Barenaked Ladies - Maroon

Barenaked Ladies- Maroon

Reprise / WEA
VÖ: 11.09.2000

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Eine weitere Woche

Ehrlicher Rockpop, die achtundsiebzigste. Was Abermillionen von Amerikanern gut finden, kann ja eigentlich nur entweder Kaugummi oder eine weitere Schrammelpopband sein. Diese hier ist sogar eine bewährte. Mit "One week" waren die Barenaked Ladies vor zwei Jahren eine weitere Gitarrenpoptruppe auf dem höchsten Treppchen der US-Charts. Was Hootie und seine Streichholzschachtel vorgemacht hatten, bekam bei ihnen einen etwas groovigeren Anstrich und eine gesunde Portion Hintersinn mit auf den Weg in die Plattenläden.

Dort steht nun "Maroon" bereit und wartet auf gierige Hände. "Sell sell sell" heißt denn auch ein Track auf dem Album. Mit einem Bachzitat beginnt es und erinnert augenzwinkernd an die großen amerikanischen Crooner italienischer Herkunft. Die Sechssaiter schrammeln dazu dezent, die Tasten perlen munter durch die Gegend und zwischen all diesem locker-flockigen Strahlemannpop bleibt genug Platz für das eine oder andere fröhliche Grinsen. Dennoch erscheint die eine oder andere Wolke vor der Sonne, die das Studio hier wohl erleuchtete. Keyboarder und Gitarrist Kevin Hearn hatte in den letzten Jahren einen Kampf gegen die Leukämie zu kämpfen, den er aber scheinbar gewinnen konnte. Leadsänger Ed Robinson drückt es so aus:"He kicked cancer's ass!"

Wer jetzt erwartet, auch das Album würde in besagtes Körperteil treten, kennt die splitternackten Damen schlecht. "Enjoy the humour of the situation" fordern sie. Entspannung ist dabei ein Stichwort, auf das hier alle hören möchten. Unaufgeregt servieren sie uns einen Cocktail aus Swing, Folk, Country und Rock mit diversen Ausflügen ins große Zitatenarchiv der freundlichen Tante Pop. Daß sie dabei das ganze Spektrum der Emotionen in gewitzte Songzeilen packen, war schon immer ein besonderes Markenzeichen der Kanadier. Bei ihren Fans sorgen sie so für das Gefühl, verstanden zu werden. In welchem ursächlichen Zusammenhang dies mit den Spaghettiwurforgien bei Livegigs steht, ist allerdings noch nicht geklärt.

Platteninfos reden gerne von "reifen Alben" und "erwachsenerem Klang". Produzenten, zumal sie Don Was (Rolling Stones, Iggy Pop, B-52s) heißen, betonen gerne, daß dies "das beste Album, das sie je gemacht haben" sei. Daß solche Statements letztlich an der Ladenkasse ziemlich egal sind, lassen wir mal außen vor. Solche Musik lebt schließlich davon, mit Hitsingles zu wuchern. "One week" war eine solche und "Pinch me" soll eine weitere werden. Dem steht zumindest in den USA nichts im Wege, außer der neunundsiebzigsten ehrlichen Rockpopband natürlich.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Pinch me
  • Sell sell sell
  • Tonight is the night that I fall asleep at the wheel

Tracklist

  1. Too little too late
  2. Never do anything
  3. Pinch me
  4. Go home
  5. Falling for the first time
  6. Conventioneers
  7. Sell sell sell
  8. Humour of the situation
  9. Baby seat
  10. Off the hook
  11. Helicopters
  12. Tonight is the night that I fall asleep at the wheel

Gesamtspielzeit: 52:02 min.

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