Anathema - A fine day to exit

Anathema- A fine day to exit

Music For Nations / Zomba
VÖ: 01.10.2001

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Schimmer in der Dunkelheit

Auch für die ehemaligen Mitentdecker der Langsamkeit düsterer Färbung dreht sich das Rad der Zeit beunruhigend schnell. Gute zehn Jahre ist es jetzt schon her, daß sich das infernalische Trio Paradise Lost, My Dying Bride und Anathema in für damalige Metal-Verhältnisse doch recht gewagte Gefilde begab. Wo der Rest derer, die mit Vorliebe Haare schüttelten und Nackenwirbel brachen, auf die Attribute Coolness, Härte und vor allem Geschwindigkeit setzte, bevorzugten besagte Berufs-Depressionisten Romantik, Gefühl und schleppende Gruft-Riffs.

Mittlerweile trennen die düsteren Drei jedoch Welten. Während Paradise Lost die einstige Genialität auf dem elektrischen Stuhl einer modernen, aber ebenso blutleeren Variante ihres zeitlosen Klassikers "Icon" opferten, halten immerhin noch die Wiedergänger von My Dying Bride die Stellung in der Gruft. Im Hause Anathema war indes eine deutliche Weiterentwicklung angesagt. Zwar entlang des düsteren Extrems der Farbskala, jedoch hin zu weicheren Tönen. Floyd trägt nunmal Pink. Mit einer Hand wird zittrig die Rotweinpulle umklammert, während die andere eifrig am Strick knüpft.

Wo sich vor nicht allzu langer Zeit auf ebenfalls sehr wirksame Weise brachiale Gewalt mit Wogen unendlicher Melancholie vermischte, erklingen spätestens seit dem '96er-Werk "Eternity" die Gitarren so klar und hell wie Engelsharfen. Die einstige Wut ist völliger Hingabe und Verzweiflung gewichen. Rostiges Todesblei wurde ersetzt durch duftende Sträuße pechschwarzer Lilien. Das verheißene "Silent Enigma" ist endlich Wirklichkeit geworden. Trotz der wohligen Wärme, die "A fine day to exit" einerseits ausstrahlt, blieb andererseits die morbide Thematik erhalten. Um die Schlagworte Tod, Sterben und Suizid spinnen Anathema ihr ganz eigenes Trauer-Geflecht. "How did we get here? / Life don't belong here." Umzingelt von ehrlichen Emotionen und Selbstzweifeln kommt man schließlich nicht umhin, dem bitteren Tränen-Walzer "Barriers" die volle Aufmerksamkeit zu widmen.

Schier unfaßbar mutet es an, wenn Anathema den schmerzvoll herbeigesehnten Lichtblick am nächtlichen Horizont heraufbeschwören: "On this beautiful horizon lies a dream for you and I / With you I start to feel a sort of temporary peace". Mit weit aufgerissenen Augen und Ohren gilt es zu erfahren, wie sich das graue, häßliche Entlein ohne einen Anflug von "Panic" die "Underworld" durchlebt, im Dreivierteltakt alle "Barriers" überwindet und sich schlußendlich in einen hinreißenden Schwan verwandelt. Eine Analogie zur Bandgeschichte? "A fine day to exit" - die stimmungsvolle Perfektion ebenso schlichter wie purer Schönheit in einer kunstvoll inszenierten Oper der Traurigkeit. Wir zelebrieren mit.

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Release
  • Leave no trace
  • Barriers
  • Panic

Tracklist

  1. Pressure
  2. Release
  3. Looking outside inside
  4. Leave no trace
  5. Underworld
  6. Barriers
  7. Panic
  8. A fine day to exit
  9. Temporary peace

Gesamtspielzeit: 62:27 min.

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