The Big Pink - A brief history of love

The Big Pink- A brief history of love

4AD / Beggars / Indigo
VÖ: 11.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die große Zerrissenheit

Wenn man sich eine Bürde selbst auferlegt, muss man sie auch schultern können. Wie das Londoner Duo The Big Pink, das sich sich nach einer der großen Platten der Popgeschichte benannt hat: "Music from the big pink" von The Band. Arrogant ist das nur auf den ersten Blick. Schließlich steht die Arbeitsweise der beiden ganz in der Tradition der alten Dylan-Begleiter, wenn sie viele verschiedene Musikstile zu einer eigenen Identität verschmelzen. Knarziger Folk verbrüdert sich mit düsterem Manchester Rave, weicher Soul mit fiesen Beats. Das ist verstörend. Und suchterregend.

Doch die Weitsicht von The Big Pink überrascht nicht, wenn man sich durch die Biografie der Mitglieder wühlt. Auf der Habenseite steht da nämlich Beachtliches. Milo Cordell entdeckte die Klaxons und gründete das Label Merok, Robbie Furze war bereits Gitarrist der Industrial-Größe Alec Empire und wurde von seinen Eltern nach Robbie Robertson von, richtig, The Band benannt. Gute Voraussetzungen. Dass das Debüt "A brief history of love" mit diesem Background wie The Velvet Underground auf Acid klingen sollte, war zu erwarten. Dass dies gelingen sollte, eher nicht.

Schon die ersten Sekunden sind so neblig, dass man Mühe hat, hindurchzukommen. "Crystal visions" heißt der Song, der diese Platte eröffnet und vorerst auch ihr bester bleiben wird. Ein stoischer Beat zerschneidet die angespannte Atmosphäre in bester Shoegaze-Manier, bis die Melodie ins Spiel kommt, Cordell und Furze sich hingebungsvoll in süße Beach-Boys-Harmonien legen und dabei klingen wie Ian Brown, der Marvin Gaye imitiert. Auch wenn der Rest diese Perfektion nicht aufrechterhalten kann, bleiben The Big Pink immer außergewöhnlich experimentell und treffsicher in ihrer Interpretation von Popmusik.

Da dürfen selbst bei der überrollenden Single "Dominos" gemeine Feedbackschwaden in die Hookline rauschen und beim behutsamen "Love in vain" klebrige Streicher-Samples in die Endlosschleife geschickt werden. Der getragene Titelsong ist mit einbrennender Melodie und dezenter Theatralik ein weiterer Höhepunkt dieser spannenungsgeladenen Platte. Wer es aushält, wenn klamme Düsternis auf leichte Melodien trifft und sich undifferenzierbare Soundschichten mit minimalistischen Arrangements paaren, wird mit "A brief history of love" lang anhaltenden Spaß haben. Das nächste Suchtmittel.

(Christian Preußer)

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Highlights

  • Crystal visions
  • A brief history of love

Tracklist

  1. Crystal visions
  2. Too young to love
  3. Dominos
  4. Love in vain
  5. At war with the sun
  6. Velvet
  7. Golden pendulum
  8. Frisk
  9. A brief history of love
  10. Tonight
  11. Count backwards from ten

Gesamtspielzeit: 48:16 min.

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