American Steel - Dear friends and gentle hearts

American Steel- Dear friends and gentle hearts

Fat Wreck / SPV
VÖ: 17.07.2009

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

American wer?

Es gab sie schon immer, und es wird sie wohl auch immer geben. Diejenigen, die gute, ja oftmals hervorragende Arbeit leisten, aber die trotzdem niemand kennt. Die, deren Schaffen stets viel zu wenig gewürdigt wird, während andere, die das Rampenlicht weitaus weniger verdient hätten, sich darin suhlen, nur weil sie zur rechten Zeit den rechten Mitmenschen gekannt haben. Gäbe es eine Selbsthilfegruppe für Punkbands, die völlig zu unrecht viel zu unbekannt sind, fände man dort neben illustren Gesichtern wie The Living End (die zumindest in Europa sträflich vernachlässigt werden) und Strung Out auch deren Labelkollegen American Steel. Die Kalifornier waren bereits in der ersten Phase ihrer Karriere, bevor sie 2002 getrennte Wege gingen, stets nur der Geheimtipp, niemals der heiße Scheiß. Dabei war "Jagged thoughts" aus dem Jahre 2001 ein in der Szene anerkanntes Prachtstück von einem Punkrockalbum. 2005 dann fanden die Amerikaner pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum der Bandgründung wieder zusammen, um zwei Jahre später bei Fat Wreck Chords ihr von wenigen vielbeachtetes Comebackalbum "Destroy their future" zu veröffentlichen. Anno 2009 kennen immer noch die wenigsten Leute American Steel, aber - hoffen wird ja wohl erlaubt sein - vielleicht ändert sich das durch die Veröffentlichung von "Dear friends and gentle hearts", dem mittlerweile fünften Studioalbum.

Die Chancen dafür stehen auch deshalb nicht schlecht, weil sich die einstmals durchaus wüsten Punkrocker neuerdings deutlich gebremster und zahmer präsentieren. Sagen wir's ruhig, wie es ist: American Steel haben sich dem Pop geöffnet und ihn mit offenen Armen in ihre Mitte aufgenommen. Das lässt sich nicht nur an der Musik festmachen, auch am Gesang. Wo Rory Henderson früher dreckig röhrte und brüllte, ist nun seine glatte, unverzerrte Stimme zu hören. Erstaunlich ist jedoch, wie komplett logisch diese Weiterentwicklung des Sounds klingt. Wer American Steel auf "Dear friends and gentle hearts" zum ersten Mal hört - und wie wir oben festgestellt haben, sind das ja die meisten - wird sich wohl nur schwer vorstellen können, dass diese Band jemals einen anderen Sound fabriziert hat. Doch das ist noch nicht alles: Mit einer für eine Punkband geradezu erstaunlichen Finesse wissen American Steel den Pinsel zu schwingen, mit dem Stimmungsfarben gezeichnet werden. So finden sich auf dem neuen Album düstere Alternative-Böller ("The blood gets everywhere") und traurige Schunkler wie "Meals & entertainment" genauso wie zackige Partyrocker ("Emergency house party", "Tear the place apart"). Und während schon so viele Bands mit dem Versuch, ihre Musik auf ein neues Level zu heben, gnadenlos gescheitert sind, nutzen die Kalifornier dies, um ein unterhaltsames und ziemlich gutes Album zu erschaffen.

Nun wird nicht nur der Typ im NOFX-Shirt die Frage stellen, ob das alles überhaupt noch Punk ist. Natürlich ist es das. Dass eine Band neue Sachen ausprobiert, und beispielsweise einen absolut tanzbodentauglichen Rocksong wie das zynisch-böse "Your ass ain't laughing now" auf die Beine stellt, heißt noch lange nicht, dass sie ihre Seele verkauft hat. American Steel sind immer noch im Punk verwurzelt, sie haben nur die dieser Musikrichtung eigene Energie anders kanalisiert. Und sie haben immer noch so starke Melodien und einprägsame Textzeilen im Gepäck wie früher. Wo ist also das Problem? Außerdem wollen American Steel ja offensichtlich nicht die nächsten Green Day werden. Hier wird nicht der moralische und politische Zeigefinger erhoben. Die Jungs wollen eine Party schmeißen, und alle sind eingeladen. Viele Grüße an alle, die sie kennen.

(Mark Read)

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Highlights

  • Tear the place apart
  • Your ass ain't laughing now
  • The blood gets everywhere
  • Meals & entertainment

Tracklist

  1. Emergency house party
  2. Tear the place apart
  3. Safe and sound
  4. Your ass ain't laughing now
  5. The blood gets everywhere
  6. From here to hell
  7. Dear friends and gentle hearts
  8. Lights out
  9. Bergamot
  10. Where you want to be
  11. Finally alone
  12. Meals & entertainment

Gesamtspielzeit: 35:28 min.

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