The Cribs - Ignore the ignorant

The Cribs- Ignore the ignorant

Wichita / Cooperative / Universal
VÖ: 04.09.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die drei lustigen vier

Es könnte im Grunde gar nicht besser passen, wenn man einmal einen Moment darüber nachdenkt: Johnny Marr, einst Gitarrist der großen Indie-Legende The Smiths, spielt mittlerweile nicht nur bei Modest Mouse, sondern auch bei der ewigen Indie-Hoffnung The Cribs. Und bevor jemand auf die Idee kommen kann, die Brüder aus dem englischen Wakefield wollten sich mit fremden Federn schmücken, ließ das ehemalige Trio schnell verlauten, Marr fungiere zwar als reguläres Mitglied, aber auch lediglich als gleichberechtigtes "Co-everything". The Cribs wollen auf ihrem vierten Album also aus freien Stücken nicht mehr die Band sein, die irgendwo auf halber Strecke zwischen Arctic Monkeys und Bay City Rollers zu suchen und daher für Bubblegum zu rockig und für Indie zu quietschig ist. Bereits der Vorgänger "Men's needs, women's needs, whatever" war schließlich mehr Rock als Boygroup mit Gitarren.

Und für "Ignore the ignorant" hat nun jemand The Cribs auch die letzten Kaugummireste unter den Schuhsohlen weggekratzt. Ob es nun Marr, Produzent Nick Launay oder sie selbst waren. Der umwerfende Vorab-Download-Track "We were aborted" gibt mit mehreren Schichten gesättigter Gitarrenarbeit, kugelrundem Sound und Refrain zum Durch-die-Decke-Gehen direkt zu Anfang die Richtung vor. Man muss unweigerlich an die selbstverzehrendsten Idlewild-Rocker oder an Shoegaze minus bewegungsunfähig machende Substanzen denken - und irgendwie auch an die Smiths. Doch wen das stören sollte, der ist hier ohnehin fehl am Platz.

"We share the same skies" wandelt verträumt durch eine ansatzweise glamouröse Morgenbrise und ersetzt die latente Schluffigkeit launigen Lad-Pops nachdrücklich durch eine Eleganz, die auch britischen Musikern nicht automatisch an der Wiege gesungen wird. "City of bugs" schleppt sich zunächst mühsam vorwärts, wächst aber beständig zu einem stolzen Großstadtsong mit fiebrigem Schlagzeugwirbel und groß auftrumpfendem Ende heran. Dazu fabuliert Ryan Jarman erstaunlich unverblümt über Abtreibung, Entmannung und Onanie - wenn auch nur auf metaphorischer Ebene. Und doch weiß er inzwischen: Im Leben geht es um mehr, als nur mit dem Schlachtruf "Hey scenesters!" den Girls "Another number" aus dem Kreuz zu leiern, um die "Men's needs" zu befriedigen.

Und so ist Marr ein idealer Partner für den musikalischen Reifeprozess, obwohl es verschiedene Meinungen darüber geben wird, wer hier wen unter die Fittiche genommen hat. Zuweilen muss man sogar richtig schmunzeln. Etwa, wenn der Titelsong den "Panic"-Holperbeat einfach nicht loswird oder die Melodieführung bei "Last year's snow" so verteufelt an Morrisseys "The more you ignore me, the closer I get" erinnert, einen Song, mit dem Marr damals gar nichts zu tun hatte. Sicher vollbringt "Ignore the ignorant" noch keine musikalischen Naturwunder. Zumal Jarman das Rockermaul für erhabene Popmusik wie diese gelegentlich zu weit aufreißt und man einige Stücke höchstens halbgut nennen kann. Kritikpunkte, die man aber lieber auf "Ignorieren" setzen sollte. Denn hier ist eine Band endlich im Begriff, richtig gut zu werden.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • We were aborted
  • We share the same skies
  • City of bugs
  • Emasculate me

Tracklist

  1. We were aborted
  2. Cheat on me
  3. We share the same skies
  4. City of bugs
  5. Hari kari
  6. Last year's snow
  7. Emasculate me
  8. Ignore the ignorant
  9. Save your secrets
  10. Nothing
  11. Victims of mass production
  12. Stick to yr guns

Gesamtspielzeit: 47:52 min.

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