Muse - The resistance

Muse- The resistance

Warner
VÖ: 11.09.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die neue Mitte

Das Schöne - und manchmal auch das Nervige - an der Gattung Mensch ist die Tatsache, dass sie in sich nicht homogen ist. Es gibt immer solche und solche. Anhand von Bands wie Muse lässt sich das hervorragend aufzeigen. Da gibt es jene, die die drei Engländer seit jeher grausam finden, was meist mit der schwelgerischen Traurigkeit der Musik und Matthew Bellamys Falsettstimme zusammenhängt. Andere lieben sie aus exakt demselben Grund. Oder es gibt solche, die es toll finden, dass "Black holes and revelations"diese Elektronik-Elemente hatte und sich so weit dem Mainstream annäherte, dass Muse das neu erbaute Wembley-Stadion auf der Bühne eröffnen durften. Denen gegenüber stehen wiederum diejenigen, die der Meinung sind, dass es seit dem hemmungslos schönen Bombastrock-Alternative-Meisterwerk "Origin of symmetry" mit dem Trio langsam, aber stetig bergab geht. Man sieht: Diese Band polarisiert. Entsprechend hoch waren also die Erwartungen an und die Neugier auf das fünfte Album.

Doch dann bekommt man angesichts von "The resistance" schnell das Gefühl, dass es etwas weniger Geplärre und Gezeter im Vorfeld auch getan hätte. Denn Muse wählen auf ihrem ersten in Eigenregie produzierten Album geschickt den Mittelweg zwischen alt und neu, zwischen R'n'B-Discos und Indie-Schuppen. Gewissermaßen hört man hier dem "New born" dabei zu, wie er sich im "Supermassive black hole" einen ordentlichen "Sunburn" holt, und dabei in totale "Hysteria" verfällt. So ist es seltsam, wenn sich die Mitglieder in Interviews wie kleine Kinder darüber freuen, dass sie erstmals einen Song aufgenommen haben, der komplett auf Gitarren verzichtet, aber "Undisclosed desires" dann nicht mehr ist als ein mauer Abklatsch von "Supermassive black hole". An anderer Stelle gehen dem guten Bellamy bei der in drei Parts aufgeteilten Mini-Oper "Exogenesis" ganz klar die Songwriter-Pferde durch. Aber insgesamt präsentiert sich "The resistance" als relativ konventionelles Muse-Album, das weder so schlimm wie befürchtet noch so brilliant wie insgeheim erhofft ist.

Fans der ersten Stunde, denen die letzte Platte zu geradlinig war, dürften sich über das an "New born" angelehnte, ausschweifend rockende "Unnatural selection" und das ungezügelte "MK ultra" freuen. Die in letzter Zeit bei Muse gern genommenen Queen-Anleihen finden im brillanten, weil augenzwinkernd überdrehten "United States of Eurasia" ihren spektakulärsten Vertreter. Auch die genauso poppige wie tanzbare Single "Uprising" gewinnt mit jedem Hördurchlauf an Format. Wem hingegen Bellamys Klavierergüsse schon immer wohlige Schauer über den Rücken gejagt haben, wird den zweiten Part der "Exogenesis"-Suite mit Jubel quittieren. Es gibt sie also, die Highlights für jeden Geschmack. Genauso finden sich aber auch Ausfälle wie der Schmalzklumpen "Guiding light" und "I belong to you" - schlimmer wurde die französische Sprache nicht mehr verhunzt, seit Joe Cocker "Noobliay Djamay" röhrte. Oder eine ganz und gar herkömmliche Rocknummer wie das Titelstück.

Bedenklich auch, dass Bellamy langsam zum Bono zu mutieren scheint und der Welt seine Verschwörungstheorien und politischen Wahnvorstellungen um jeden Preis mitteilen muss. Dabei kann der Knabe doch nichts besser, als in kryptischen Textzeilen über Verzweiflung und unerwiderte Emotionen zu singen. Letztlich ist also offensichtlich, dass Muse am Scheideweg stehen und nicht genau wissen, wohin die Entwicklung gehen soll. Weitere Politisierung und Annäherung an die stromlinienförmigen Anforderungen des Mainstreamradios? Oder lieber Vollbremsung und Rückkehr zu den Anfängen, zu siebenminütigen Riffeskapaden an Gitarre und Klavier? Oder vielleicht nichts von beidem, sondern etwas komplett anderes? Für den Augenblick haben sie diese Problematik mit "The resistance" durchaus passabel ausgesessen. Nochmal schummeln gilt aber nicht.

(Mark Read)

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Highlights

  • Uprising
  • United States of Eurasia
  • Unnatural selection

Tracklist

  1. Uprising
  2. Resistance
  3. Undisclosed desires
  4. United States of Eurasia
  5. Guiding light
  6. Unnatural selection
  7. MK ultra
  8. I belong to you (mon cœur s'ouvre à ta voix)
  9. Exogenesis: Symphony Part 1 (Overture)
  10. Exogenesis: Symphony Part 2 (Cross-Pollination)
  11. Exogenesis: Symphony Part 3 (Redemption)

Gesamtspielzeit: 53:56 min.

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Postings: 212

Registriert seit 26.03.2015

2016-03-21 13:06:43 Uhr
Natürlich ist die zweite Hälfte leicht schwächer. Sie hat aber auch Screenager und Megalomania, welchen ich ebenfalls fast die Höchsnote gebe.
Gitarrenbrei
2016-03-13 22:58:56 Uhr
Muse = Musik für TroIIe.

Huhn vom Hof

Postings: 541

Registriert seit 14.06.2013

2016-03-13 22:53:00 Uhr
"Absolution" ist durchwachsen, wirkt ein bisschen wie eine B-Seiten-Sammlung. Aber "Stockholm Syndrome" ist immer noch genial. "Eternally Missed" und "Fury" hätten auf "Absolution" drauf gemusst.

Affengitarre

Postings: 1830

Registriert seit 23.07.2014

2016-03-13 22:49:32 Uhr
Das stimmt wohl. Ein ganzes Album auf so einem Wahnsinnsniveau wäre zu unfassbar gewesen.

Vennart

Postings: 317

Registriert seit 24.03.2014

2016-03-13 20:35:46 Uhr
Die zweite Hälfte des Albums ist ja auch echt gut. So ein Level, wie es die Lieder der ersten Hälfte haben über ein ganzes Album zu halten, geht eigentlich kaum.
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