Marit Larsen - If a song could get me you

Marit Larsen- If a song could get me you

Columbia / Sony
VÖ: 14.08.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Volles Zuckerrohr

Immer mehr norwegische Abiturienten entscheiden sich für das Studium der Zahnmedizin. Die Universitäten erklären sich diese Entwicklung mit dem drastisch gestiegenen Bedarf an entsprechenden Fachärzten und den daraus resultierenden guten Zukunftschancen. All das haben sie Marit Larsen zu verdanken. Die neue norwegische Gesundheitsministerin, die mit ihrem liebreizenden Äußeren auch den letzten Sofaklops dazu bringt, das Adjektiv "faul" wenigstens aus seinem Gebiss entfernen zu lassen, ist Larsen allerdings nicht. Für offene Münder sorgt sie trotzdem: Ab Mitte der Neunziger war die damals blutjunge Marit gemeinsam mit ihrer Freundin Marion als niedliches Pop-Duo M2M vor allem in den USA, Japan und natürlich ihrer Heimat Norwegen erfolgreich. 2002 stellte Larsen, mittlerweile reife 19, die Teenie-Band aufs Abstellgleis und eine Zuckerwattemaschine in ihr Mädchenzimmer.

Die Süßwaren-Produktion lief vorbildlich und Larsen veröffentlichte zwei Alben - "Under the surface" und "The chase" - zu denen einem Worte einfallen, mit denen man bislang nur Blicke in Kinderwagen assoziierte. Amerikanische Wissenschaftler wollen nun herausgefunden haben, dass der übermäßige Genuss zuckersüßen Liedguts die gleichen Auswirkungen auf die Zähne der Konsumenten hat wie Bonbons, Schokolade und Limonade. Warum die Norweger immer mehr Kronen brauchen, dürfte kein Rätsel mehr sein, wenn man sich die Verkaufszahlen von Larsens Platten ansieht: Beide Longplayer wurden mit Platin ausgezeichnet, die Single "If a song could get me you" klebte länger auf Platz 1 der norwegischen Charts als jede andere zuvor. Vielleicht lassen sich die Norweger aber auch deswegen so fleißig ihre Münder restaurieren, weil sie, seit Larsens Lieder im Umlauf sind, mehr Zähne zeigen. Bei so viel Niedlichkeit muss man doch einfach lächeln.

Was Larsen von handelsüblicher Harmlosigkeit unterscheidet, ist die Leichtigkeit, mit der sie, zumindest manchmal, idyllisch verschlungene Melodien aufspürt, die eigentlich ein bisschen zu kompliziert für derart zutrauliche Popsongs sind. Überraschenderweise hat sie fast alle Stücke im Alleingang geschrieben und empfiehlt sich auch noch als kompetente Instrumentalistin: Klavier, Gitarre, Mandoline, Zither, Harmonika, Glockenspiel - aus Platzgründen beenden wir an dieser Stelle die Aufzählung. Das Wichtigste, was man über "If a song could get me you" wissen muss, ist jedoch: Diese Compilation der beiden bisher erschienenen Marit-Larsen-Alben klingt wie in einem gigantischen Spielzeugladen eingespielt. In unmittelbarer Nähe der Disney-Abteilung, mit vielen glücksbärchibunten Instrumenten, und in den Pausen gab's bestimmt für jeden ein Happy Meal und Softeis mit Himbeergeschmack. Auch Larsens Stimme bleibt den Volljährigkeitsbeweis schuldig, und die Anzahl der beteiligten Musiker ist so ziemlich das einzige, was an diesem Album Ü18 ist.

Trotzdem machen diese Liedchen ganz schön viel Spaß: Der ABBA-Refrain von "Don't save me", die Schüttelglas-Melodie von "Under the surface", das Wild-West-Techtelmechtel "Only a fool" mit Banjo, Mandoline, Mundharmonika und selbstverständlich nur Platzpatronen im Colt. Auch "Is it love" und "Steal my heart" geraten weitaus erfreulicher, als es die Songtitel befürchten lassen. So clever muss man erst mal bei Tom Petty, Regina Spektor und den Beatles klauen - und sich dann auch noch trauen, im Booklet explizit darauf hinzuweisen. Dass Larsen sich thematisch ausschließlich im Bereich Verlieben-Lieben-Entlieben bewegt, muss wohl nicht extra erwähnt werden, und es versteht sich ebenfalls von selbst, dass das auf Dauer schon etwas ermüdend ist. Aber man kann sich ja auch auf die wirklich hinreißenden, herrlich verschwenderischen Streicherarrangements konzentrieren, die direkt ins Reich der Träume führen. Nur denkt bitte daran, Kinder: Vor dem Schlafen, nach dem Essen - Zähneputzen nicht vergessen!

(Ina Simone Mautz)

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Highlights

  • Don't save me
  • Under the surface
  • Steal my heart

Tracklist

  1. If a song could get me you
  2. Don't save me
  3. This is me, this is you
  4. Under the surface
  5. Only a fool
  6. Solid ground
  7. Ten steps
  8. This time tomorrow
  9. I've heard your love songs
  10. The chase
  11. Is it love
  12. Steal my heart
  13. Poison passion

Gesamtspielzeit: 48:21 min.

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