Brand New - Daisy

Brand New- Daisy

DGC / Interscope / Universal
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die pure Verzweiflung

Man hätte sicherlich mit allem rechnen und alles erwarten können. Mehr oder weniger aussagekräftige Phrasen, überschwängliche Lobhudeleien über ein vermeintliches neues Meisterwerk gepaart mit ein paar semiwitzigen Wortspielen zwischen Donald und Entenhausen. Und fertig wäre eine Plattenbesprechung gewesen, die im Wesentlichen eine gute Arbeit einer nicht minder guten Band zusammenfasst. Doch es kam dann doch alles irgendwie anders. Dass dieser Text beispielsweise Wörter wie "enttäuschend" oder "leider" beinhalten würde, war so nicht geplant.

Brand New tragen die Verantwortung dafür, dass es nun doch so kommt. Denn "Daisy" ist nicht das, was alle erwartet haben. Klar, das muss per se auch nicht schlecht sein. Vorhersehbarkeit kann natürlich auch zum Gähnen langweilig sein. Viele werden sagen, dass das Ostküsten-Quartett eben nicht den Weg des geringsten Widerstandes und nicht auf Nummer sicher gehen wollte. Phasenweise wünscht man sich jedoch, sie hätten es getan. War der jeweilige Sprung von "Your favorite weapon" über "Deja entendu" bis hin zu "The devil and god are raging inside me" schon enorm und die musikalische Weiterentwicklung vom Allerfeinsten, lässt einen "Daisy" zuweilen ratlos zurück. Natürlich war es schwierig bis nahezu unmöglich, den formidablen Vorgänger, dem man auf Plattentests.de durchaus einen Punkt mehr hätte geben können, zu toppen, aber muss es denn gleich so weit gehen?

Willkommen im Lande des Noiserocks! Ein Kreischen, ein Scheppern, ein Pluckern. "Vices" mutiert zum hysterischen Etwas. Schön ist das nicht. Bei "Be gone" zweifelt man die Fähigkeiten seines CD-Players an oder vermutet einen zerkratzen Silberling. Mit Verlaub, Jungs: Das ist kein Art-Punk oder ähnliches. Das ist einfach nur nerviger Lärm. Die Experimentierfreudigkeit von Jesse Lacey und seinen Mannen wird den Zuhörern über circa ein Drittel des Albums einiges abverlangen. So viel ist sicher. Schwer verdauliche Kost nennt man so etwas wohl. Hinzu kommt phasenweise ein vermutlich gewollter, aber gewöhnungsbedürftiger Sound. So zum Beispiel bei der ersten Single "At the bottom", einem Song, der einen ansonsten wieder daran erinnert, was Brand New zuletzt so ausgemacht hat. Laut, leise, energisch. So soll es sein. "Sink" weiß auch nach und nach zu gefallen.

"Bed" gehört neben "You stole" zu den ruhigeren und ungemein intensiven Highlights. Zwar ist hier kein neues "Jesus Christ" in Sicht, aber sie sind nahe dran. Songs wie "In a jar" oder "Noro" kratzen rifforientiert am Grunge der Neunziger. War "The devil and god are raging inside me" schon von Melancholie und Düsternis gezeichnet, ist "Daisy" die pure Verzweiflung und Verstörtheit. Aggressiv, wütend, laut, dunkel. Vieles von dem, was Brand New in den letzten Jahren ausgemacht hat, fehlt. Einige Songs wirken nach und nach, aber insgesamt ist das für Brand-New-Verhältnisse enttäuschender Durchschnitt. Leider.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Bed
  • At the bottom
  • You stole

Tracklist

  1. Vices
  2. Bed
  3. At the bottom
  4. Gasoline
  5. You stole
  6. Be gone
  7. Sink
  8. Bought a bride
  9. Daisy
  10. In a jar
  11. Noro

Gesamtspielzeit: 40:40 min.

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