Raekwon - Only built 4 Cuban linx... pt. II

Raekwon- Only built 4 Cuban linx... pt. II

Ice H2O / Soulfood
VÖ: 11.09.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Scarfaces

Geschlagene 14 Jahre nach - nein, warte, streich das. Keine ausgeleierten Klischees diesmal, kein halbärschiger Bullshit. Raekwon macht ernst, einmal noch. Jedes Wu-Tang-Clan-Mitglied hat ein zweites Leben, das ist das ungeschriebene Gesetz. Nachdem sich zuletzt Ghostface Killah mit "Fishscale" vollständig wiederhergestellt hatte, zieht nun auch der undurchsichtigste unter den guten Clan-MCs den Joker: "Only built 4 Cuban linx... pt. II" trägt seine Bestimmung schon im Titel. Es soll anschließen an Raekwons 1995er Solodebüt, den ersten Teil einer Geschichte, die seitdem viele Hänger hatte, aber nun zurück ist auf dem Weg. Die inhaltlichen Verbindungen zwischen "Cuban linx I" und "II" ziehen sich durch zahlreiche Tracks. Es ging aber doch vor allem darum, sich selbst unter Druck zu setzen, die Latte hoch zu legen. Nun wissen wir: Es ging kaum hoch genug.

Das erste "Only built 4 Cuban linx"-Album wurde von RZA alleine produziert, aber das waren die Neunziger, da war es noch einfach. 2009 hat der Wu-Tang-Clan alles erlebt, was man erleben kann, Totalabstürze, Todesfälle, Comebacks, Sättigung, und deshalb sah sich Raekwon zu Psychospielchen genötigt. Aus den besten Produzenten der Gegenwart, so der Plan, wollte er einen "RZA-Roboter" zusammenbauen und antreten lassen gegen das Original. Wu-Chess mit Deep Blue und Garry Kasparow - die Gleichung geht auf, die Beats springen, haben Schaum vor dem Mund und Seele in den Einsen und Nullen. Egal, ob sie nun von J Dilla, Pete Rock, Dr. Dre oder eben RZA kommen.

Ähnlich die MC-Lage. Raekwon wollte sich nicht selbst davonkommen lassen, suchte deshalb nach starken Gegnern und kitzelte auch aus Wu-Wasserträgern wie Inspectah Deck und Cappadonna Beachtliches heraus. Star im Ring ist aber Ghostface Killah, natürlich, der in acht Tracks Feuer spuckt, und praktisch an allen Schlüsselmomenten der Platte als sein Ironman-Alter-Ego Tony Starks beteiligt ist. "House of flying daggers" etabliert die Ellbogenmentalität von "Only built 4 Cuban linx... pt. II" mit geradlinigem Beat und steifer Oberlippe. "Cold outside" bringt Größenwahn und Fanfarenloop, aber "Penitentiary" und "Pyrex vision" erden das Album gleich wieder in der kalten, drogenverseuchten Realität. Es gibt kaum Eigenlob und Schulterklopfen hier. Nicht auf der Platte eines Mannes, der beide Seiten des Erfolgs gesehen hat.

So ist "Only built 4 Cuban linx... pt. II" weniger triumphale Rückkehr als schlichte Notwendigkeit. Raekwon rückt eine Menge gerade, teilt auch viel aus und schaukelt sich besonders im Schulterschluss mit Ghostface Killah auf Empire-State-Building-Größe hoch. Hinter Cop-Thriller-Ästhetik und gnadenlos entzauberter Mafioso-Romantik aber wartet hier sogar mindestens ein ernsthaft anrührender Moment, wenn Raekwon in "Ason Jones" zu einem Beat von J Dilla, verstorben 2006, seinen persönlichen Nachruf auf Ol' Dirty Bastard, verstorben 2004, vorträgt. Auch weil die Mitwirkenden an "Only built 4 Cuban linx... pt. II" wissen, dass sie nicht ewig Zeit haben, konnte das Album zu einer solch fokussierten, formvollendeten und brettharten Ansage werden. Es gibt gute Gründe, hungrig zu bleiben - zum Beispiel für GZA, der jetzt eigentlich mit "Liquid swords II" als nächster dran wäre.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • House of flying daggers
  • Cold outside
  • Canal Street
  • Ason Jones
  • 10 bricks

Tracklist

  1. Return of the North Star (feat. Popa Wu)
  2. House of flying daggers (feat. Inspectah Deck, Ghostface Killah & Method Man)
  3. Sonny's missing
  4. Pyrex vision
  5. Cold outside (feat. Ghostface Killah, Suga Bang)
  6. Black Mozart (feat. RZA & Inspectah Deck)
  7. Gihad (feat. Ghostface Killah)
  8. New Wu (feat. Ghostface Killah & Method Man)
  9. Penitentiary (feat. Ghostface Killah)
  10. Baggin crack
  11. Surgical gloves
  12. Broken safety (feat. Jadakiss & Styles P)
  13. Canal Street
  14. Ason Jones
  15. Have mercy (feat. Beanie Sigel & Blue Raspberry)
  16. 10 bricks (feat. Cappadonna & Ghostface Killah)
  17. Fat lady sings
  18. Catalina (feat. Lyfe Jennings)
  19. We will rob you (feat. Slick Rick, GZA & Masta Killa)
  20. About me (feat. Busta Rhymes)
  21. Mean streets (feat. Inspectah Deck & Ghostface Killah)
  22. Kiss the ring (feat. Inspectah Deck & Masta Killa)
  23. Walk wit me
  24. The badlands (feat. Ghostface Killah)

Gesamtspielzeit: 77:38 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Loam Galligulla
2009-12-19 23:56:29 Uhr
Album des Jahres mit einigen der soulflysten Hip Hop Tracks der Dekade.

OlDirtyPaule (aka Paule)
2009-10-13 09:08:50 Uhr
Auf jeden Fall deutlich besser als die neue Editors, was jetzt nicht soooooooo die Überraschung ist.

Für mich ist es musikalisch ne 4,2/5. Etwas zu lang, für ne 4,3 = 4,5/5, was bei mir aus dem HipHopBereich bisher auch nur eine Beastie Boys bekam.

Leider gehen mir die Texte größtenteils - wie bei WuTang üblich - extrem auf den Sack, so dass das Ganze nochmal runterrutscht auf ne 4,0/5.
Dän
2009-10-13 01:36:23 Uhr
Ich hätte nichts gegen Raekwon als ADW gehabt, ganz im Gegenteil, aber ich hab halt leider auch nichts zu sagen. ;)
Mendigo
2009-10-13 00:33:01 Uhr
*push* *push* *push*

Tell a friend, it's that symbol again, that W
JackBlack
2009-10-09 20:04:01 Uhr
House Of Flying Daggers ist schon ziemlich geil...erinnert an Zeiten, als Wu-Tang noch nicht so tot war.
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