Telekinesis! - Telekinesis!

Telekinesis!- Telekinesis!

Morr / Indigo
VÖ: 07.08.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die runden Ecken

Gut, Menschen, die behaupten, die braunen Stellen an einer Banane seien am besten, haben wirklich einen Dachschaden. Und eklige Brocken im frisch aufgekochten Schokopudding sind auch alles andere als toll. Und doch: Manchmal sind es die kleinen Fehler, diese winzigen Unstimmigkeiten, die etwas Gutes noch besser machen. Da ein kleines Knarzen, hier bricht die Stimme kurz ab, dort kippt der Drummer vom Stuhl, und eben ging glatt das Licht aus. Herrlich, wenn der Hörer diese Dinge wahrnehmen kann, ohne dabei in seinem Musikrausch unterbrochen zu werden, weil die Band einfach weiterspielt, als wäre nichts gewesen. Schade, dass das noch nicht bei allen so angekommen ist. Chris Walla, seines Zeichens Gitarrist bei Death Cab For Cutie und ein mittlerweile anerkannter Produzent in der Indieszene, steht offensichtlich auf Detailarbeit und findet diese kleinen Misstöne doof. Und weil er beim gleichnamigen Debüt von Telekinesis! an den Reglern saß, hat er die Ecken lieber gleich im Vorfeld abgerundet.

In einem kurzen Satz kann man sagen, dass "Telekinesis!" ein gutes Album ist. Es enthält viele schöne Songs, die vier Mannen um Mastermind Michael Benjamin Lerner wirken sicher an den Instrumenten und Mikros, und auch sonst gibt es kaum einen Grund, um sich zu beschweren. Wenn da nicht dieses ambivalente Gefühl wäre, das sich nach dem Hören einstellt. Glatt, rein und sauber ist das Album, und doch fühlt es sich schmutzig an. Der Opener "Rust" etwa, ohnehin nur ganz knapp über der Zwei-Minuten-Marke, kommt erst zum Schuss, wenn er schon fast vorbei ist, geht aber ordentlich und angenehm ins Ohr. "Look to the East" erinnert an Rogue Wave und Konsorten, mit ein paar netten Soundexplosionen und dem typischen Mitsing-Refrain. Ein scheinbares Geheimrezept, das nicht nur Walla bereits von Death Cab For Cutie kennt.

"Telekinesis!" mag es an ein paar Stellen an Leidenschaft fehlen, und doch gibt es einige schöne Überraschungen. "Foreign room" etwa startet als Akustikballade und packt dann die Elektrische aus. Da kommt das musikalische Gewitter genau zur richtigen Zeit, und rüttelt den den Hörer ordentlich durch. "Imaginary friend" poltert im Stakkatorhythmus direkt durch die Vordertür, während deutlich wird, dass sich das neue Zuhören bei Brian Wilson für Leadsänger Lerner gelohnt hat. Nein, die alte Seattle-Schule lässt sich nicht lumpen, und so sind die guten Songs des Albums natürlich übermäßig gut und die schlechten immer noch besser als die braunen Stellen einer Banane. "I saw lightning" entschädigt dann einmal mehr für die runden Ecken und Lerner verabschiedet sein eigentliches Soloprojekt nun auch vollends alleine an der Gitarre, während Chris Walla scheinbar kurz den Raum verlassen hatte - denn jegliche Unbeschwertheit, die man an manchen Stellen vermisst hatte, kommt nun geballt in einem einzigen Song zurück. "Let's be in love", singt er da, und unter den Umständen schmecken sogar die Brocken im Pudding.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Rust
  • Tokyo
  • Forein room
  • I saw lightning

Tracklist

  1. Rust
  2. Coast of Carolina
  3. Tokyo
  4. Look at the East
  5. Awkward kisser
  6. Foreign room
  7. Great lakes
  8. Imaginary friend
  9. All of a sudden
  10. Calling all doctors
  11. I saw lightning

Gesamtspielzeit: 31:47 min.

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