Broadway Calls - Good views, bad news

Broadway Calls- Good views, bad news

SideOneDummy / Cargo
VÖ: 21.08.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Stimmungsmacher

Wie machen die das nur? Broadway Calls' "Good views, bad news" müsste eigentlich ein Problem haben, bei dem sich ein Termin beim Gerichtsvollzieher im Vergleich wie eine Routine-Untersuchung beim Friseur anfühlt. Die Songs dieser Platte hat man nämlich alle schon mal gehört - auf alten Epitaph-Platten vielleicht. Oder schon mal erlebt - in jedem JUZ, in dem eine Punkband haust, die was taugt. Und sich so satt dran gehört, dass man zeitlebens keinen Nachschlag mehr braucht. Und dennoch klingt "Good views, bad news" bisweilen so frisch gezapft, als hätte jemand den Kalender um 20 Jahre zurückgedreht. Melodycore war noch nicht zur Serienproduktion freigegeben, auf Bad-Religion-Platten passierte mehr als auf jeder Postrock-Show - und mit vier Akkorden konnte man damals noch alles sagen, was gesagt werden musste. Vorausgesetzt, man hatte wie Broadway Calls "Good views, bad news" die richtigen Songs eingepackt.

Das sind Songs, die jeder Baggersee-Ghettoblaster am liebsten hat. Songs, die so geradeaus gestrickt sind, dass sie einen auch bei 35 Grad und Sonnenstich nicht schwindelig spielen können. Songs, für die man eigentlich spätestens jetzt das Wörtchen "Poppunk" hätte erfinden müssen. Vor allem mal Songs, die in drei Minuten Endorphin ausschütten, als ob das ein Gratis-Gesöffs wie Leitungswasser wäre. Nur Schaufensterpuppen und Emo-Mädchen ertragen "Give up the ghost" und "Wake up call", ohne ihnen zurückzulächeln. Nur Miesepeter rotzen zu der Stimmungsgranate "Best year" ihre Notfallsammlung Schnüffeltücher voll. Und nur Conor-Oberst-Fans haben jetzt noch nicht bei Myspace in diese Platte reingehört.

Der Rest grinst sich durch ein Album, das voll gepackt ist mit kleinen und großen Launemachern. Ein Album von Leuten, die nicht hinter einem Wust von Synkopen, Taktwechseln und überdrehten Gitarren verstecken müssen, dass sie ja eigentlich gar keine Songs schreiben können. Sondern so eines, das Pop ist, ohne langweilig zu sein. Es schrammelt sich zwischen alten Alkaline Trio und frischem Schmiss in die Beine all derer, die meinten, schon alles zum Thema Punkrock schon gehört zu haben. "Be all that you can't be" enthält einige der größten Kleinigkeiten des Sommers. Sogar den Rausschmeißer "At the end" möchte man zu Ende hören, bevor man nach Hause geht. Und plötzlich ist alles super. Wie machen die das nur?

(Sven Cadario)

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Highlights

  • Be all that you can't be
  • Best year
  • At the end

Tracklist

  1. Midnight hour
  2. Be all that you can't be
  3. Election night
  4. Basement royalty
  5. To the sheets
  6. Give up the ghost
  7. Sundowners
  8. Tonight is alive
  9. Best year
  10. Wake up all
  11. At the end

Gesamtspielzeit: 34:09 min.

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