Mew - No more stories

Mew- No more stories

Columbia / Sony
VÖ: 21.08.2009

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die Kunstfehler

Alles an Mews fünftem Werk schreit danach, als Kunst wahrgenommen zu werden. Vom beängstigend eigentümlichen Artwork über die Tracklist mit Intro und Zwischenstücken bis hin zum satanischen Unterton des wegweisenden ersten Stückes "New terrain", das - hört, hört - rückwärts abgespielt den Song "Nervous" ergeben soll. Mew haben es dem Hörer zwar noch nie ganz leicht gemacht. Dennoch sucht man einen hinreißend geradlinigen Popsong wie "Special" vom Album "And the glass handed kites" auf "No more stories" vergebens. Die Dänen beginnen nach dem Beelzebub-Opener beschwingt, vertrackt, aber noch im Bereich des Poppigen mit dem wunderschönen Triumvirat "Introducing palace players", "Beach" und "Repeaterbeater". Alle drei Songs verkünden, dass Mew es diesmal etwas klarer angehen wollen als auf dem Vorgängeralbum.

Doch je länger "No more stories" dauert, desto verkrampfter wirken die Kompositionen. Auf dem Weg zur Kunst haben Mew einfach vergessen, auch einmal einfach einen guten Song zu schreiben. Die Stücke werden Track für Track schwer verdaulicher. Mit dem kurzen "Intermezzo 1" verändert sich die Marschrichtung des Albums. Was vorher noch guten Gewissens als Pop bezeichnet werden konnte, schlägt plötzlich um in verträumtes, kaum greifbares Prog-Pop-Geseier mit dem Anstrich von Anspruch. Mew kann man nicht einfach nur hören, Mew muss man mittlerweile verstehen. "Silas the magic car" verläuft sich irgendwo im tiefsten Drogennebel, "Cartoons and macramé wounds" zieht sich behäbig über rund sieben Minuten, und auch danach wird es nicht viel angenehmer auf "No more stories". Mew lassen den Sound fahrlässig verwischen. Drums, Gitarren, Piano, Bass, Marxophone, Marimba und Synthesizersounds werden geschichtet, ineinander verklumpt und stehen sich damit mehr im Weg, als dass sie die Songs nach vorne treiben.

"No more stories" wirkt als Ganzes sehr fragmentiert. Natürlich findet man immer wieder einzelne Song-Sequenzen, die einem vor Freude die Tränen in die Augen treiben. "Sometimes life isn't easy" löst sich nach der Hälfte in einen glasklaren Refrain auf, der das Gewurschtel und Gewusel der vorherigen Tracks wieder ein wenig entknotet. Mehr von diesen Momenten hätte "No more stories" sehr gut getan. Die meisten anderen Sequenzen muss man wie gewohnt weiterhin in den aufgeblasenen, trägen Songungetümen aufwändig suchen. Mew träumen sich mit ihrem fünften Longplayer in andere Sphären. Man kann, nein man sollte "No more stories" als Kunst verstehen und kaufen. Man kann es aber auch lassen.

(Kai Wehmeier)

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Highlights

  • Introducing palace players
  • Beach
  • Repeaterbeater

Tracklist

  1. New terrain
  2. Introducing palace players
  3. Beach
  4. Repeaterbeater
  5. Intermezzo 1
  6. Silas the magic car
  7. Cartoons and macramé wounds
  8. Hawaii dream
  9. Hawaii
  10. Vaccine
  11. Tricks
  12. Intermezzo 2
  13. Sometimes life isn't easy
  14. Reprise

Gesamtspielzeit: 54:13 min.

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