Pearl Jam - Backspacer

Pearl Jam- Backspacer

Island / Universal
VÖ: 18.09.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Geboren am 4. November

Der 4. November 2008 war der Tag, an dem sich alles änderte. Es war der Tag, an dem Barack Obama mit Pauken und Trompeten zum 44. Präsidenten der USA gewählt wurde. Endlich hatten sich die Jahre des Kampfes für Pearl Jam ausgezahlt. Acht harte Jahre, die für die politisch aktive Band geprägt waren vom Rennen an Wände, die einfach nicht zum Einsturz gebracht werden wollten. Die verlorene Zeit unter George W. Bush waren aufreibende und anstrengende Jahre, die sich fest in den an manchen Ecken etwas zu schwerfälligen letzten beiden Alben "Riot act" und "Pearl Jam" einbrannten. Man durfte gespannt sein, wie das Album nach dem Abgang des Hassobjektes Nummer 1 wohl klingen würde.

Die Enttäuschung über die erste Single von "Backspacer", "The fixer", war bei einigen zunächst groß. Gerade jene Band, die ihre Songs immer mit viel Bedeutung auflädt, kommt mit so einem simplen Dreiminüter um die Ecke? Befinden sich Pearl Jam auf dem absteigenden Ast? Nein, "The fixer" muss anders und als Symbol für das ganze Album gelesen werden. "The fixer" ist die neue Leichtigkeit, die bei Pearl Jam Einzug gehalten hat. Die Befreiung nach Bush, ein neuer Lebensmut, eine Aufbruchsstimmung. Früher hätte sich hinter dem Songtitel eine Geschichte über eine verlorene Seele versteckt. Nicht so auf "Backspacer". "The fixer" ist nach vorne gerichtet, frisch, unverbraucht. Ein Weckruf an jene, die glauben, die Welt sei verloren. Vedder ist sich sicher, dass alles geklebt, repariert und mit neuem Licht beschienen werden kann. "When somethings gone / I wanna fight to get it back again", singt Vedder fast fröhlich und voller Zuversicht. Einfache Worte zwar, die das Anliegen aber kaum treffender beschreiben könnten: Es geht aufwärts. Ein neuer Anfang. Nicht nur für die USA, auch für Pearl Jam.

Die zurückgewonnene Unbeschwertheit bedeutet allerdings nicht, dass Vedders Zorn komplett verraucht ist. Mit welchem Furor das mit rund 36 Minuten knackig kurz geratene "Backspacer" auf den Hörer hereinbricht! Neben der bereits erwähnten Single gilt dies vor allem für "Gonna see my friend", "Got some" und "Johnny guitar", die alle ebenso an der Drei-Minuten-Grenze kratzen und vage an die Leidenschaft von "Spin the black circle" und "Rearviewmirror" erinnern. "Backspacer" explodiert noch einmal ganz ähnlich bei "Supersonic". Das von Gitarrist Stone Gossard geschriebene Stück schreddert in Anlehnung an die Ramones und Led Zeppelin alles kurz und klein, was sich in den Weg stellt. Vedder faucht "I wanna live my life with the volume full", und für einen kurzen Moment scheint klar, warum Pearl Jams neuntes Studioalbum so direkt und lebendig geworden ist.

Doch "Backspacer" weiß auch, wann es an der Zeit zur inneren Einkehr ist. Die Lagerfeuerkuschler "Just breathe" und "The end" beschäftigen sich mit der Vergänglichkeit und sind musikalisch eine Fortführung von Vedders Alleingang "Into the wild" für den herzzereißend schönen gleichnamigen Film. "Just breathe" ruft einem die Weite und Einsamkeit der Wildnis Alaskas erneut ins Gedächntis, die Sean Penn meisterhaft in Szene setzte. "The end" basiert hingegen stärker als "Just breathe" auf Violine und Cello und ist so etwas wie ein leicht morbides Gute-Nacht-Lied. Anstatt den Song unnötig für die große Bühne aufzublasen, zeigen Pearl Jam wieder einmal überragendes musikalisches Gespür und lassen ihn nach fast genau drei Minuten, der magischen Zahl auf "Backspacer", enden.

Rund um die beiden Extreme aus Auf-die-Fresse und Jetzt-mal-ganz-ruhig haben Pearl Jam einige unaufdringliche Midtemposongs gestrickt, die wunderbar melodisch sind und immer wieder die Kurve weg vom Kitsch bekommen. Dem wie gewohnt virtuosen Spiel von Jeff Ament, Stone Gossard, Mike McCready und Matt Cameron sei Dank bleibt "Backspacer" rau genug, um nicht zu musikalischem Fast Food zu verkommen. Der 4. November 2008 war der Tag, an dem sich für Pearl Jam vieles änderte. Es war der Tag, an dem die Arbeiten für ihr wohl bestes Album dieses Jahrzehntes begannen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Gonna see my friend
  • Got some
  • Just breathe
  • Unthought known

Tracklist

  1. Gonna see my friend
  2. Got some
  3. The fixer
  4. Johnny guitar
  5. Just breathe
  6. Amongst the waves
  7. Unthought known
  8. Supersonic
  9. Speed of sound
  10. Force of nature
  11. The end

Gesamtspielzeit: 36:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Bruchpilot
2011-10-26 10:44:45 Uhr
zu verkaufen

alles so kurze Albumtitel
31.03.2009 - 17:15 Uhr
Vitalogy - 6/10
Binaural - 4/10


Oft genug gehört?
Eddie Guitar
2011-09-11 21:12:40 Uhr
Nach einer anfänglichen, ernüchternden 6/10 ist es bei mir nun auch eine 8/10.
"Gonna See My Friend", "The Fixer", "Unthought Known", "Supersonic", "Speed of Sound", "Force of Nature" - Songs, die erst spät überzeugten. Nur mit "Johnny Guitar" und "The End" wird das nix mehr, fürchte ich. Bei "Johnny" klingt Eddie wie Steven Tyler.
the fixer
2011-09-11 20:55:32 Uhr
http://www.ebay.de/itm/Pearl-Jam-Volcom-7-Amongst-the-waves-7-/120772495890?pt=Music_on_Vinyl&hash=item1c1e9a0a12

Was'n "Volcom"? Auf jeden Fall was Kostspieliges. Neuer Song? Live-EP? Ich ratlos.
Meisenburg
2011-07-21 14:32:30 Uhr
Ich kann die 4.6/10 bei bitchfuck immer weniger nachvollziehen. Am Anfang war ich auch etwas skeptisch, weil z.B. "The fixer", "Supersonic", "The end" und "Johnny guitar" nicht soo gut sind. Dafür bilden "Gonna see my friend" und "Got some" eine geniale Opener-Kombi. Und "Just breathe" ist so herzzerreißend schön... und darauf folgen direkt noch 2 Highlights.
8/10 passt.
Tach Post
2011-07-10 22:56:28 Uhr
5,54 €

http://www.amazon.de/Backspacer-Pearl-Jam/dp/B002IVLH60/ref=sr_1_3?s=music&ie=UTF8&qid=1310330929&sr=1-3
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