Pissed Jeans - King of jeans

Pissed Jeans- King of jeans

Sub Pop / Cargo
VÖ: 21.08.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Eiter bis wolkig

Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Der nette Nachbar und der perverse Freak. Allzu bekannt sind all diese Gestalten, deren Handeln von zwei Herzen, ach, in ihrer Brust bestimmt zu werden scheinen. Auch Matt Korvette, Frontmann der Combo Pissed Jeans, mag man solch eine Zweipoligkeit wünschen. Denn wenn das, was sich da auf dem "King of jeans" betitelten Drittwerk seiner Band musikalisch so abspielt, auch in Gänze sein Privatleben dominiert, dann mag der junge Herr da von Zeit zu Zeit auf einige ernsthafte Probleme mit sich und seiner Mitwelt stoßen. Oder auch bereits gestoßen sein.

Denn einfach macht es einem das Album zu keiner Zeit. Zähneknirschende, schwerfällige Attacken auf Geist und Gemüt fährt der Vierer aus Pennsylvania in jedem seiner Stücke auf, die als Katharsis für Korvettes verkorkstes Dasein dienen sollen. Denn "I don't bother!", wie er es im Opener "False Jesii part 2" trotzig all den gewöhnlichen alltäglichen Gegebenheiten gegenüber auf den Punkt bringt. Irgendwo dort, wo Punk schockiert und sich der Grunge genüßlich selbst zerfleischt, setzen die Songkolosse von Pissed Jeans an, deren Bandname in seiner Debilität ja schon anzeigt, dass hier keine Sympathiepreise gewonnen werden sollen. Mit Riffs, die wie Guillotinen all das absäbeln, was sonst als beruhigender Balsam die Strophen zierlicher Popsongs zusammenpappt. Mit manischer Monotonie, die wie hypnotisierend die Tiefen der Psyche erkundet. Mit stoisch hämmernden Drums, die wie in "Half idiot" dort ansetzen, wo die Vernunft einfach noch nicht ganz schweigen mag.

Aber ganz so unharmonisch lärmt die Platte dennoch nicht. Denn leitet da nicht eine klassische Rockspielerei die wirre Ode "She is science fiction" ein? Und das grandios gelangweilte "R-Rated movie" tanzt in seiner Behäbigkeit nur allzu gelassen vor sich hin. Zugeständnisse, die der Vorgänger "Hope for men" kaum machte. Und die auch Ausnahmen bleiben. "Request for masseuse" lebt da lieber mit schmierigem Stöhnen harte SM-Phantasien aus, während das monumentale "Spent" unter heftigem Donner den Sänger einen ereignislosen Tag aus seinem Leben dokumentieren lässt. "It didn't satisfy" bildet das Resumée seiner angeekelten Betrachtungen, was sich zwar über das Album nicht sagen lassen kann, aber gewissermaßen den Hintergrund für diese fast vierzigminütige Selbstkasteiungen bildet. Eine ebenso schmerzhafte wie gekonnte Absage an all das Schöne und Gute, ein einziges Bohren nach noch tieferen Wunden und widerwärtigeren Ekzemen. Der ultimative Hyde ohne auch nur einen Hauch von Jekyll.

(Tobias Wallusch)

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Highlights

  • False Jesii part 2
  • Spent
  • R-Rated movie

Tracklist

  1. False Jesii Part 2
  2. Half idiot
  3. Dream smotherer
  4. Pleasure race
  5. She is science fiction
  6. Request for masseuse
  7. Human upskirt
  8. Lip ring
  9. Spent
  10. R-Rated movie
  11. Dominate yourself
  12. Goodbye (Hair)

Gesamtspielzeit: 39:30 min.

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User Beitrag
ihi
2013-02-09 23:36:15 Uhr
false jesii, genial!^^

diese band, dieser name, diese musik...
toolshed
2009-09-08 03:20:47 Uhr
Ich kann nur für mich sprechen, und ich verehre 'Black Flag' nicht mehr und nicht weniger als 'Isis' (samt Komplizen - schließlich auch nicht das Maß aller Dinge), zum Beispiel - und gerade deswegen kommt mir sowas wie 'Pissed Jeans' nicht nochmal ins Haus, und schon garnicht in den CD-Player.

Überhaupt könnte ich mich an Noise/Hardcore-Kram dumm und dämlich hören. Ist wohl auch nur eine Frage der Zeit. :)
messiah
2009-09-07 19:03:57 Uhr
"black flag" sollte es natürlich heißen :-)
messiah
2009-09-07 19:02:51 Uhr
hm, ich finde die platte ziemlich gut. schöner schmutziger, nihilistischer hardcorenoisepunk. aber man sollte seine ohren schon eher an destruktivem krach der sorte flipper, blag flag und ähnlichen 80er jahre noise/hardcore bands geübt haben, als immer nur an isis (die ich auch gut finde) und konsorten.
noise
2009-09-07 14:59:46 Uhr
Ziemlich deftig das Zeug. Mir persöhnlich etwas zuviel Krach und etwas zuwenig Musik. Obwohl, irgendwie hat es was. Aber wenn ich mir vorstelle das ne Stunde auf volle Dröhnung zu hören... ne lieber nicht!
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