Paloma Faith - Do you want the truth or something beautiful?

Paloma Faith- Do you want the truth or something beautiful?

Epic / Sony
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Die weiße Taube ist müde

Wem Paloma Faith irgendwie spanisch vorkommt, der hat vollkommen recht: Die Dame sieht aus wie eine Kreuzung aus Dita von Teese, Lady Gaga und Amanda Palmer. Sie klingt wie ein Hybrid aus Amy Winehouse, Duffy und den zahllosen Retro-Soulpop-Grazien, deren Namen man vergessen hat, noch bevor ihr Album einmal durchgelaufen ist. Und dann ist Paloma Faith Blomfield auch noch tatsächlich Halbspanierin, aufgewachsen im Londoner Stadtteil Hackney. Sie war Assistentin eines Magiers, Gespenst in einer Geisterbahn, studierte Theaterregie am St. Martin's College, arbeitete in einem Burlesque-Club, tingelte mit ihrer Coverband Paloma And The Penetrators durch die Londoner Cabarets und wurde schließlich bei ihrem Nebenjob als Dessous-Verkäuferin (Agent Provocateur, natürlich) entdeckt. Von einer Kundin, die zufällig ganz heiße Kontakte in die Musikbranche hatte. Kaufen wir ihr das ab?

Dass ihr angeboten wurde, Background-Sängerin bei Amy Winehouse zu werden, glaubt man der 25-jährigen jedenfalls sofort. Ihre Stimme hätte sich so nahtlos eingefügt wie die Echthaar-Extensions im Gefieder der Schnapsdrossel und, noch wichtiger: Sie hätte Winehouse nicht die Show gestohlen. Die logische Reaktion der ambitionierten Chanteuse: Sie lehnte dankend ab und kümmerte sich stattdessen um den Nestbau - denn ohne eine angemessen vogelfreundliche Frisur kriegt man heutzutage ja keinen Soul mehr hin. Paloma, die Taube, bietet ihren Zwitscherfreunden nun eine sorgfältig auftoupierte Tolle in Granatrot als Sitzgelegenheit, und toller wird's musikalisch dann auch nicht. Dabei hatte man Faith ein erfahrenes Kompetenzteam zur Seite gestellt, bestehend aus Songwritern und Produzenten, die bereits mit Lily Allen, Mika, Kylie Minogue und Take That zusammengearbeitet haben - also wissen, wie man Songs schreibt, die gerade so lange im Gedächtnis bleiben, dass der nächste Hit nicht zu lange auf dem Fließband warten muss.

Es ist natürlich kein Zufall, dass die erste Single "Stone cold sober" heißt und die Protagonistin darin verkündet, dass sie auch ohne Alkohol und Drogen total gut drauf sein kann. Wie frisch aus der "Rehab". Ob nun das Fünfziger-Jahre-Nümmerchen "Upside down", das hochglänzende "Romance is dead" oder der Topshop-Diven-Pop von "New York" - ins Ohr gehen die zehn Songs auf "Do you want the truth or something beautiful?" ausnahmslos alle, die meisten auch in die Beine, nur halt nicht ins Herz. Zu poliert, zu kalkuliert, zu simuliert. Verwirrend auch der ständige Attitüdenwechsel: In "Smoke & mirrors" spielt Faith die toughe Emanze, ein Lied später singt sie mit devoten Bambiäuglein "I'm a broken doll / And you're the puppeteer / Take control for me / And wipe away my fears." Aber ohne ihr Schauspieltalent hätte sie die Rolle in "Das Kabinett des Dr. Parnassus" bestimmt nicht gekriegt. Na gut, ihr Auftritt in Terry Gilliams Kinofilm dauert kaum länger als einmal Lippenstiftnachziehen. Aber dafür bekommt Faith nun ihre 15 Minuten als Retro-Soulpop-Grazie - und ihren Namen merkt man sich vielleicht sogar noch ein bisschen länger. Aus welchen Gründen auch immer.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Broken doll
  • New York

Tracklist

  1. Stone cold sober
  2. Smoke & mirrors
  3. Broken doll
  4. Do you want the truth or something beautiful?
  5. Upside down
  6. Romance is dead
  7. New York
  8. Stargazer
  9. My legs are weak
  10. Play on

Gesamtspielzeit: 37:16 min.

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