The Used - Artwork

The Used- Artwork

Reprise / Warner
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 3/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Chancentod

Irgendwann zwischen 2002 und 2008 ist es passiert: The Used haben den Scheideweg überschritten. Als Screamo noch eine Sensation war, waren sie die Screamo-Sensation. Sie gingen nach ihrer Debütplatte "The Used" in die Verlängerung - und entpuppten sich ohne den Hype im Rücken 2006 auf "Lies for the liars" als profillose US-Rockband, mit der man auch Videospiel-Soundtracks hätte abfüllen können. The Used mögen sie halt, ihre Krachgitarren, die trotz (Über-)Produktion gerne so lasch durch ihre Billboard-Hot-100-Konsens-Songs braten, dass man sich fragt, ob das noch Rock ist oder nur so tut, als ob. "Artwork" ist die letzte Chance, die The Used noch bleibt, um zu beweisen, dass ihr Debüt kein Ausrutscher war. Dass da etwas ist, das bleibt, wenn College-Radios und Atreyu-Mädchen eines Tages aus ihren Singles rausgewachsen sind.

Veränderung ist keine schlechte Taktik, wenn die Formkurve zuletzt runter bis ins Kellerloch polterte. The Used packen gleich zwei Dinge an, die sie ändern wollen: Sie haben zunächst mit Dan Whitesides einen neuen Schlagzeuger angestellt. Und sie haben danach ihren Stamm-Produzenten John Feldmann entlassen. Den Mann, der alle seine Platten bis auf Anschlag aufnimmt, wie das sonst nur die Plastik-Spezialisten von der Pop-Front tun. Den Mann, der selbst Glasmurmeln noch für kantig hält und sie schleift, bis nichts mehr von ihnen übrig ist. Von seiner Abwesenheit hört man auf "Artwork" allerdings wenig bis nichts: Es dauert gerade drei Songs, bis The Used in die erste Ballade stolpern. Sänger Bert McCracken darf jetzt nur noch sülzen, die Gitarren lullen den Hörer ein, bis er meint, sich auf einen Kuschelrock-Sampler verlaufen zu haben - oder eben auf eine Platte von The Used. Und den Menschen hinter dem Schlagzeug sieht man vor lauter Kompression auf der ganzen Platte kaum.

Erst ein Blick in die Credits löst auf: The Used haben Good-Charlotte-Produzent John Feldmann gegen Panic!-At-The-Disco-Produzent Matt Squire eingetauscht. Sie sind von einem Effekt-Heischer in die Arme eines anderen gerannt. Und haben auch damit womöglich ihre letzte Chance verspielt. Kaum etwas auf "Artwork" klingt anders als die The Used, die man seit zwei Platten kennt. In "Blood on my hands" dirigiert Squire Bert McCracken in einen Refrain, den man wahrscheinlich jetzt schon als Klingelton bekommt. Anschließend lässt er ihn in der Bridge schreien - fast wie er das vor sieben Jahren noch so gerne tat - fast wie ein bisschen Alibi. Und in "Kissing you goodbye" karrt dieser Matt Squire alle Vermutlich-Computer-Streicher an, die Pro-Tools-Software so tragen kann. Alles für noch eine Ballade, die so klingt, wie die meisten Balladen von The Used immer schon klangen: so dünn, dass man sie hinter einer Wunderkerze verstecken könnte. Wer die dazu schwenken will, der hört auch heimlich Bon Jovi.

Es ist kein Geheimnis, dass die Stärke von The Used noch nie das Songwriting war: Schon "The Used" spielte die offensichtlichen Töne nach den offensichtlichen. Brauchbare The-Used-Songs funktionieren wie ein Knallbonbon: anzünden, in Deckung gehen, im Konfettiregen Pogo tanzen. Ohne Bert McCracken, der kein Derwisch mehr ist, sind Stücke wie "Come undone" und "Sold my soul" die Sorte Rocksong, für die man sein Radio morgens erwürgen möchte. Mit nicht mal dreißig Jahren suppt sich dieser McCracken durch seine Mittel-, Halb- und Vollballaden, als wäre er eher UB40. Und immer dann, wenn die Platte böse klingen will, sprüht Produzent Squire Smileys über die Takte, bis man sie auch ohne "Parental advisory"-Aufkleber ins Regal stellen kann. Oder auf den Score der nächsten Stephenie-Meyer-Verfilmung. Das ist wenig. Zu wenig für "Artwork". Zu wenig für die letzte Chance.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Born to quit

Tracklist

  1. Blood on my hands
  2. Empty with you
  3. Born to quit
  4. Kissing you goodbye
  5. Sold my soul
  6. Watered down
  7. On the cross
  8. Come undone
  9. Meant to die
  10. The best of me
  11. Men are all the same

Gesamtspielzeit: 43:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
solea
2010-05-26 04:02:48 Uhr
direkt mal in myspace reingehauen. Von der Härte für mich noch im erträglichen Rahmen, aber bisschen mieser sound (liegt hoffentlich an myspace). scheinen ja gänzlich unbekannt dieJungs...
merk sie mir mal :)
toolshed
2010-05-26 03:58:37 Uhr
La Quiete :)
solea
2010-05-26 03:56:32 Uhr
jo das Ding ist Schrott, ich habs inzwischen auch verstanden :)
Alternativen?
toolshed
2010-05-26 03:47:03 Uhr
Musikalisches Kaugummi halt.. verliert wohl nach kürzester Zeit einfach den Geschmack.
toolshed
2010-05-26 03:44:53 Uhr
Es ist mir leicht peinlich, denn das Album ist (bedauernswerterweise) für die Tonne, aber "Blood on my hands" hat was, wenn auch nicht viel..

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