Newton Faulkner - Rebuilt by humans

Newton Faulkner- Rebuilt by humans

Ugly Truth / Sony
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Ordentlich geflickt

Wenn Newton Faulkner von seiner neuen Platte spricht, ist eine Frage durchaus berechtigt: Welche Platte? Nicht nur, weil die 18 Songs auf den ersten Blick wie zwei Alben in einem wirken. Sondern auch, weil er sich Anfang des Jahres so unglücklich das Handgelenk brach, dass eine Metallplatte eingesetzt werden musste. Die Ironie des Schicksals: Faulkners 2007 veröffentlichtes Debüt hieß "Hand built by robots". Das Schicksal der Ironie: Faulkner nennt den Nachfolger "Rebuilt by humans". Und weil er selbst, trotz seiner beinahe übernatürlichen Fähigkeiten an der Gitarre, auch nur ein Mensch ist, hat er seine Erfolgssingle von damals mal eben nachgebaut: "Dream catch me" heißt jetzt "If this is it" - einladende Strophe, ausladender Refrain, mindestens haltbar bis die erste Saite reißt. Oder wie der Engländer sagt: Best before string break.

Das Vereinigte Königreich kaufte so viele Exemplare von Faulkners Erstlingswerk, dass er dafür Doppelplatin bekam. Ob eine dieser beiden Platten nun das lädierte Handgelenk stützt, ist nicht bekannt. Wohl aber, dass Toby Faulkner seinem Bruder erneut beim Songwriting zur Seite stand und auch noch zwei, drei andere Liedschmiede hier und da halfen. Zum Beispiel Cornelius. Nein, nicht der mit "Du entschuldige, i kenn' di" - obwohl man das bei "Won't let go", besagter Kollaboration mit dem gleichnamigen japanischen Popstar und Produzenten, trotzdem denkt. Direkt nach: Faulkner hat sich noch nie so nah an den Dancefloor gewagt! Obwohl man nun wirklich nicht sagen kann, dass er keine Risiken eingeht - immerhin hat er Billy Joel nach dem Leben getrachtet. Die Melodie am Anfang von "I took it out on you" ist nämlich schamlos bei dessen Song "My life" geklaut.

Aber so ein Ausnahmetalent wie Faulkner darf sich auch mal was rausnehmen. Im fachmännischen Umgang mit der Klampfe macht ihm in der Altersklasse U25 nämlich keiner was vor: Fingerpicking, Tapping, Slapping und noch ungefähr 69 andere Techniken, die sich für den Laien eher nach dem Angebotsspektrum eines Sado-Maso-Clubs anhören, beherrscht er aus dem Effeff. Zu verdanken hat er das alles dem Musiker Eric Roche, seinem bedauerlicherweise viel zu früh verstorbenen Gitarrenlehrer an der renommierten Academy Of Contemporary Music in Guildford. Viereinhalb Jahre hat es gedauert, bis "So much", Faulkners Hommage an Roche, fertig war. "There's so much of you in everything I do" und "I owe you so much" singt er andächtig. Und weil das so rührend ist, verzeiht man ihm auch sofort, dass der Song an sich nicht zu seinen besten gehört.

Das ist bei "Over and out" ganz anders: Ein filigranes Pianomotiv, ein hübsch federnder Beat, vornehm dosierte Streicher und Hymnik in Holzfällerportionen geben eine klare Antwort auf die Frage nach der potenziellen zweiten Single. "Badman" hat die widerspenstigste Melodie mit dem größten Wiedererkennungswert und präsentiert Faulkners urigstes Gitarrenarrangement, zu dem man sich auch prima ein Didgeridoo vorstellen könnte. Wie es klingt, wenn er mit seiner Stimme ein Theramin imitiert, könnte die Phantasie hingegen schon etwas überfordern. Macht aber nichts, kann man sich ja in einem der fünf Zwischenspiele anhören, die zwar eine gewisse Unübersichtlichkeit der Tracklist begünstigen, aber weder deplaziert noch überflüssig wirken. Ab 18 geht's schließlich erst richtig rund. Zugegeben: In Sachen Abwechslungs- und Einfallsreichtum ist "Rebuilt by humans" nicht immer befriedigend. Aber man muss ja froh sein, dass die Handarbeit überhaupt noch klappt. Und jetzt fragt bloß nicht, welche.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • If this is it
  • Over and out

Tracklist

  1. Intro
  2. Badman
  3. I took it out on you
  4. Hello
  5. If this is it
  6. Resin on my heart strings
  7. Lipstick jungle
  8. Been thinking about it
  9. Let's get together
  10. She's got the time 2
  11. Won't let go
  12. Resin theramins
  13. First time
  14. Over and out
  15. Cheltenham
  16. So much
  17. This town
  18. I'm not giving up yet

Gesamtspielzeit: 50:04 min.

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