Juliette Lewis - Terra incognita

Juliette Lewis- Terra incognita

Roadrunner / Warner
VÖ: 28.08.2009

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Der Widerspenstigen Zähmung

Mit zerzausten Haaren springt sie da über die Bühne, das Gesicht mit leuchtenden Farben bemalt, als wäre sie ein mächtiger Stammeshäuptling. Dazu diese enganliegende, neongrüne Leggins, das verwaschene hellblaue Oberteil rutscht immer wieder Richtung Norden, während sie ihr Programm abzieht. Wer Juliette Lewis mal live gesehen hat, den wundert es nicht, warum diese Frau mit den 1000 Gesichtern in Interviews immer fröhlich und gelöst wirkt. Trotzdem beschloss Lewis irgendwann, dass es mit ihrer Band, The Licks, genug sei. Die Trennung wurde lapidar per MySpace bekanntgegeben und im selben Atemzug erwähnt, dass man bereits auf dem Weg zu neuen Ufern wäre - viel Zeit gebraucht hat Lewis dafür nicht.

Ende 2008, nachdem Lewis einen gewissen Omar Rodriguez-Lopez kennengelernt hatte, fingen die beiden an, an ihrem Soloalbum zu schrauben, während sich im Stillen die Begleitband The New Romantiques formte. Wer nun den Sinneswandel einer Frau erwartet, der es nicht egaler sein könnte, was andere von ihr halten, täuscht sich - und doch auch wieder nicht. Zugegeben, es gab bereits einige wirklich skurrile Momente. Etwa damals, lange vor ihrer Musikerkarriere, als Juliette Lewis - die Schauspielerin - mit ihrem damaligen Verlobten Brad Pitt über einen roten Teppich spazierte. Er, knapp 30 Jahre alt und dank unrasierten Babyfaces noch nicht zu schön für diese Welt. Und sie: Ein blasses, junges Mädchen, mit knallrotem Lippenstift, einem weißen Kleid, Perlen um den dünnen Hals, und als ob kaum schlimmer sein könnte, mit Corn Rows als Frisurersatz. Heute lacht sie sicher über diese Bilder - und findet es trotzdem wurscht.

Dass "Terra incognita" nun also, das erste eigene Album, anders klingt, war zu erwarten. Mit Rich Costey zusätzlich im Gepäck geht es für den Hörern auf eine turbulente Reise durch den Blues Rock, und Lewis, die zum ersten Mal im Grunde auf sich alleine gestellt ist, bekommt von Rodriguez-Lopez die Chance, ihr wirkliches Ich zu präsentieren. Das geht gut los. "Romeo" legt den Widerhall ihrer Stimme zunächst einzig über eine Gitarrenmelodie, bis der Song explodiert, und Juliette Lewis, die wildeste unter den Wilden, sich in die Blueskönigin verwandelt. Geschrieben hat sie den Song in Italien, und dem wunderbaren Arrangement sei Dank, dass man die gemeinsamen Stunden mit dem besungenen Mann förmlich nachfühlen kann. "Fantasy bar" ist ein wahres Trommelfeuerwerk, mit wütenden Gitarrenriffs und einer Sängerin, das ist neu, die sich nicht hinter den Instrumenten versteckt, sondern nicht nur als Person, sondern auch mit ihrer Stimme in den Vordergrund tritt.

"Uh huh" ist eines jener Stücke, die man erst nach mehrmaligem Hören zu schätzen weiß. Zwar ebenfalls mit ordentlichen Gitarrenriffs ausgestattet, kommt er wesentlich poppiger rüber; und während Lewis im Refrain singt "Uh huh, oh honey" und dabei jeden Vokal wie Kaugummi in die Länge zieht, kann man es sich nicht verkneifen, sie sich dabei vorzustellen. In rosa Leggings, versteht sich, und einer riesigen Kaugummiblase. Diese würde spätestens bei "Noche sin fin" zum Platzen kommen. Gegen Ende klingt Lewis wütend, und der Song selbst scheint immer mehr in sich aufzugehen, die Drums werden schneller, die Gitarre lauter, bis es zum Abbruch kommt. Am Ende bleibt - nur sie. "The past is dead" singt Lewis dann zum Abschluss in "Suicide dive bombers" und nimmt ihre Hörer einmal mehr auf die Schippe. Ruhig und gemächlich geht es los, mit der Akustikgitarre und sonst nichts. Doch plötzlich fliegt alles in die Luft, und wieder ist es die Sängerin, die über allem schwebt. Somit liefert Juliette Lewis mit "Terra incognita" ein solides Album ab, hinter dem sie sich nicht verstecken muss - aber das hat sie ja sowieso längst hinter sich.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Ghosts
  • Fantasy bar
  • Terra incognita
  • Suicide dive bombers

Tracklist

  1. Intro
  2. Romeo
  3. All is for God
  4. Ghosts
  5. Fantasy bar
  6. Hard lovin' woman
  7. Terra incognita
  8. Uh huh
  9. Female persecution
  10. Junkyard heart
  11. Noche sin fin
  12. Suicide dive bombers

Gesamtspielzeit: 46:13 min.

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grundehrliche frau
2015-02-10 03:04:53 Uhr
https://www.youtube.com/watch?v=8-Ua19F-CwI
witzle
2009-10-07 11:46:57 Uhr
naja, schwache Songs die grossen SPass machen und von Oma produziert, ignorieren
Wolffather
2009-10-07 11:30:46 Uhr
ganz nette Scheibe eigentlich, kommt zwar nicht an die sehr starke Four On The Floor ran, aber recht ordentlich... ein Paar wenige Songs sind schwach, aber das Album macht doch großen Spaß... 7/10 würde ich sagen... wieso wird die von den Usern hier eigentlich komplett ignoriert?
ach, und produziert hat Omar Rodriguez-Lopes
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