Karpatenhund - Der Name dieser Band ist Karpatenhund

Karpatenhund- Der Name dieser Band ist Karpatenhund

Wanderlust / Rough Trade
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Happyenders

Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Bewegte gar noch mehr. Und so lassen sich am aktuellen Videoclip zu "Wald", der ersten Singleauskopplung aus Karpatenhunds neuem Machwerk, ganz vorzüglich die wesentlichen Bestandteile des neuen Liedguts ausmachen. Für die Leichtigkeit, das Unbekümmerte aber auch Kurzlebige hätten wir jede Menge Seifenblasen und zum Abschluss Konfetti. Für die Schattenseiten, die Melancholie und das Verlorensein wäre dann das etwas düstere Gesamtszenario eines dunklen Waldes mit einigen wenigen Lichtspielen bereitet. Ein Hoch auf die Bildersprache! Möglicherweise recht plakativ und simpel, aber das ändert nichts an der Aussage.

Und ganz so leicht haben es sich Karpatenhund bei weitem nicht gemacht. Eine schauspielernde MTV-Moderatorin als Sängerin, ein Major-Deal, eine Tour mit Juli und der Titelsong für eine öffentlich-rechtliche Vorabendserie ließen nur bedingt auf zahlreiche Creditpoints des Indielagers hoffen. Macht aber gar nichts, da spätestens mit "Der Name dieser Band ist Karpatenhund" selbst die Szenepolizei einsehen muss, welch famoses Liedgut diese fast schon im musikalischen Niemandsland verschollene Band zu fabrizieren imstande ist. "Das ist nicht der Anfang / Das ist kein Ende / Das ist nicht dazwischen / Es ist nirgendwo." Karpatenhund sind im wahrsten Sinne des Wortes mittendrin, statt nur dabei. Düstere, sphärische Klänge machen sich breit und wirken so seltsam beruhigend. Wer sich bereits nach dem Opener fühlt, als befände er sich auf irgendeiner Tanzfläche der Endachtziger inmitten anderer, zumeist schwarz gekleideter Musikfreunde, wird bei "Wald" oder "Boden" seine helle, pardon, dunkle Freude haben und weiter das Tanzbein schwingen. Selten zuvor wurden Themen wie Trauer, Verlust, Leere, Selbstmitleid und Angst so glaubwürdig und gleichzeitig poppig transportiert. Und das auf Deutsch wohlgemerkt.

Während sich die schnelleren Tracks irgendwo im Wave-Bereich von New Order wiederfinden, sind bei gedrosseltem Tempo The Cure nicht weit weg. Wenn man bedenkt, dass die meisten Bandmitglieder zu deren Hochzeiten noch mit der Rassel um den Christbaum gelaufen sind, ist das schon recht beachtlich. Doch Karpatenhund wollen mehr. Alleine schon, dass eine Veröffentlichung nunmehr einen richtigen, wenngleich auch eigenwilligen Titel bekommt und nicht simpel weiter durchnummeriert wird, deutet auf Neuanfang. "Notfalls werde ich für immer warten", singt Claire Oelkers. Und: "Es ist nicht einfach zu verstehen, dass Erde und Sonne sich auch ohne mich noch drehen / Aber ich fürchte, genau das haben sie vor." Oder: "Sag mir, wie fühlt es sich an, mich so schrecklich zu behandeln?" Wenn das alles autobiographisch ist, hat die gute Frau aber wirklich einiges zu verarbeiten, um auch ihren persönlichen Neuanfang zu meistern. Ob es dabei förderlich ist, sich selbst mit "Was ich anfass’, geht kaputt / Was ich will, hab’ ich vergessen / Wo ich laufe, öffnet sich der Boden / Hier wächst kein Gras mehr, wächst nie wieder was" herunterzuziehen, ist eine andere Frage. "Das Glas ist nicht halb voll und nicht halb leer. Es ist völlig leer."

Das Schöne und zugleich Verblüffende an der ganzen Sache ist, dass das Album trotz des fetten Moll, der traurigen Texte und der alles überziehenden Melancholie unheimlich gute Laune macht. Hier gibt es andauernd neue Lieblingslieder zu entdecken, was vor allem auch an der passenden und kurzweiligen Instrumentierung liegt. Jede Menge Blasinstrumente, Synthies und großartige Melodien sorgen für einen sauberen, knackigen und ungemein beschwingten Sound, der Trauer oder Grübeln überhaupt erst gar nicht zulässt. (Happy) End.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Wald
  • Notfalls werde ich für immer warten
  • Plastic soul
  • Wie fühlt es sich an?

Tracklist

  1. Anfang (Black box recorder)
  2. Wald
  3. Notfalls werde ich für immer warten
  4. Boden
  5. Plastic soul
  6. Rorschach
  7. Hier wächst nie wieder was
  8. Bitte bitte bitte
  9. Wie fühlt es sich an?
  10. Lost weekend
  11. Ende (Rauschen)
  12. Mondo Cane (Reprise)
  13. Top Ten Hit

Gesamtspielzeit: 45:45 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Forumshundewelpe
2011-06-16 18:53:51 Uhr
Ich bin ein Forumshund, wenn ich groß bin.
Manus
2009-12-16 21:45:40 Uhr
Waren live leider nicht besonders brauchbar. Vom Sound her kamen die Songs einfach nicht richtig rüber. Da wurden völlig die Akzente falsch gesetzt.
Und es lag nicht am Venue, das ist mal sicher...
Fernandez
2009-12-16 10:08:25 Uhr
Hat jemand schon die neue Remix-EP zu "Notfalls werde ich für immer warten" gecheckt?

habe hier etwas gefunden:

http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=412229529&blogId=521858030

anscheinend nur digital zu haben oder wie darf man das verstehen?


Fotzenole
2009-12-08 17:44:31 Uhr
Fähig an den Instrumenten?????????
Vielleicht waren bei Dir andere Musiker auf die Bühne. Ich hab selten eine langweiligere und bocklosere band live gesehen.
aCku
2009-12-08 00:32:45 Uhr
ich war in bremen und diese kindergeburtstagsstimmung trifft es eig ganz gut. sehr sympatische menschen und auch sehr fähig an ihren instrumenten.
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