Melanie Fiona - The bridge

Melanie Fiona- The bridge

SRC / Universal
VÖ: 04.09.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Hit me!

Da haben sich die Marketingstrategen und Sales-Experten auf den oberen Etagen der Plattenfirma wieder einmal etwas ganz Hervorragendes ausgedacht. Wie kann es gelingen, die Kluft zwischen amerikanischem und europäischem Markt aus dem Handgelenk zu überbrücken? Man nehme einen Trend, der eigentlich schon keiner mehr ist, und mixe die von Europa ausgehende Rückbesinnung auf den Motown-Soul mit jener Art US-amerikanischen R&Bs, der in irgendwelchen geheimen unterirdischen Labors wie am Fließband hergestellt wird. Im Fahrwasser des Erfolges von Amy Winehouse und Duffy sollte der europäische Markt eine sichere Sache sein - der amerikanische wird dann schon irgendwie mit der R&B-Schiene geknackt, weil es im Grunde egal ist, ob auf der Verpackung Kelly Rowland oder eben der Name eines Newcomers wie Melanie Fiona draufpappt.

Die Single "Give it to me right", die sich in den ersten Sekunden verdächtig nach einer Kopie von Duffys "Mercy" anhört, gehört zu den fünf bis sechs sorgfältig geschriebenen und produzierten Songs dieses Debüts, die am ehesten Fionas Liebe zu den Originalen dokumentieren. Das züchtig schmachtende, mit einem hellen Hintergrundchor ausstaffierte "You stop my heart" zählt genauso zur Habenseite wie "It kills me" und "Teach him". Auffällig ist, dass diese besseren Songs auf "The bridge" allesamt von Andrea Martin geschrieben wurden, die ihre magischen Hände auch schon bei Hits von Leona Lewis, En Vogue oder Nelly im Spiel hatte. Ein wirklich guter Popsong ist eben schwerlich wieder zu zerstören. Und die Unterschiede zwischen den guten und den weniger guten Songs sind auf "The bridge" leicht auszumachen.

Denn nicht jedes der zwölf Stücke ist mit derselben Gewissenhaftigkeit produziert wie "Give it to me right". Gleich der zweite Song "Bang bang" klingt eher wie die deutsche Plastik-Castingband Queensberry, die ja ebenso versucht, mit dem aktuellen Trend soviel Geld wie möglich zu scheffeln. Auch "Monday morning", "Please don't go (Cry baby)" oder auch "Johnny" stoßen in diese Kerbe und hinterlassen eher ein müdes Gähnen als Beifallsstürme. Bei aller Kritik bleibt dennoch, dass sich ein richtiger Tiefpunkt auf "The bridge" nicht ausmachen lässt. Selbst die schlechteren Songs pendeln sich zumindest auf einem ordentlichen Radio-Pop-Niveau ein.

Vollends gezündet haben die tollen Ideen aus den Hit-Think-Tanks bisher allerdings noch nicht. Der kommerzielle Erfolg von "The bridge" ist bis dato überschaubar. Auch "Give it to me right" zieht jenseits von Europa bisher nicht so richtig. Vielleicht liegt es daran, dass die aufgeklärte Alte Welt mit dem offenherzigen Thema des Songs - grob gesagt: moderner Feminismus - besser zurechtkommt als die USA. Entweder Du gibst es der Fiona richtig, oder Du lässt es am besten gleich bleiben - so lautet die Kernaussage. Alice Schwarzer dürften die Freudentränen in den Augen stehen. Mit etwas Glück könnte dieses Jahr in kommerzieller Hinsicht das Jahr der Melanie Fiona werden. Die Hits dafür liegen teils auf, teils aber auch unter dem Tisch.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Give it to me right
  • You stop my heart
  • It kills me

Tracklist

  1. Give it to me right
  2. Bang bang
  3. Monday morning
  4. Please don't go (Cry baby)
  5. Ay yo
  6. Walk on by
  7. You stop my heart
  8. Johnny
  9. Sad songs
  10. Priceless
  11. It kills me
  12. Teach him

Gesamtspielzeit: 45:08 min.

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