Sometree - Yonder

Sometree- Yonder

Pop-U-Loud / PIAS
VÖ: 18.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Kaum zu fassen

Wenn Rockbands immer geradeaus laufen dürften, müsste man auf Sometrees sechster Platte eigentlich nur noch Stille hören. Maximal Meeresrauschen. Und vielleicht ein paar Walgesänge im Hintergrund. Zwischen "Clever, clever where is your heart" und "Bending the willow" liegen mehr as ein paar Jahre. Zwischen ihnen liegt die Erkenntnis, dass man als Band auch ohne Krawall-Gitarre Räume, Songs und Platten füllen kann. Dass Spannung nicht zwingend etwas mit den offensichtlichsten Kontrasten zu tun hat: weich und zart, gut und böse, laut und leise. Zuletzt spielten Sometree Stücke, denen man bis heute nachläuft, ohne sie richtig packen zu können. Stücke, die außer verhuschten Horn-Arrangements und der Stimme von Sänger Bernd Bauerochse aus einem Hauch von Garnichts bestehen. Und kaum zu (be)greifen sind. Narkoleptiker-Musik, sagen die Spötter. Der Rest staunt, genießt, und versucht, sie doch noch einzufangen.

Wenn Sometree allerdings schon auf "Bending the willow" kaum mehr zu fassen waren, müssten sie sich vor, während oder nach "Yonder" eigentlich auflösen wie eine Brausetablette im Wasserglas. Doch Sometree sind wie ihre Songs. Sie laufen nie geradeaus. "Yonder" erst recht nicht. Tatsächlich ist dieses "Yonder" fast eine Retro-Platte: Die Gitarren wummern bisweilen fast so wie 2003 auf "Moleskine", die Hörner singen wie 2006 auf "Bending the willow". Mittendrin Sänger Bernd, der thomyorket wie immer. Gemeinsam haben sie mit "Sink or swim" einen der besten Songs ihrer Karriere aufgenommen. Mit einer Melodie, so zwingend, dass "Hands and arrows" vom Vorgänger einem fast wie Frühstücks-Gedudel aus dem Radio vorkommt. Und mit einer Dramaturgie, die so sehr die Nerven akupunktiert, dass sogar Großtaten wie "Pulse" wanken. Mittendrin lassen Sometree ihre Instrumente und ihren Bernd einfach stehen - Stille, sekundenlang - und dann laufen sie ins große Finale. Das alles packen Sometree gleich an den Anfang ihrer neuen Platte, ein taktischer Fehler. Denn alles, was danach kommt, kann, ja muss verlieren.

Aber das ist alles, bloß keine Schande. Zumal Sometree über die Jahre so stilsicher geworden sind, dass sie auch in der Berater-Branche unterwegs sein könnten. Kaum ein Ton auf "Yonder" ist Zufall - oder geht daneben. In "A new low" und "Endchiridion" spielen sie Musik, die man sich auch gerahmt ins Schlafzimmer hängen könnte. Sometree packen ihre Harmonien in Watte und lassen sie in dem Moment auf einen los, in dem man ihnen nicht mehr ausweichen kann. Der Wohlfühl-Song "Meduin" lässt zwischen Klavier und Trompete so viel Platz zur Interpretation, dass er auch ein Soundtrack-Stück für einen Kurzfilm sein könnte, wenn er bloß nicht ein Soundtrack-Stück für einen Kurzfilm wäre.

Nur in "Heroin" können sie hinter allem Schönklang nicht verbergen, dass die Fallhöhe von Album-Highlight bis zum Lowlight noch nie so groß war wie auf "Yonder". Als ob "Heroin" noch hätte mit auf Platte müssen, hübschen Sometree hier eine Nummer auf, die wie ein Abklatsch ihrer größten Hits klingt - und gegen jeden einzelnen davon baden geht. Und "Serene" ist kaum mehr als ein Interlude auf einer Platte, die auch so schon gerade acht Tracks hält. Trotzdem ist auch "Yonder" ein Album voller Musik, so zerbrechlich, dass man sie mit einem "Vorsicht, Glas!"-Sticker ins Regal stellen müsste. Und eines, mit dem Sometree vor Muttern wieder ein bisschen angeben können. Man muss es nur zu greifen bekommen. Sonst läuft es einem aus beiden Ohren davon.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Sink or swim
  • Moduin

Tracklist

  1. Sink or swim
  2. Heroin
  3. Moduin
  4. A years mind
  5. Serene
  6. Conundrum
  7. A new low
  8. Enchiridion

Gesamtspielzeit: 36:36 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Eurodance Commando
2010-10-05 20:49:08 Uhr
things will be different next year ?

Klingt nicht gut ...

PS
Schade, am 18.10. kann ich nicht. Doof !
kds77
2010-10-05 09:35:19 Uhr
"as already announced, we gonna play a couple of shows in germany (see below) and in japan (tba soon). those dates are supposed to be the last sometree-evenings as you and we were used to. things will be profoundly different next year. more soon."

October 15: Bielefeld, Falkendom
October 16: München, Glockenbachwerkstatt w/ Verstaerker + Liger
October 17: Frankfurt, 11er w/Echolons
October 18: Köln, Subway w/ Lingby + Marc Horla
December 15: Berlin, Frannz w/ Corwood Manual

(http://sometree.com/)
JASMIN
2010-05-08 23:01:53 Uhr
SOMETREE IST EINFACH DER HAMMER!!!!
chucky
2010-02-04 20:11:46 Uhr
Kleine Anekdote zu dem Song noch. Die Band wurde ja bekanntlich in Hannover gegründet und ist dann nach Berlin gezogen. Letzen November gab es dann ein Konzert in Hannover. Es waren sehr viele Familienangehörige anwesend, also auch viele Kinder, die da rumgehüpft sind, was schonmal eine sehr persönliche Atmosphäre verursacht hat. Laut Aussage der Band, haben deren Familien sie noch nie Live gesehen, seit sie einen Plattenvertrag hatten. Bei Moduin stand ich dann neben der Mutter des Sängers, die dann während dem Song angefangen hat zu weinen. War aus irgendeinem Grund einer der berührendsten Musikmomente des Jahres für mich. :)
shomo
2010-02-04 20:10:59 Uhr
sink or swim, du penner
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