Early Day Miners - The treatment

Early Day Miners- The treatment

Secretly Canadian / Cargo
VÖ: 25.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Paläontologen

"Ich ... muss ... graben!" So raunzte Kevin Bacon einst im Minutentakt durch "Echoes", diese Zeitlupen-Studie in unfreiwilliger Komik. Das Problem: Je tiefer, je öfter, je manischer Bacon grub, desto weiter entfernte sich der Film gleichermaßen von Schrecken und unterschwelliger Melancholie. Zum Schluss blieb eine Parole als Metaphernschleuder, die sich selbst nicht lächerlicher hätte machen können. Wer auch immer als erstes behauptet hat, die schaurigen, die trauernden Gefühle befänden sich vor allem ganz tief unten, wären der Bodensatz der Seele, der hat sicherlich einen kulturellen Meilenstein losgetreten. Vom Graben verstand er hingegen nichts.

Early Day Miners graben aber nun schon seit knapp einem Jahrzehnt - und können es deswegen. Dabei nimmt sich ihre Melancholie jedoch Zeit: zum Entfalten. Ein Song wie "The surface of things" macht harmonisch seinem Namen alle Ehre, spinnt sich aber auch mantramäßig in sich selbst ein, trägt immer weiter Schicht für Schicht ab. Gitarrendelays wiederholen einerseits die zerduselten, tranceartigen Pointierungen der späten Slowdive, bringen ihnen im unbändigen Rattern eines Interpol-Beats aber auch das gepflegte Armschlenkern bei. Bis zum Schluss eine reine Großartigkeit herauskommt wie folgende, im steinerweichenden Duettgesang vorgetragene Zeilen: "This is why I need you / Rescue me from the big deal." Aus einem schlafenden Riesen wird so ein echtes Erweckungserlebnis ... ausgegraben, ganz recht.

Auch "So slowly" lässt seinen unfassbar runden Basslauf periodisch, doch unvorhersehbar in eine Mini-Synkope einbrechen, die zugleich den Song beschleunigt und das Herz des Hörers in die Knie gehen lässt. Hätten es The Cure in den Achtzigern auch nur ansatzweise verstanden, ihr "Close to me" an die sonstige Band- und Soundgeschichte anzuschließen, sie wären wohl nie derart groß geworden - würden andererseits aber nicht heute noch den Kampf zwischen Pop und Wave als Puppentanz inszenieren.

Bei den Early Day Miners verhält sich das im Grunde genau anders herum. Alles hier wird sorgsam eingebunden. Das braucht Zeit. Und zu viel Geduld für die große Pop-Sause. So präsentiert "So slowly" Wah-Wah-Stakkatos, die im Hintergrund der harmonischen Leitlinie immer wieder für ordentlich Tumult sorgen, sie aber nie am Aufgehen hindern - und erneut Kate Longs Stimme, die mit der Daniel Burtons auf eine Weise kommuniziert, die man bloß edel nennen kann. Bleibt Burton oft genug lakonisch und verhuscht, so stellt sich Long eindeutig nach außen und kreiert so große Momente in Texten, Stimme und Songs.

Eine Liaison, wie geschaffen, um mindestens zwei Leben lang zu halten. "Becloud" und "Spaces" verhilft sie zu ihren schwelgerischsten Momenten. Und auch "The zip" schafft es irgendwann, in einem beinahe artifiziell pumpenden Beat wie auf Watte herumzuschweben, während "In the fire" und "How to fall" sogar im Adult-Rock eine Menge Dream-Pop einzuschmuggeln wissen. So ganz die Größe von "The surface of things" und "So slowly" erreicht "The treatment" damit zwar nicht mehr. Doch auch hier wird gegraben und gegraben. Da kann Kevin Bacon noch so neidisch gucken. Die Early Day Miners wissen einfach, wie das geht. Schon klar: They dig it.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • So slowly
  • The surface of things
  • The zip

Tracklist

  1. In the fire
  2. So slowly
  3. The surface of things
  4. Spaces
  5. How to fall
  6. The zip
  7. Becloud
  8. Silver oath

Gesamtspielzeit: 42:51 min.

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