Frank Turner - Poetry of the deed

Frank Turner- Poetry of the deed

Xtra Mile / Epitaph / Indigo
VÖ: 11.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Fahrender Folk

Ist das nun schon Ausverkauf oder nicht? Anlässlich der Veröffentlichung von "Poetry of the deed" und mit massig Rückenwind durch das Vorgängeralbum "Love ire & song", durfte Frank Turner vor kurzem in den USA einige Shows für The Offspring eröffnen. Die waren ja früher auch mal Punk. Lang, lang ist's her. Allen Zweiflern und Kritikern knallt Turner ein fröhliches "We can never sell out, because we never bought in" vor den Latz. Erst einmal also die Selbsterklärung als Standortbestimmung im Opener "Live fast die old". Turner, soll das bedeuten, ist immer noch der Alte, auch wenn es ihn mittlerweile auf größere Bühnen zieht. Das ist auch dem Sound anzumerken.

Denn im Gegensatz zu den beiden bisherigen Soloausflügen nach dem Ende seiner Band Million Dead stieg Turner zu den Aufnahmen zu "Poetry of the deed" nicht alleine in den Ring. Im Gepäck hatte der Brite erstmals eine komplette Band. Die Veränderungen im Aufnahmeprozess zeigen sich zwar dezent, aber doch spürbar. Anders als sein Vorgänger ist "Poetry of the deed" etwas geschmeidiger, voller und runder geraten. Turners drittes Album klingt lebhafter und beweglicher, ohne dabei jedoch den Punk im Folkgewand aus den Augen zu lassen. "Poetry of the deed" quillt über mit Hits und aufrührerischen Kneipen-Singalongs.

Auch thematisch bewegt sich etwas im Hause Turner: nämlich von der Theke unten bei den Pichelbrüdern hinaus in die weite Welt. Bisher drehte sich im Leben von Frank Turner eigentlich alles um Bier und Freunde. Auf "Poetry of the deed" hat der Brite das Reisen für sich entdeckt und verarbeitet die Erfahrungen, die er auf der ausgedehnten Tour im Anschluss an den Release von "Love ire & song" machen durfte. Und siehe da: Die große, weite Welt besteht nicht nur aus dem Lieblingspub. In der ersten Single "The road" beichtet Turner, er habe schon immer Angst vor der Konstanz, vor dem Stillstand gehabt. Diese ewige Aufbruchsstimmung ist es, die Turners Folkpunk und Weltsicht ausmacht. In "Try this at home", dem punkigsten Stück des Albums, postuliert er: "Because the only thing that punk rock should every really mean / Is not sitting around and waiting for the lights to go green." Beizeiten wirkt Turner wie der letzte Aufrechte auf diesem Planeten, der wie der Rattenfänger von Hameln versucht, musikalisch eine Armada hinter sich zu bringen, um die Welt zu ändern.

Frank Turner kann so viel von der Welt bereisen, so viele große Bühnen besteigen wie er will, home ist schließlich doch where the heart is. Und Turners Herz schlägt nicht nur für den Punk, sondern vor allem für die Menschen daheim. Letztendlich wird man ihn doch wieder unten an der Theke finden, das Bier in der linken, die Gitarre in der rechten Hand, fertig für den intimen Auftritt mit den Kumpels. Egal, wie man es dreht und wendet, egal, was man Turner vorwerfen möchte - "Poetry of the deed" lässt nur einen Schluss zu: Man muss sich Frank Turner als einen glücklichen Menschen vorstellen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Try this at home
  • Dan's song
  • Sons of liberty
  • The road

Tracklist

  1. Live fast die old
  2. Try this at home
  3. Dan's song
  4. Poetry of the deed
  5. Isabel
  6. The fastest way back home
  7. Sons of liberty
  8. The road
  9. Faithful son
  10. Richard divine
  11. Sunday nights
  12. Our lady of the campfires
  13. Journey of the Magi

Gesamtspielzeit: 47:06 min.

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