Aviv Geffen - Aviv Geffen

Aviv Geffen- Aviv Geffen

Mars / Rough Trade
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die israelische Botschaft

Es gibt überraschendere Plattenveröffentlichungen: Nachdem Aviv Geffen daheim in Israel mittlerweile eine Lagerhalle für sämtliche Ehrungen, goldene Schallplatten und ähnlichen Tand anmieten muss, wurde es ja auch allmählich Zeit, den Markt außerhalb seines Heimatlands in Angriff zu nehmen. Die Steigbügel in Form zweier sehr feiner Platten unter dem Etikett "Blackfield" - gemeinsam mit Steven Wilson - kamen da sicherlich nicht unangebracht. Und wer selbige Alben aufmerksam studiert hat, weiß, dass insbesondere auf "Blackfield II" das Gros der Songs aus der Feder Geffens stammte.

Nun also das erste Album in englischer Sprache. Zugeständnis oder nicht: Um wie Geffen eine gewisse Botschaft zu vermitteln, ist Hebräisch in der Tat nicht geeignet. Und da ja außerdem ohnehin die Songs zählen, darf sich der geschätzte Hörer sogleich von den perlenden Pianoklängen auf "Black & white" aufs Sofa heben lassen. Jedoch nur, um zu den flirrenden Dancehall-Klängen von "It was meant to be a love song" wieder aufzuspringen. Vermutlich dürfte in Tel Aviver Discos bei diesem Song kein Quadratmeter Tanzfläche mehr verfügbar sein.

Dennoch ist die Ballade Geffens bevorzugtes Ausdrucksmittel. Das muss per se nicht schlecht sein, insbesondere bei Schwelgereien wie "Berlin" oder der Musik gewordenen Friedensdemo "Heroes". Und ein Song wie das bereits von Blackfield bekannte "It's cloudy now", das Geffen klugerweise nochmals aufs Album packte, sprengt ohnehin in seiner aufrüttelnden Wucht jedes Bewertungsschema. Was allerdings Geffen ritt, an dermaßen infantiles Gesäusel wie "It's alright" auch nur zu denken, wissen die Götter. Bei Blackfield jedenfalls hätte Steven Wilson das Demotape eigenhändig in den Schredder gestopft.

Als Megastar, zumindest in seiner Heimat, sei Geffen zugestanden, auch mit Produzentengrößen wie Trevor Horn zusammenzuarbeiten. Bei so braven Liedchen wie "Now or never" oder dem allzu häufigen Einsatz von Streichern allerdings stellt sich die Frage, ob mit dieser Glattbügelei der Preis für den großen Durchbruch nicht zu hoch ist. Symptomatisch, wie das kratzbürstige "The one" halb fertig ausgeblendet wird. Doch bei aller Krittelei ist Aviv Geffen ein "Debüt" gelungen, welches größtenteils überzeugen kann. Auch oder gerade weil der Blick ins Textblatt manchmal weh tut.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • It was meant to be a love song
  • Heroes
  • It's cloudy now
  • The one

Tracklist

  1. Black & white
  2. It was meant to be a love song
  3. Berlin
  4. It's alright
  5. Heroes
  6. It's cloudy now
  7. October
  8. Now or never
  9. The one
  10. Forest in my heart

Gesamtspielzeit: 34:41 min.

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User Beitrag
JACK
2010-05-08 17:41:28 Uhr
Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Ich glaube es hätte Aviv gut getan einen Qualitätsfilter wie Steven Wilson hinter den Reglern gehabt zu haben.
Die Qualität der Texte schwankt hier auch etwas. Das hat bei Blackfield besser geklappt. Ob's bei seinen anderen Soloalben so war kann ich nicht beurteilen, aber die Songs waren definitiv besser. Hier ist alles etwas verkrampft und überproduziert. Nicht wirklich schlecht, aber wer Aviv Geffen wirklich kennen lernen will, dem empfehle ich, sich seine frühen Alben, vor allem "White Nights", zu holen. Bei iTunes oder vor allem bei Amazon, sind die meisten seiner Alben ja, für 'nen vernünftigen Preis, als MP3 zu haben (immerhin).
Obrac
2009-09-01 11:25:19 Uhr
Ich finde gut, dass "It's cloudy now" der einzige Blackfield-Song (indes natürlich früherer Geffen-Solo-Song) ist, den er draufgepackt hat. Viele Blackfield-Songs existieren ja schon als frühere hebräische Versionen. So auch "End of the world", was ich aber in der Blackfield-Version schon toll genug finde. Das muss man nicht unbedingt ein drittes Mal wiederveröffentlichen, finde ich.
Übrigens kann ich nicht verstehen, warum in der Rezi hier "It's alright" so verrissen wird. Ich finde, das ist ein herrlich lockerer Popsong.
musie
2009-09-01 11:16:13 Uhr
wieso ist denn the end of the world nicht drauf? am southside fand ich das super.
toolshed
2009-09-01 05:13:12 Uhr
Mann, das Ende von "It's cloudy now" klingt so, als stünde plötzlich der Tod persönlich vor der Haustür. Toll!
toolshed
2009-08-30 03:59:34 Uhr
Sehe ich genauso. Das sind einfach zauberhafte Melodien. Ein durchweg gelungenes und schönes Pop-Album, wäre schon wünschenswert, dass er damit den Durchbruch schafft, auch wenn ich nicht wirklich daran glaube.
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