Masters Of Reality - Pine / Cross Dover

Masters Of Reality- Pine / Cross Dover

Mascot / Rough Trade
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Keine Angst

"Vorsicht!", sollte auf der Hülle von "Pine / Cross Dover" stehen. In beruhigend großen Buchstaben am besten, auf einem runden, roten Aufkleber. Vielleicht auch mit zwei Ausrufezeichen, nur zur Sicherheit. Und darunter die Erklärung: "Nicht erschrecken, wenn Sie diese CD das erste Mal abspielen." Nicht, dass die Musik auf dem neuen Album der Masters Of Reality so grausam wäre. Aber schreckhafte Persönlichkeiten könnten ob des unvermittelt plötzlichen Einstieges beim ersten Hördurchgang dem Herzkasper nahe sein. Die ersten Akkorde von "King Richard TLH" scheinen sich vor lauter Ungeduld schon auf den Weg in Richtung Lautsprecher zu machen, bevor man den Play-Knopf auch nur berührt.

Und dann ist man auch schon mittendrin im neuen Album von Chris Goss und John Leamy. Fünf Jahre nach "Give us Barabbas" - das ja eher ein Solowerk von Goss war - ist der alte Sound wieder da: verzerrte Gitarren, sphärischer Gesang, verspielte Melodien. Staubtrockene Riffs blasen den Wüstensand aus den Boxen, kunterbunte Keyboards versprühen gute Laune, und der ganzen Platte scheint trotz des verregneten Covers die Sonne aus dem kleinen Loch in der Mitte.

So simpel nach vorne wie "King Richard TLH" rockt nicht jeder Song auf "Pine / Cross Dover". Es wechseln sich schnelle und langsame Stücke ab. "Absinthe Jim and me" beginnt mit einer getragenen Strophe. Goss' gemächliche Stimme liegt über einen hallenden Bass und einem simplen Schlagzeug-Beat, bevor im Refrain ein mächtig sägendes Gitarrenriff und im Gleichklang dazu ein verzerrtes Keyboard einsetzen, den Song auf den Kopf stellen und ihn fast noch überraschender enden lassen als "King Richard TLH" beginnt. Ähnlich, aber noch besser funktioniert "Always": Das behäbig stampfende Schlagzeug hämmert den Song ins Ohr, die Chorus-Gitarren lassen die Füße wippen.

Unterbrochen wird die Platte durch das Instrumental "Johnny's dream", das den ersten Teil "Pine" abschließt und die bluesigere zweite Hälfte der Platte einleitet. Hier sticht vor allem der Klaver-Rock'n'Roll von "Dreamtime stomp" hervor, der Refrain für Refrain immer höher in die Sphären des mehrstimmigen Gesangs aufsteigt und nur wegen der erdigen Gitarren nicht ganz abhebt. Ganz anders "The whore of New Orleans", bei dem sich gefühlte Hundertschaften verschiedener Trommeln und Percussion-Instrumente zu einem rhythmischen Knäuel verheddern, durch das sich ein grummeliger Bass und eine einsame Leadgitarre schlängeln, aber nie den Weg nach draußen finden. Es ist die Mischung aus gegen den Strich gebürsteten Hörgewohnheiten und bedingungslos eingängigen Melodien, die den Spaß an "Pine / Cross Dover" ausmachen. Nur nicht abschrecken lassen!

(Maik Maerten)

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Highlights

  • King Richard TLH
  • Always
  • Dreamtime stomp

Tracklist

  1. King Richard TLH
  2. Absinthe Jim and me
  3. Worm in the silk
  4. Always
  5. Johnny's dream
  6. Up in it
  7. Dreamtime stomp
  8. Rosie's presence
  9. The whore of New Orleans
  10. Testify to love
  11. Alfalfa

Gesamtspielzeit: 51:50 min.

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