Gay Dad - Transmission

Gay Dad- Transmission

B-Unique / EFA
VÖ: 24.09.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Warme Semmeln

Welcher Teufel muß einen reiten, seine Band Gay Dad zu nennen? Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten, wie es zu einer solchen Namensgebung gekommen sein kann. Die erste hat mit viel Alkohol und verbotenen Substanzen zu tun und ist - obwohl Engländer ja als relativ trinkfest gelten - die weniger wahrscheinlichere. Variante Nummer zwei nämlich läßt vermuten, daß hinter den zwei Worten cleveres Kalkül steckt. Schließlich gibt es auf der Insel nicht eben wenige Bands, von denen es sich abzuheben gilt - zur Not mit dem bescheuertsten Bandnamen, seit ein paar Ingolstädter auf die Idee kamen, sich Slut zu nennen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Musik jedenfalls machen Gay Dad auch noch. Sollten aufgrund des Namens längst verdrängte Erinnerungen an die Village People wieder aufgekommen sein, so kann glücklicherweise aufgeatmet werden. Gay Dad haben die Hand nicht im Schritt, sondern an der Gitarre, die Kippe cool im Mundwinkel und den Manchester-Mop auf dem Kopf. Es geht also um Brit-Pop, der in diesem Fall auch mal kräftig rocken darf, aber vor allem eines ist: ausladend. Die größte Geste ist gerade groß genug, der pathetischste Text fast noch zu nüchtern und unter viereinhalb Minuten geht selten was.

Die Marschroute für ihren zweiten Longplayer nach "Leisure noise" (1999) geben Gay Dad im wilden "Harder faster" vor: "Nothing is denied / When you're doing it right" heißt es da, und dementsprechend bekommt man dann auch alles zu hören, was das britische Pop-Spektrum hergibt: Straighten Rock mit gelegentlichen Synthie-Sprengseln, großspurige Feuerzeugballaden und in "Dinosaur" sogar psychedelische Ansätze. Ihr feines Händchen für nette Melodien lassen die warmen Väter dabei stets spürbar über dem Hörer kreisen, und so wirkt auch nur selten störend, daß weniger auch mal mehr sein könnte. Zum Schluß gibt es mit "Promise of a miracle" sogar noch einen druckvollen und kompromißlosen Zweiminutenrocker, der diesen Grundsatz eindrucksvoll beherzigt.

So wird der positive Eindruck von "Transmission" auch vom übertriebenen Pathos der Briten kaum getrübt und macht die Frage, was von dieser Platte zu halten ist, eigentlich überflüssig. Homophobie oder Hintern hinhalten? Nun, vielleicht keines von beidem. Übersetzen wir "gay" doch einfach mit "fröhlich", so wie es die alten Briten taten, lange bevor George Michael zum Stelldichein in eine öffentliche Toilette rief. Gutgelaunt ist "Transmission" nämlich über weite Strecken wirklich, und es gibt keinen Grund, sich davon nicht anstecken zu lassen.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Transmission
  • Now always and forever
  • Dinosaur
  • Promise of a miracle

Tracklist

  1. Transmission
  2. Now always and forever
  3. Nightclub
  4. Harder faster
  5. Plane going down
  6. All my life
  7. Breathe
  8. Dinosaur
  9. Shoot freak
  10. Keep it heavy
  11. Everything changes
  12. Promise of a miracle

Gesamtspielzeit: 53:10 min.

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