Jan Delay - Wir Kinder vom Bahnhof Soul

Jan Delay- Wir Kinder vom Bahnhof Soul

Universal
VÖ: 14.08.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Der Event-Charakter

Ein neuer Jan, ein neuer Anfang. Das stellte Jan Phillip Eißfeldt vor ziemlich genau drei Jahren gleich im Intro zu "Mercedes dance" unmissverständlich klar und sollte damit auch recht behalten. Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran. Das katapultierte jede Menge Songs in Radios und Charts sowie Herrn Delay von einer Award-Show in die nächste. Und anno 2009? Da resümiert er gerade darüber in "Large" augenzwinkernd: "Zu jedem Pups-Event werd’ ich eingeladen / Hab’ schon jemand eingestellt, nur um 'Nein’ zu sagen." Klingt überheblich und großkotzig? Klar, aber die Hamburger Reizfigur kennt auch die Schattenseiten: "In jedem Restaurant krieg’ ich den besten Platz / Doch bin ich auch der erste, dem jemand ins Essen kackt." Mahlzeit!

Aber im Grunde genommen hat Jan Delay überhaupt keinen Anlass zum Meckern. Das Leben meinte es zuletzt äußerst gut mit ihm, was sich im Großen und Ganzen auch im Liedgut von "Wir Kinder vom Bahnhof Soul" widerspiegelt. Weder ein neuer Jan, noch ein neuer Anfang. Der Titel ist zunächst irreführend und deutet nicht zwangsläufig darauf hin, dass wir es mit der konsequenten Fortsetzung des Erfolgsalbums zu tun haben. So richtig soulig werden die Hamburger eigentlich nur bei den ruhigeren Stücken. Da wäre zum Beispiel "Ein Leben lang", eine sanft daherschwebende Ballade, die textlich mit Zeilen wie "Mit allem kann ich leben, solang ich mit dir leben kann / Für immer und für ewig, aber mindestens ein Leben lang" zwar etwas kitschig anmutet, insgesamt aber recht lässig rüberkommt. Gleiche Schiene, aber noch um einiges gefühlvoller geht es bei "Hoffnung" zur Sache. "Doch wenn Du denkst, es geht nicht mehr / Dann kommt von irgendwo diese Mukke her." Vertonte Melancholie eines Poesiealbum-Klassikers nennt man das wohl. Gepaart mit einer musikalischen Verbeugung vor Prince und Stevie Wonder.

Apropos Klassiker und Verbeugung. Da hätten wir noch "Abschussball". Sehr groovig, aber auch irgendwie ziemlich seltsam anmutend mit Falco- und Trio-Zitaten. Einer der paar Songs, mit denen man nicht zwangsläufig sofort warm werden dürfte. Ganz im Gegenteil zur bereits aus Funk und Fernsehen bekannten ersten Singleauskopplung "Oh Jonny". Von seiner Begleitband Disko No.1 musikalisch perfekt in Szene gesetzt, kann Jan Delay rein gar nichts falsch machen. Der Track rockt, macht Laune und füllt die Tanzflächen dieses Sommers. Was will man mehr? Etwas funkiger? Gerne. "Showgeschäft" fungiert als passender Opener zum Mitwippen, während das kritische, aber beschwingte "Kommando Bauchladen" von Tempo und Bläsern getragen wird und das fast textlose "B-Boys & Disko-Girls" auch seinen Platz auf dem Soundtrack zu Tarantinos "Jackie Brown" gefunden hätte. Zu "Rave against the machine" und selbstredend auch "Disko" lässt sich ebenfalls vorzüglich das Tanzbein schwingen. Auch wenn nicht jeder Song abgeht: Dieser Mann ist ein Ereignis. Selten waren die 70er Jahre präsenter. Und da war sogar der Chefstyler noch ganz am Anfang.

(Jochen Gedwien)

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Highlights

  • Showgeschäft
  • Oh Jonny
  • Hoffnung

Tracklist

  1. Showgeschäft
  2. Oh Jonny
  3. Ein Leben lang
  4. Überdosis Fremdscham
  5. Abschussball
  6. Hoffnung
  7. B-Boys & Disko-Girls
  8. Large
  9. Kommando Bauchladen
  10. Little Miss Anstrengend
  11. Rave against the machine
  12. Disko

Gesamtspielzeit: 49:24 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
JanDeSand
2011-07-27 12:08:49 Uhr
Jetzt mekkert ma nicht alle an JanDelay rum, der macht eigentlich echt geile funk sachen, die zwar oft von anderen leuten (ab)geklaut sind aber man sollte lieber diese scheiß popular musik kritisieren: Rihanna, david Guetta und ...
RateMal
2010-08-17 08:09:03 Uhr
Das sind dann wohl auch die Leute, die "Schni - Schna - Schappi" gut finden...
Vage Vermutung
2010-08-06 10:34:06 Uhr
Möglicherweise haben die Leute (nicht Idioten!) einen anderen Musikgeschmack als du.
Lofoten-Heinrich
2010-08-06 09:48:51 Uhr
Das kann man bei Lindenberg und Grönemeyer auch fragen. Viel brisanter ist die Frage: Wieso gehen soviele Idioten auf solche Kackmusik ab?
RateMal
2010-08-06 09:43:13 Uhr
Wie kann man jemanden mit so einer Stimme bloß ans Mikro lassen?
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