsamen Samples aus Shannons "Let the music play" sogar die Breakdance-Begeisterung von '83/'84 wieder auferstehen. In "Warning" von den Freestylers treffen Flötentöne und verzerrte Gitarren auf Raggavocals. Fluke lassen mit ihrem "Absurd" die Grenze zwischen Electronica und Big Beat fallen. Auch unvermutete Gäste wie Mercury Rev, Howie B. und das Peter Thomas Sound Orchester bringen ihre teilweise recht abstrakten Vorstellungen von harten Beats und fetten Bässen mit.

Dargeboten werden die Tracks dieser Doppel-CD in einem homogenen Mix des Frankfurter DJs Superstar, dem es gelingt, die Grundlagen der Tracks durch ihre Anreihung logisch nachvollziehbar aufzuzeigen. Zwar sind die großen Namen der Szene wie Fatboy Slim, die Chemical Brothers oder Prodigy entweder nur durch eine Remixarbeit oder gar nicht vertreten, aber für einen Einblick in die bizarre Welt der modernen Dancefloormusic jenseits von Drum'n'Bass, Twostep, House und Eurotrash sollte diese Compilation dennoch reichen. Leider scheint es, daß diese Zusammenstellung, so zeitlos sie auch klingen mag, trendmäßig doch mindestens zwei Jahre zu spät kommt. Big Beat jedenfalls ist der Trend von vorgestern.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Warning (Freestylers)
  • Breaker\'s revenge (Freestylers mix) (Arthur Baker)
  • Book em danno (LHB mix) (Airborne)

Tracklist

  1. CD1 Wall crawling giant insect (The Herbalizer)
  2. Because I got (Freestylers mix) (Jungle Brothers)
  3. Warning (Freestylers)
  4. Warning (Freestylers mix) (Arthur Baker)
  5. What is Kahuna? (Fatboy Slim mix) (FC Kahuna)
  6. Party up (Captain Funk)
  7. 150% (A I People 12'' version) (A I People)
  8. Criminals (Outcast)
  9. Tearin' the country up (Hardwire)
  10. Dub the roof off (Circuscircus)
  11. Taking it back (Stone Players)
  12. Cost of freedom (The Experiment)
  13. Water margin (Dons Of Quixote)
  14. Absurd (Headrillaz dub) (Fluke)
  15. Cd2: Delta sun bottleneck stomp (Chemical Brothers remix) (Mercury Rev)
  16. Journey beyond the stars (Yoshinori Sunahara)
  17. T.A.N.I.T.H. (Tanith)
  18. Electric sun (Hi Jinx)
  19. Bass (Dr. Olive)
  20. The jug (Howie B.)
  21. Rock it soul (Funki Porcini)
  22. The right way (Headrillaz)
  23. Book em danno (LHB mix) (Airborne)
  24. I came here to get ripped (Dr. Bone)
  25. The Bechstein affair (Leuroj)
  26. Zemoto (Bleachers)
  27. Warp back to Earth (Peter-Thomas-Sound-Orchester And The Maxwell Inquisition)
  28. U lie (Miracle Club)

Gesamtspielzeit: 154:38 min.

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