Simple Minds - Neon lights

Simple Minds- Neon lights

Eagle / Edel
VÖ: 24.09.2001

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Letzte macht das Licht aus

Heilige Neonröhre! Die Simple Minds, seit jeher Ausgeburt musikalischer Durchschnittlichkeit, bringen nach längerer Durststrecke - manche würden von Herzstillstand sprechen - mit "Neon lights" ein neues Album auf den Markt. Dieses besteht nur aus dem Songmaterial von Vorbildern und Einflüssen der Band. Gepflegtes Namedropping ist also angesagt. So unterschiedlich Originale wie "Neon lights" von Kraftwerk, "Hello I love you" von den Doors oder "All tomorrow's parties" von Velvet Underground auch sein mögen, findet sich doch selbst bei flüchtiger Betrachtung eine frappierende Gemeinsamkeit: All diese Songs waren in musikalische Revolutionen eingebettet. Das Knistern kam nicht nur von feinen Kratzern auf dem Vinyl, sondern es lag regelrecht in der Luft. Hymnen im Epizentrum des Rock.

Die Simple Minds wollen sich also an solche Himmelstürmer anhängen und sich von der Rückbesinnung auf die eigene Vergangenheit in neue Höhen tragen lassen. Allerdings überfällt uns gleich zu Anfang Van Morrisons "Gloria" mit billiger Beat-Hascherei. Jim Kerr orientiert sich dabei stimmlich so sehr an U2s Variante des Songs, daß er nur wie der Abklatsch des Abklatsches klingt. Ebenso uninspiriert geht es bei Bowies "The man who sold the world" weiter. Daß sich die selbsternannten Einfaltspinsel nun gerade diesen Song ausgesucht haben, welcher schon durch die vielschichtige Interpretation von Kurt Cobain auf äußerst gelungene Weise zu einem Sinnbild seines inneren Konflikts geworden war, zeigt auf schrecklich entblößende Weise, welch sinnleeres Unterfangen da im CD-Spieler rotiert.

Spätestens an dieser Stelle reißt neben dem Geduldsfaden auch das Seil, an das sich Kerrs Mannen gekrallt haben. Ächzend und stöhnend unter einem Meer aus synthetischem Geblubber reißen die Schotten die Klassiker mit sich auf einen Sturzflug in die undefinierbaren Abgründe des schlechten Geschmacks. Neil Young, Roxy Music und Echo & The Bunnymen mögen Meisterwerke vorgelegt haben, aber jede Interpretation entpuppt sich bereits nach wenigen Sekunden als katastrophales Plagiat. Welchen Sinn ein vorgeblich modernisierter Anstrich solcher Klassiker hat, wenn selbst die vorgeblich modernen Farbtupfer bereits von Spinnenweben durchzogen sind, bleibt verborgen.

Selbst die zum Titelstück erkorenen "Neon lights" aus dem Düsseldorfer Kraftwerk bringen kein Licht ins Dunkel. Oberflächlich betrachtet mag der Song nur über eine simple Melodie verfügen, welche vor allem bei Betrachtung des Kontexts des wegweisenden Albums "Die Mensch-Maschine" ihre große musikhistorische Bedeutung annimmt. Wie sollte man so ein kontextbezogenes Stück Musik nun am besten ins Hier und Jetzt transportieren, wo die Techniken der "Mensch-Maschine" bei weitem veraltet sind und der Entdeckergeist der Computermusik einem hochtechnisiertem Alltag gewichen ist? Am besten gar nicht. Die Simple Minds versuchen es trotzdem und kreieren dafür einen esoterischen Kitschbrei, welcher die betagten Rechner in Anbetracht eines solch grausamen Erbes sogar rückwirkend zum Absturz bringt.

Doch die Schotten ziehen die Schrauben um den Gehörgang gar noch straffer. So wirkt Jim Kerr als lasziv murmelnder Abklatsch des Lizard King in "Hello I love you" ähnlich authentisch wie Guildo Horn als Ersatz-Dylan. Im Hintergrund stümpern seine Mannen ein paar grummelnde Effekte zusammen, welche wohl selbst in den frühen Achtzigern als peinlich eingestuft worden wären. Diese Türen bleiben geschlossen, doch das Grauen geht weiter. Für die B-Seiten von Patti Smiths lieblos heruntergepluckerten "Dancing barefoot" als erster Single fielen auch noch Songs von INXS und Human League in grabschändende Finger. So weiß man wie bei trashigen Horror-Filmchen nie, ob man sich herzlichst kaputt lachen sollte oder ob es einem nicht Angst macht, daß sich drei Zombies aus den Achtzigern an solch legendären Songs vergehen. Doch vor dieser Symphonie der lebenden Toten braucht niemand wirklich Angst zu haben, reicht es doch völlig aus, die CD den treuen Diensten der lokalen Entsorgungsunternehmen anzuvertrauen.

(Andreas Mac Arthur)

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Highlights

  • Bring on the dancing horses

Tracklist

  1. Gloria
  2. The man who sold the world
  3. Homosapien
  4. Dancing barefoot
  5. Neon lights
  6. Hello I love you
  7. Bring on the dancing horses
  8. The needle & the damage done
  9. For your pleasure
  10. All tomorrow's parties

Gesamtspielzeit: 41:40 min.

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MM13

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2018-11-09 19:14:22 Uhr
was haben die den da verbrochen,furchtbar,geht gar nicht!
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