Gods Of Blitz - Under the radar

Gods Of Blitz- Under the radar

Sound Everest / Rough Trade
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

In der Beamtenstube

Der Ausstieg des Sängers ist meist der Anfang vom Ende - drückt doch kaum ein anderes Mitglied einer Band mehr einen Stempel auf wie der Frontmann. Gods Of Blitz aus Berlin sind in solchen Sachen eher praktisch veranlagt und präsentierten nach dem Abgang von Sebastian Barusta Gaebel nicht nur den neuen Vokalisten Nico Kozik als Bereicherung für die Mannschaft, sondern mit Carsten Brocker auch einen neuen Tastenmann. Der Erfolg des Vorgängeralbums "Reporting a mirage" und die anschließende Tour forderten zwar ihren Tribut, doch nun soll die Fahrt mit frischen Kräften wieder nach vorne gehen. Dass Gods Of Blitz die Möglichkeit dennoch nicht genutzt haben, um am Bandsound zu schrauben und der ganzen Unternehmung eine neue Richtung zu geben, ist eine kleine Enttäuschung.

Keine Frage, auch das dritte Album der Berliner ist vollgestopft mit kleinen Indie-Rock-Hits. Problematisch ist allerdings, dass "Under the radar" sich erneut der altbekannten Mittel bedient. Tanzbar soll es sein, rocken natürlich auch, nicht zu vergessen interessante rhythmische Brüche und die eine oder andere unvorhersehbare Wendung im Sound. Wie es sich gehört, erfüllen die ersten fünf Songs die Kriterien korrekt wie ein Beamter - und sind damit wenig überraschend. Vom Opener "Zigzag" bis zu "The knight" ziehen sich die bekannten Referenzen meist britischer Bauart hin. Letztendlich bleibt "Under the radar" aber Indie-Rock deutschen Gemütes, dem es zugegebenermaßen nicht nur bei den Gods Of Blitz oft an Spannung und Innovation mangelt. Über eine inhaltliche Schwere braucht natürlich auch nicht diskutiert werden, wie uninspirierte Wortspielereien wie "Where the beats have no name" belegen, die nicht einmal ein kleines Lächeln hervorzaubern.

Aus dem Gewohnheitsbrei der minimalen Änderungen stechen nur zwei Songs heraus. "Work it out", weil er die Sache von einer anderen Seite angeht, als Britpop-Anleihe eher verhalten beginnt und sich allmählich zu einem veritablen Indie-Clubhit steigert. Das anschließende "Gentleman bankrobber" gehört zwar nicht direkt zu den besseren Songs von "Under the radar", fällt aber aus dem Rahmen, weil hier zum ersten Mal Brockers Moog-Synthesizer richtig zur Geltung kommt und dem Song einen gewissen Achtziger-Wave-Stempel aufdrückt. Die anschließenden Songs greifen den Faden aber wieder auf, verlaufen nur knapp über der Aufmerksamkeitsgrenze und damit fast im Sande. Der Band den Spaß abzusprechen, wäre jedoch falsch, da man auch ihrem dritten Album die Spielfreude durchaus anmerkt. Schön wäre es nur, wenn diese Freude auch überspringen würde. Der kleine Funken Hoffnung erlischt jedoch bald. Gods Of Blitz machen auf "Under the radar" nur das, was sie schon immer gemacht haben und gut beherrschen: einfachen Indie-Rock mit einem kleinen Augenzwinkern. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und pünktlich um 17 Uhr wird die Gitarre fallengelassen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Work it out
  • Gentleman bankrobber

Tracklist

  1. Zigzag
  2. The situation
  3. New dimension
  4. Teenage thoughts
  5. The knight
  6. Work it out
  7. Gentleman bankrobber
  8. Where the beats have no name
  9. Heaven's coming down
  10. You wanner make out
  11. The siren's call
  12. Champagne solution

Gesamtspielzeit: 40:13 min.

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