Manchester Orchestra - Mean everything to nothing

Manchester Orchestra- Mean everything to nothing

Favorite Gentlemen / Sony
VÖ: 18.09.2009

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Spurenleger

Fünf Jungs, ein neues Album, elf neue Tracks und elf neue Videos. Wie bitte? Ja, richtig gelesen. Wo andere Bands zu einer Single einen opulent und teuer produzierten Videoclip über den Äther auf die Mattscheiben schicken, hauen Manchester Orchestra gleich deren elf raus und unterlegen somit auf ihrer Homepage ihr komplettes Machwerk mit passenden, wunderbar stimmigen Bildern. Allein das ist schon aller Ehren wert und trotzdem nur eine Randnotiz im Zusammenhang mit einem Quintett, das am Ende dieses Jahres mit Sicherheit in den Top-Irgendwas wieder auftauchen wird. Denn quasi aus dem Nichts liefert eine bis dato hierzulande weitgehend unbekannte Band einen Longplayer ab, der zwar nicht auf Anhieb komplett zündet, sich aber nach und nach zu dem Meisterwerk mausert, für die sie zurecht abgefeiert werden können.

Nordenglischer Akzent? Fehlanzeige. Pauken, Trompeten, Harfen oder Geigen? Davon ebenfalls keine Spur. Weder Manchester noch Orchestra. Die Herren führen einen auf die falsche Fährte, um dann letztendlich nur eines zu machen: Rocken, rocken und nach Möglichkeit auch noch rocken. "I don’t know what to do" gibt der gerade mal 22-jährige Andy Hull im Opener "The only one" von sich und führt dabei wieder in die Irre. Die US-Jungschaften wissen ganz genau, was sie hier machen. Ein furztrockener, knackiger Auftakt zum Schnippen, Wippen, Nicken. Und Schütteln. Denn mit Schellenring und knarzenden Saiten bewaffnet gilt es, keine Zeit zu verschwenden. "Shake it out" rennt von links nach rechts, bleibt stehen, pustet durch und legt wieder los. Was man mit zwei Gitarren, einem Bass und einem Schlagzeug alles so anstellen kann. So simpel und doch so gut. Phasenweise hat das Ganze was von einer Zeitreise zurück in die Mittneunziger. Flanellhemden trägt zwar heutzutage keiner mehr, aber Bärte und zotteliges Haupthaar sind wieder mal en vogue. Und so ist es vermutlich auch kein Zufall, dass das famose "I’ve got friends" wie die perfekte Symbiose aus Emo und Grunge klingt. Erst schleppend, dann treibend, mal laut, mal leise, sehr rifforientiert und obendrauf noch mit einer klasse Melodie samt hohem Wiedererkennungswert.

Apropos erkennen: Wenn Alice In Chains jemals eine etwas langsamere Coverversion von "Bullet in your head" aufgenommen hätten, hätten sie die vermutlich "Pride" genannt. Manchester Orchestra setzen ihren Fokus auf soliden Rock in all seiner teils schroffen, rauen und treibenden Art, vergessen andererseits aber auch die ruhigen, in Melancholie getunkten Momente nicht, ohne dabei auch nur ansatzweise weinerlich zu wirken. " I can feel a hot one" fällt in diese Kategorie. Bezaubernd schön, gefühlvoll und dabei vollkommen unkitschig. Da stört auch das finale "And I felt love again” kein bisschen. Wut, Verwirrung, persönliche Konflikte und Auswege, Loslassen und Finden. Darum geht es Hull und seinen Mannen. Vorzüglich, wenn man das Ganze mit derartiger Vehemenz, Geradlinigkeit und Authentizität vertonen kann. Das wirkt. Im Falle von "My friend Marcus", "Tony the tiger" oder dem großartigen "Everything to nothing" hat die Angelegenheit Pinkertonsche Dimensionen erreicht. "I am fine / I am fine / I am fine / I just need one hundred dollars", schreit Hull. Das sollte von nun an kein Problem mehr sein.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • The only one
  • Shake it out
  • I've got friends
  • My friend Marcus

Tracklist

  1. The only one
  2. Shake it out
  3. I've got friends
  4. Pride
  5. In my teeth
  6. 100 dollars
  7. I can feel a hot one
  8. My friend Marcus
  9. Tony the tiger
  10. Everything to nothing
  11. The river
  12. Jimmy Whispers (Hidden track)

Gesamtspielzeit: 53:25 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Schillauteria
2013-03-15 23:30:15 Uhr
Witzig, hab das Album heute erst als 5,99-Haufen im Plattenladen liegen sehen. Natürlich trotzdem nicht gekauft - zwei davon brauch ich auch nicht.
Leute, Leute, Leute
2013-03-15 23:05:06 Uhr
Awesome! Alleine "Shake it out" ist so ein Grower. - 9/10
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-08-02 13:45:39 Uhr
Der ist natürlich auch sehr gut. Gebe mich geschlagen, chucky:)
chucky
2010-08-02 11:58:46 Uhr
Dabei ist der Alice in Chainigste Song Pride sogar das Highlight auf der Platte! ;)
The Triumph of Our Tired Eyes
2010-08-02 11:25:12 Uhr
Am Anfang war ich ein wenig abgeschreckt von den Alice in Chains Referenzen, doch nun hat sie mich vollends überzeugt. Wer sowas mitreissendes wie Shake It Out und gleichzeitig etwas so berührendes wie I Can Feel A Hot One auf eine Platte pressen kann, kann gar nicht schlecht sein.
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