Monsters Of Folk - Monsters Of Folk

Monsters Of Folk- Monsters Of Folk

Rough Trade / Beggars / Indigo
VÖ: 18.09.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fast wie Giganten

Neulich in der Redaktion: "Ich bin dafür, dass Daniel Gerhardt, Tobias Hinrichs, Oliver Ding und ich die nächste CD gemeinsam rezensieren. Und ich weiß auch schon, was wir unter den Text schreiben: Monsters Of Plattentests.de!" Redaktionsleiter Armin Linder warf Ina Simone Mautz nur einen verständnislosen Blick und eine Tüte Pilzrahmsuppe zu. Die Wiesn würde ja bald losgehen und da bräuchte er was G'scheites im Magen, so als flüssige Grundlage. Während die Worte "Ist doch nicht mein Bier!" von der dienstältesten Quotenfrau in einen Original-Bowling-For-Soup-Teller gegossen wurden, entspannte ein TripHop-Beat die Situation. Aber nicht lange: Daniel Gerhardt erkannte den musikalisch etwas überraschenden Opener des Monsters-Of-Folk-Debüts nach nur 0,0085 Sekunden, woraufhin Oliver Ding sich kopfschüttelnd über den bescheuerten Bandnamen mokierte und Tobias Hinrichs schopfschüttelnd darauf bestand, dass er einen schöneren Bartwuchs habe als My-Morning-Jacket-Frontzottel Jim James, der sich neuerdings mit Y statt J schreibt, vorne wie hinten.

Gerade als die Monsters Of Folk gemeinsam den ersten Refrain von "Dear God (Sincerely M.O.F.)" anstimmten, klingelte der Postbote und fragte doch tatsächlich mit schiefgelegtem Kopf, ob das die Bee Gees wären. Er bekam nur einen verständnislosen Blick als Antwort, wurde aber trotzdem großzügig auf einen Teller Suppe eingeladen. Nachdem die Sekretärin endlich ihre Fingernägel fertiglackiert hatte, retroplattentestsblau natürlich, meldete auch sie sich zu Wort, ungefragt. Es sei ja wohl total boygroupmäßig, wie diese vier Typen nacheinander jeder eine Strophe singen würden. Daraufhin fauchte Ina Simone Mautz: "Diese vier Typen sind gestandene Männer und gestandene Musiker!" und Daniel Gerhardt zählte reflexartig die letzten Großtaten der Beteiligten auf: M. Ward veröffentlichte vor ein paar Monaten erst sein hervorragendes Album "Hold time", letztes Jahr erschien "Evil urges" von My Morning Jacket, ebenfalls sehr gelungen, und Conor Oberst hat auch schon hörenswerte Platten gemacht. Auch wenn seine letzte, "Outer South", nicht unbedingt dazugehörte.

Weil bei Plattentests.de grundsätzlich nur Sekretärinnen eingestellt werden, die bis vier zählen können, erkundigte sich die Dame mit den schicken Fingernägeln sehr aufmerksam danach, wer denn nun der vierte Mann sei. Es handelte sich dabei um Produzent/Engineer/Multi-Instrumentalist/Bright-Eyes-Mitglied Mike Mogis, der bei den Monsters Of Folk zwar keine Lead Vocals singt, aber ansonsten fast alles macht - wie gewohnt. Es ist nämlich kaum eine Platte bei Saddle Creek erschienen, auf der er nicht mitgemischt hat. Zusammen mit Oberst betreibt er ein Studio in Omaha, wo die Monsters Of Folk, die sich 2004 für eine Tour erstmals zusammenfanden, in aller Ruhe an ihrem ersten Album basteln konnten. Eine weitere Session fand in Malibu statt - in einem Studio, in dem schon The Band und Neil Young aufgenommen hatten. Als Tobias Hinrichs die Frage aufwarf, ob die denn auch als Referenzen passend wären (ja), Daniel Gerhardt seiner Sorge Ausdruck verlieh, dass 15 Songs ein paar zu viel sein könnten (nein) und Oliver Ding anhand von "Say please" und "Whole lotta losin'" einen sehr treffenden Vergleich mit den Traveling Wilburys formulierte, brüllte Armin Linder: "So lange Ihr die Füße unter meinen Schreibtisch streckt, wird es keine Gruppenrezensionen geben!" Ina Simone Mautz solle das Album schön alleine besprechen und sich zur Abwechslung mal kurz fassen. Na denn:

Das ist so eine Platte, der man sofort ein Tässchen Pilzrahmsuppe aufwärmen würde. Aus Dankbarkeit, dass es diese Lieder gibt, die so klingen, als ob es sie schon immer gegeben hätte. Man könnte nach Schubladen suchen, Country, Blues, Rock und natürlich Folk, aber das erste, was man findet, werden immer diese Melodien sein. Einfache Melodien, die nicht mehr sein wollen, als sie sind und es gerade dadurch werden. Vor allem die von M. Ward geschriebenen und gesungenen - man lausche nur einmal dem ruhigen, sanft angejazzten "Slow down Jo" oder dem hinreißenden "The sandman, the brakeman and me". Yim Yames hat natürlich wieder sein Echo dabei, besingt im live eingespielten "Losin' yo head" ausgerechnet die Angst vor Monstern und schafft es, eine zünftige Partyrock-Nummer daraus zu machen, ohne befürchten zu müssen, dass der Briefträger aus Absatz zwei gleich an Status Quo denkt. Es hätte vermutlich auch niemand gedacht, dass sich Oberst so souverän und vor allem angenehm in den omnipräsenten Harmoniegesang einfügt und mit "Ahead of the curve" ein Lied beisteuert, das zu seinen besten gehören dürfte. Mit jedem Song wird es deutlicher: Dieses berauschende Album hat seine Pilzrahmsuppe schon längst verspeist. Und die kam nicht aus der Tüte, denn da war wahrscheinlich was ganz anderes drin.

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Ahead of the curve
  • Slow down Jo
  • Losin' yo head
  • The sandman, the brakeman and me

Tracklist

  1. Dear God (Sincerely M.O.F.)
  2. Say please
  3. Whole lotta losin'
  4. Temazcal
  5. The right place
  6. Baby boomer
  7. Man named Truth
  8. Goodway
  9. Ahead of the curve
  10. Slow down Jo
  11. Losin yo head
  12. Magic marker
  13. Map of the world
  14. The sandman, the brakeman and me
  15. His master's voice

Gesamtspielzeit: 54:45 min.

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