Wild Beasts - Two dancers

Wild Beasts- Two dancers

Domino / Indigo
VÖ: 04.09.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Tango in Heaven

Selten hat man es als Rezensent so einfach wie hier: Wer das hibbelige ADHS des Wild-Beasts-Debüts "Limbo, panto" noch im Ohr hat, den stoßen bereits die ersten Takte des Nachfolgers "Two dancers" auf Headline, Leitmotiv und Resümee zugleich. "Wild" - das ist spätestens hier etwas anderes. Und echte "Kerle" oder "Biester" benehmen sich nun auch definitiv nicht so. Sondern: Kerniger. Wilder. Biestiger. Überschriften, die von "Der Widerspenstigen Zähmung" fabulieren, reihen sich im Stechschritt durch das Rezensenten-Hirn. Bloß schade, dass er sie bereits für diesen Einstieg hier verbraten muss. Und gleich darauf zugibt: Ganz so wild ist es nun auch nicht mit den Wild Beasts und ihrer Zähmung.

Denn ihre stärkste Ikone behalten sie auch auf "Two dancers": Hayden Thorpes Glas-Crusher-Gesang. Nach wie vor klingt bei ihm das hohe C so, als zermartere es ihm gerade den kleinen Zeh. Und auch die ausufernde Dramatik des musikalischen Ausdrucks ist letztlich nicht verschwunden. Sie ist vielmehr in die Songs selbst diffundiert, führt aber keinen Ausdruckstanz mehr auf, sondern schwoft im Geiste zweier, sich bereits auf dem Albumcover ineinander verschlingender Tänzer im Einklang mit sich selbst.

Die Bassfiguren sind dubbig-dezent gehalten und werden im Sound beinahe zu einem einzigen Strom zusammengefasst. Die Gitarren brechen nicht mehr hyperventilierend aus, bilden viel mehr Loops und Hallräume, die mit einigen scharfen Betonungen aufgeraut werden. Das Schlagwerk klickt und klackert immer noch polyrhythmisch, legt sich aber auch entspannt auf Wolke Sieben zurück. Hinzu gesellen sich vereinzelte Bongos, verrauschte Klavier-Dreiklänge und Keyboardflächen - alles schön unter dem Deckel gehalten und zu Geistertangos verdichtet.

"Two dancers" - gemeint sein könnte hier auch die Kraft, die Thorpes Gesang in Kombination mit dem sonor-relaxten Timbre seines Bassisten Tom Fleming entwickelt. Bereits "Limbo, panto" schuf hieraus mit "The devil's crayon" aus dem Stand ein Meisterstück. Auf "Two dancers" übernimmt Fleming nun häufiger die Führungsrolle. Thorpe beschränkt sich auf einige Shouts und Hintergrund-Choräle, und doch entspinnt sich spätestens mit "All the king's men" und dem zweiteiligen Titeltrack ein diffiziles Spiel zwischen lautmalendem und lyrischem Ich. Das ist mehr Dialog als Duett. Im Sinne von Phrase/Gegenphrase - erschlagen Sie nicht den Rezensenten, sondern Ihren Musiklehrer.

In der Tat braucht man einige Zeit, um sich beispielsweise auf die hervorragende Troika einzugrooven, die den Hörer von Album-Anfang an herabzieht, um ihn erst langsam wieder aufstehen zu lassen. Auch "We still got the taste dancin' our tongue" leistet sich so einiges an harmonischem Luxus. Nicht nur der Basspart aus U2s "New year's day" sendet hier ganz entschlackt aus dem Hintergrund seine Signale. Im Grunde wird die gesamte Harmonik aus der Vorlage destilliert und ganz neu auf mehrere Instrumente aufgeteilt. Das Schlagzeug kickt dazu einen unwiderstehlichen Herzschlag, die Gitarren flackern auf und ab wie ein digitales Lagerfeuer. Und Thorpe findet eine nicht minder flirrende Gesangslinie, die sich in einem Refrain mit gesunder Selbsteinschätzung entlädt: "We got gusto / We are headstrong." Wild ist zwar was anderes. Zahm aber auch.

(Tobias Hinrichs)

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Highlights

  • Hooting and howling
  • All the king's men
  • We still got the taste dancin' on our tongues
  • Two dancers (I)

Tracklist

  1. The fun power plot
  2. Hooting and howling
  3. All the king's men
  4. When I'm sleepy
  5. We still got the taste dancin' on our tongues
  6. Two dancers (I)
  7. Two dancers (II)
  8. This is our lot
  9. Underbelly
  10. Empty nest

Gesamtspielzeit: 37:26 min.

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