Idlewild - Post electric blues

Idlewild- Post electric blues

Cooking Vinyl / Indigo
VÖ: 02.10.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Celtic Bingo

Whiskey und Lager auf dem Tisch, das Herz in der Hose, die Hand an der Stirn, Nikotinschwaden auf Eiche rustikal. Hinten in der Ecke dudelt irgendjemand auf seinem Sack - und geht damit allen anderen auf eben jenen. Irish Folk statt "Scottish fiction": Seit geraumer Zeit ist das das Motto, das man bei Roddy Woomble und Idlewild nicht unbedingt goutieren muss. Schöpfte die Begegnung mit Dichter Edwin Morgan bei "The remote part" mehr als zu Recht aus dem Vollen, so hat sich die Band vom folgenden Applaus nach wie vor nicht wirklich losgestrampelt. Weshalb leider auch "Post electric blues" nicht immer Hände und Füße frei hat.

So reitet die pittoreske Trinker-Romantik von "(The night will) Bring you back to life" oder "Take me back to the islands" - inklusive Heidi Talbots Background-Gesang - einfach zu viele Klischees. Woombles vor allem auf seinen Soloscheiben offensiv ausgeweidete Volkspoeten-Spelunken gehen auch im Idlewild-Kosmos nicht immer auf. Sind oft genug Abziehbilder wie aus einem Panini-Sammelalbum. Ein Table-Quiz, bei dem letztlich nur rhetorische Fragen gestellt werden. Nun gut, den Sackpfeifer lassen Idlewild auch auf "Post electric blues" dankenswerterweise draußen. Selbst Größen wie Buffalo Tom bewiesen da zwischenzeitlich schon weniger Schamgefühl. Dennoch tauscht man hier nicht unbedingt einmal Woomble gegen dreimal Dubliners.

Wie zum Ausgleich konzentriert sich "Post electric blues" ansonsten aber auf einen neuartigen Feel-Good-Vibe. Auch das geht indes nicht immer gut. So versteckt "Readers & writers" unter einem nervtötetenden, fanfarenartigen Liquido-Keyboard einen erfreulich unspektakulären Midtempo-Rocker. An welchen Türen Idlewild mit solch einem inneren Balanceakt auch immer rütteln wollen - Einlass wird ihnen so wohl eher nicht gewährt. Immerhin gibt es aber noch den Weg zurück. Und den beschreitet "Post electric blues" mit erfreulich sicherem Tritt.

Manches, so wie der Einstiegstrack mit seinen Dinosaur-Jr.-Gitarrenschleifen, Stampf-Rhythmen und Folk-Rock-Riffs, steigert sich nach kurzer Eingewöhnung zu wahren Melodieklötzen. Da darf selbst die Fiddle John McCuskers (ebenso wie Talbot Woombles Mitstreiter auf "Before the ruin") mitjammern. Und die Choräle sind ein wahres Zungeschnalzen - trotz zum Schlussakt noch einmal angetäuschtem Celtic-Potpourri. "To be forgotten" schiebt hingegen einen Refrain vor sich her, der beinahe noch einmal aufgeht wie zu den großen Zeiten von "These wooden ideas" oder "Stay the same". Auch die Power-Pop-Süßigkeiten feiern im Titeltrack und seinem konsequent zerrockten Finale sowie mit dem euphorisierenden "Circles in stars" eine mehr als ertragreiche Wiederbelebung. Und mit "Take me back in time" entwickeln selbst die Traditionals eine sehr willkommene, schlicht-balladeske Tiefenwirkung. Scottish Folk statt Irish fiction - geht doch.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Younger than America
  • Post-electric
  • Circles in stars

Tracklist

  1. Younger than America
  2. Readers & writers
  3. City hall
  4. (The night will) Bring you back to life
  5. Dreams of nothing
  6. Take me back to the islands
  7. Post-electric
  8. All over the town
  9. To be forgotten
  10. Circles in stars
  11. Take me back in time

Gesamtspielzeit: 40:35 min.

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